Schauspielhaus Graz - Probebühne:

Händl Klaus: Dunkel lockende Welt
Skurril und vergnüglich

(Graz, 28.04.2007). Das Stück von Händel Klaus, welches die menschlichen Abgründe in den handelnden Figuren nur am Rande beleuchtet, wird auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses in einem Bühnenbild das durch seine Simplizität besticht gespielt. Es berichtet in drei Szenen, in welchen jeweils zwei der drei Protagonisten aufeinander treffen, von einem kurzen Abschnitt im Leben dieser Menschen. Die Szenen lassen zwar weiteres erahnen, doch mit Sicherheit kann man nicht feststellen, was vor der Handlung des Stückes tatsächlich passiert ist.

Corinna, eine junge Ärztin, ist kurz davor Deutschland zu verlassen um gemeinsam mit ihrem Freund in Peru Entwicklungsarbeit zu leisten. Sie trifft auf Joachim, ihren Vermieter, der sich darüber freut, wie gut sie die Wohnung geputzt hat. Auch die Badewanne hat sie austauschen lassen, denn, das behauptet sie zumindest, sie sei durch die Farbe die Corinna zum färben ihrer Haare verwendet beschädigt worden. Während des Gespräches über die Totenrituale der Einheimischen in Peru findet Joachim die Zehe eines Menschen die er, als Andenken an Corinna, behält.
In der nächsten Szene ist Corinna nicht in Peru sondern bei ihrer Mutter Mechtild, einer Biologin, die ihr zwar nicht sagen kann, wer Corinnas Vater ist, aber genau weiß, dass er klug war (schließlich hatte sie nur Professoren). Mechtild lässt sich in ihrer vom Eifer des Fachmannes getragenen Rede über die Prozesse des Stoffwechsels in der Pflanzenwelt kaum unterbrechen bis Corinna ihr erklärt ,sie würde bei ihr für einige Monate einziehen.
Im dritten Teil des Stückes ist Mechtild zu Joachim gekommen, der gerade die Wohnung umbaut in welcher Corinna gewohnt hat. Sie berichtet vom Tod ihrer Tochter und davon, dass sie eine Maske suche, welche Corinna wohl in der Wohnung vergessen haben muss. Sie und Joachim erinnern sich daran, dass sie sich einst schon kennen gelernt und im biblischen Sinne „erblickt“ haben und kommen einander, im Gespräch über die Rituale die im nordischen Winter den Tod begleiten, erneut näher.

Die drei Darsteller des Stückes,Sophie Hottinger als Corinna, Franz Solar als Joachim und Steffi Krautz als Mechtild spielen sich gemeinsam durch den Text der beinahe zur Gänze aus Bruchstücken von Sätzen besteht die immer einer der beiden die auf der Bühne sind spricht während der andere nur die Gelegenheit bekommt einzelne Worte dazwischen zu werfen. Gemeinsam mit Christoph Brandner, der dem Ensemble als Statist beiseite steht, bauen sie das Bühnenbild von Florian Barth, welches aus einzelnen und zu Türmen zusammengeklebten Kartons besteht, fortwährend um. Im Regiekonzept von Cornelia Crombholz wird die Handlung des Stückes noch weiter ins Skurrile verzerrt was sie schon beinahe dadaistisch erscheinen lässt.

Dunkel lockende Welt ist kein Stück, das einen in tiefschürfende weltbewegende Überlegungen stürzt. Vielmehr ist es durch seine schwer zu greifende Handlung höchst unterhaltsam und durch die hervorragende Leistung des Teams vom Grazer Schauspielhaus bereitet es einem einen höchst vergnüglichen Abend.


Folgevorstellungen:

4., 13., 18. und 21. Mai
8., 21. und 24. Juni

Text: Ulrich Braunegg


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