Werkraumtheater Graz:

Goethe: Faust 2 Version 1.0

(Graz, 17.03.2007). Es ist ein schwieriges Stück mit dem sich das Werkraumtheater befasst. Der zweite Teil der Tragödie des Wissenschafters, der seine Seele dem Teufel verkauft, ist eine relativ zusammenhangslose Szenenfolge die auf Goethes Wunsch hin erst nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte.

JedeR im fünfköpfigen Ensemble übernimmt eine Vielzahl von Rollen, was der Verständlichkeit des Stückes leider nur bedingt zuträglich ist. Franz Blauensteiner, der den Faust spielt, versinkt ganz im Goetheschen Reimschema, kommt aber leider nicht in den Sprachfluss ganzer Passagen sondern hält sich beim Rhythmus einzelner Verse auf. Rezka Kanzian, für die der Mephistopheles zur Mephista wurde, spielt sich mit viel Charme und Erotik durch ihre Rolle, doch bleibt unklar warum die Regie aus dem Teufel eine Frau machen musste. Christine Scherzer ist als Astrologin ein wenig farblos doch ihre Darstellung des Homunkulus ist entzückend, schlüssig und ganz klar einer der Höhepunkte des Abends. Michael Spiess, der den Kaiser gibt, fällt es leider schwer, einen gewissen umgangssprachlichen Ton aus den Worten Goethes herauszulassen, doch zur überheblichen Figur des Baccalaureus passt dies durchaus. Sowohl der Kanzler als auch der Wagner von Thomas Bergner sind in der Lautstärke ein wenig überzogen, doch seine Lichtdramaturgie ist höchst vielseitig und schenkt der Aufführung klar differenzierte Szenenfolgen.

Die Inszenierung im TTZ–Kristallwerk ist an die Mittel einer kleinen Independant-Bühne angepasst, auch Bühnenbild und Kostüme sind durchaus gelungen, doch ist das Stück in seiner thematischen und sprachlichen Komplexität keine gute Wahl für ein augenscheinlich relativ unerfahrenes Ensemble.


Folgevorstellungen:

19., 20., 22., 23., 24., 26., 27., 28., 29., 30. und 31. März

Text: Ulrich Braunegg







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