Sommersaison 2007:

Lehárfestival Bad Ischl
„Fledermaus“ und „Giuditta“


(Bad Ischl, 06.05.2007). Zu einem international stark beachteten, in Österreich aber noch immer unterschätzten sommerlichen Operettenreigen hat sich das Lehárfestival entwickelt, seitdem es von Intendant Michael Lakner geleitet wird, der in seinem Vorwort zum diesjährigen Programm Folgendes schreibt:

"In Bad Ischl ist die Operette lebendig wie schon lange nicht mehr": Mit diesem Satz begründete einer der Kritiker der renommierten Fachzeitschrift "Opernwelt", warum seine Wahl beim Ranking zum "Opernhaus des Jahres" im Jahrbuch 2006 auf das Lehár Festival Bad Ischl fiel. Ein weiteres Rating findet sich in der "Deutschen Bühne" vom August 2006, wo das Lehár Festival Bad Ischl in der Kategorie "Beste Gesamtleistung einer Bühne" für sein kompetentes Programm gelobt wird. Und der Preis der Deutschen Schallplattenkritik für die CD-Produktion "EVA" aus 2005 ist der schlagende Beweis dafür, dass die Festspiele ihren Besuchern auch auf musikalischem Gebiet hervorragende Qualität bieten.

Und dies alles bei sehr bescheidenen finanziellen Mitteln, von denen auch noch 75% selbst erwirtschaftet werden müssen, mehr schaffen nicht einmal die Salzburger Festspiele. Mit einer gekonnten Mischung aus innovativen, aber das Publikum nicht verstörenden Inszenierungen und hervorragender musikalischer Qualität schafft es das Lehárfestival, dem schon so oft totgesagten Genre Operette gar kräftig Leben einzuhauchen, und so will man es auch im Sommer 2007 machen. Obwohl heuer keine absolute Rarität auf dem Programm steht, ist doch mit Franz Lehárs Giuditta (Premiere 21. Juli, weitere 12 Vorstellungen bis 1. September) ein mittlerweile eher selten gespieltes Werk zu erleben, im Jahr 1934 mit triumphalem Erfolg an der Wiener Staatsoper uraufgeführt mit Jarmila Novotna (Giuditta) und dem aus Linz stammenden Richard Tauber (Octavio). Deren beider Rollen werden in Bad Ischl vom rumänischen Tenor Alexandru Badea und der puertoricanischen, in letzter Zeit vor allem an der Wiener Volksoper sehr erfolgreichen Sopranistin Melba Ramos übernommen. Auch in einer Operette ohne Happyend darf das Buffopaar nicht fehlen, dargestellt von Christian Bauer und der höchst talentierten jungen Sonja Adam. Inszenieren wird der operettenerfahrene Sänger, Schauspieler und Regisseur Gernot M. Kranner, dirigieren wird Vinzenz Praxmarer, der ja voriges Jahr schon sehr erfolgreich Fatinitza geleitet hat.

Von einem ebenfalls in Bad Ischl bereits sehr erfolgreichen Dirigenten, nämlich Marius Burkert, wird auch die Eröffnungspremiere übernommen werden, und zwar die Operette der Operetten, Johann Strauss’ Die Fledermaus (Premiere 14. Juli, weitere 16 Vorstellungen bis 2. September). Inszenieren wird der äußerst vielseitige Künstler Wolfgang Dosch; die Besetzungsliste strotzt geradezu vor Namen von Publikumslieblingen: die in der vorjährigen Lustigen Witwe bejubelten Miriam Portmann und Reinhard Alessandri werden das Ehepaar Eisenstein sein, Thomas Zisterer der Dr. Falke, und Helga Papouschek wird nach jahrzehntelanger männlicher Dominanz in dieser Rolle den Frosch übernehmen. Viele Grazer bzw. Ex-Grazer in den weiteren Rollen, allen voran Kurt Schreibmayer, der nach Alfred und Eisenstein nun zum Gefängnisdirektor Frank mutiert, Taylan Memioglu als Alfred, Stephanie Houtzeel als Luxusbesetzung für den Orlovsky, sowie das Zwillingspaar Christina und Theresa Grabner als Schwestern Adele und Ida.

Der zur Tradition gewordenen Kaisergala (16. August) wird heuer Birgit Sarata besonderen Glanz verleihen, ebenfalls zur Tradition wird das Projekt Europerette, im Zuge dessen sich Jugendliche aus ganz Europa mit der Gattung Operette unter den verschiedensten Aspekten auseinandersetzen.

Da das Lehárfestival in den letzten Jahren nicht nur das halten konnte, was die Papierform versprach, sondern die Erwartungen noch übertroffen hat, kann das Motto also nur lauten: Auf nach Bad Ischl!!

Text: Wolfgang Würdinger




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