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Opernhaus Graz:
Wagner: Der fliegende Holländer
Gänsehaut und wohlige Schauer
von Ulrich Braunegg
(Graz, 18.03.2007). Daland, ein norwegischer Kaufmann, wird von einem schweren Sturm in eine Bucht getrieben und geht dort vor Anker. In derselben Bucht ankert auch der fliegende Holländer, ein Kapitän der einst beim Teufel schwor nie von seinem Tun abzulassen. Auf ewig muss er nun die Weltmeere durchstreifen und darf nur einmal alle sieben Jahre das Festland betreten um eine Frau zu suchen die ihm für immer treu sein wird, denn nur dann kann er von seinem Fluch erlöst werden. Daland, von dem Reichtum des Holländers beeindruckt, verspricht ihm seine Tochter Senta zur Frau. Senta wartet auf die Heimkehr ihres Vaters und singt den Frauen im Dorf die Ballade des fliegenden Holländers vor, dessen Bildnis sie immer bei sich trägt und dessen Schicksal sie so sehr bewegt, dass sie hofft, ihn einst zu treffen um ihn erretten zu können. Erik, ein Jäger, versucht Senta dazu zu bewegen ihren Vater zu bitten ihm ihre Hand zu schenken, doch als er ihr von einem Traum erzählt in dem ihr Vater sie einem Fremden schenkt, ist Senta sich sicher, dass im fliegenden Holländer ihr Schicksal liegt. Da kommt ihr Vater zurück und bring ihr den Holländer als Bräutigam mit. Sie schwört ihm ewige Treue doch als ihr Vater auf einem Fest die Verlobung bekannt geben will, erklärt Erik dass Senta auch ihm ewige Liebe geschworen hat. Der Holländer ist entsetzt von ihrer scheinbaren Untreue und will nicht daran glauben, dass sie ihm und nur ihm treu sei. Völlig verzweifelt richtet Senta sich selbst um dem Holländer zu beweisen, dass sie ihm bis zu Tode treu ist.
Peter Konwitschnys Inszenierung bringt die Figuren aus Wagners Oper in die Neuzeit ohne störend in die Dramaturgie des Stückes einzugreifen. Der Holländer und seine Mannschaft sind immer noch gekleidet wie Seemänner des siebzehnten Jahrhunderts, nur die anderen Figuren sind modern, und somit haben die Irrfahrten des unglücklichen Kapitäns nur noch länger gedauert. Die Kostüme von Johannes Leiacker unterstreichen dies genauso intensiv wie das von ihm geschaffene Bühnenbild. Die Spinnradszene am Anfang des zweiten Aktes ist in ein Fitnessstudio verlegt, die Spinnräder durch Spinning Fahrräder ausgetauscht. Störend wirkt nur, dass die letzten Takte des letzten Aktes nicht mehr vom Orchester gespielt werden sondern vom Tonband kommen.
Das gesamte Ensemble wird dieser großen Regieleistung gerecht. Angeführt von Robert Hale der als Holländer seiner Rolle sehr viel Tiefe und Ausdruck verleiht. Wenn auch seine Vokale nicht immer ganz denen entsprechen die in Wagners Libretto vorkommen zeigt er doch, dass er zu internationalen Spitzenklasse der Wagner-Interpreten gehört. Christiane Libor als Senta steht ihm in sämtlichen Lagen ihrer Partie um nichts nach, bezaubert in der Ballade im zweiten und verängstigt in ihrer Selbstmordszene im dritten Akt. Bernd Hoffmann als ihr Vater Daland ist ebenfalls sowohl schauspielerisch als auch sängerisch in allen Szenen überzeugend. Marlin Miller bleibt dagegen als Steuermann Dalands leider etwas farblos ebenso wie Fran Lubahn die als Mary, Sentas Amme, allzu sehr im Schatten ihres Schützlings steht. Johannes Fritzsch hat das Grazer Philharmonische Orchester von den ersten dramatischen Tönen der Bläser an perfekt im Griff und verleiht sämtlichen Motiven von Wagners Oper Charakter und Intensität. Der Chor der Grazer Oper steht, unterstützt von Extrachor und den Chorherren des Slowakischen Philharmonischen Chores, in solcher Fülle auf der Bühne dass die Chorszenen einfach nur überwältigend sein können.
Es ist ein Wagner-Abend der wohl auch jenen die mit dem Weimarer Meister bislang wenig anzufangen wussten Vergnügen bereiten kann. Kurzweilig inszeniert und mit einer musikalischen Dichte die einem in jeder Szene Gänsehaut und wohlige Schauer bereitet.
Text: Ulrich Braunegg
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Spinning statt spinnen
von Wolfgang Würdinger
(Graz, 18.03.2007). In Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper München und dem Moskauer Bolschoitheater zeigte Peter Konwitschny nun auch in Graz seine Version des Wagnerschen Frühwerkes, vieles gelang schlüssig und plausibel, so manches erschien etwas seltsam und déjà vu. Zwiespältig auch die Eindrücke der musikalischen Umsetzung.
Im Frühjahr 2004 schrieben wir anlässlich der letzten von Philippe Jordan in Graz geleiteten Premiere (Verdis Otello): Es wird für das Grazer Opernhaus nicht leicht sein, wiederum einen Dirigenten vom Format des Philippe Jordan zu finden, sein Weggang wird zweifelsohne eine schwer zu schließende Lücke hinterlassen. Und leider hatte Kassandra recht. Auch bei dieser Premiere erweist sich Chefdirigent Johannes Fritzsch seinem Vorgänger als nicht ebenbürtig: zwar spielt das Orchester unter seiner Führung durchaus sauber und animiert, aber vor allem forte und fortissimo, was bei Wagner nicht alles ist und in keiner Weise dem Geist der romantischen Oper entspricht, ebenso nimmt er oft zu wenig Rücksicht auf die SängerInnen und deckt sie stellenweise durchaus gnadenlos zu. Dabei ist die Besetzung keine schlechte. Altmeister Robert Hale ist auch nach langer Karriere ein beeindruckender Titelheld mit großer Persönlichkeit, vorbildlicher Diktion und genügend Reserven für die Schlüsselstellen. Zu wenig Kontrast zu seinem Heldenbariton bietet der Daland von Bernd Hofmann, hier wünschte man sich eine richtig schwarze, orgelnde Bassstimme, auch wenn es Hofmann nicht an der geforderten Tiefe mangelt. Nach Wunsch jugendlich-heldisch ist der Erik von Edward Rendall, der aber im Spiel etwas farblos bleibt, ebenfalls nach Wunsch lyrisch strahlend der Steuermann von Marlin Miller. Christiane Libor als Senta beeindruckt nach etwas zaghaftem Beginn mit ihrem strahlenden jugendlich-dramatischen Sopran, der großen leidenschaftlichen Ausdrucks fähig ist. Fran Lubahn ergänzt als Mary in bewährter Manier das Ensemble. Uneingeschränktes Lob verdienen Chor und Extrachor, die von den Herren des Slowakischen Philharmonischen Chores aus Bratislava tatkräftig unterstützt werden.
Im ersten Aufzug stellt Johannes Leiacker, der auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, ein von Michael Bauer perfekt ausgeleuchtetes romantisches Bild auf die Bühne, Schiff gibt es zwar keines zu sehen, als aber nach der stählern blitzenden Reeling von Dalands Schiff die leicht verschluderte aus Holz des Schiffes des Holländers herabgelassen wird, wird rasch deutlich, worauf es Konwitschny vor allem ankommt, das Herausarbeiten der Verschiedenheit der beiden Welten, was sich auch in den Kostümen äußert, die Norweger modern gekleidet, die Holländer wie einem Gemälde von Rembrandt entstiegen. Weshalb aber der Steuermann halb betrunken herumtorkeln muss, weshalb der vom Holländer gepriesne Engel Gottes sichtbar werden muss, ist uns nicht ganz klar, wird dem Publikum wieder einmal keine Imagination zugetraut?
Im zweiten Aufzug sehen wir die Mädchen anstatt beim Spinnen in der Spinnstube beim Spinning im Fitnesscenter, was für uns ja noch Sinn macht, denn sie wollen doch den heimkehrenden Seeleuten gefallen, als aber Daland und der Holländer eintreten, erscheint uns das Bild auf einmal nicht mehr ganz so passend, die bürgerliche Betulichkeit, zu welcher der Holländer kontrastieren sollte, findet die sich wirklich in einem Fitnessstudio?
Der dritte Aufzug spielt in der Werkskantine einer Fabrik des 19. Jahrhunderts, in der zünftig gefeiert wird; als dann der Holländer von Sentas vermeintlicher Untreue erfährt, gehen im Zuschauerraum die Lichter an (die Erleuchtung?); von hier aus kann Senta natürlich nicht ins Meer springen und so vernichtet sie alles mit einem Feuerstoß, das orchestrale Finale kommt dann vom Band, das kennen wir bereits aus Macbeth, und so vermissen wir nur das rote Sofa (Aida und Maskenball).
Dem Publikum hat’s dennoch gefallen, und so gab es am Ende stürmischen Beifall für alle an dieser Produktion Beteiligten.
Text: Wolfgang Würdinger
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Folgevorstellungen:
21., 24., 28. und 30. März
1., 4., 12., 14., 18. und 21. April
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