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Schauspielhaus Graz: Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame (Graz, 27.02.2007). Claire Zachanassian, eine amerikanische Multimilliardärin, kommt nach Jahren in ihre Heimatstadt Güllen zurück um sich Gerechtigkeit zu kaufen. Als sie jung war, hat Alfred Ill, ihr damaliger Geliebter, sie geschwängert aber die Vaterschaft verleugnet. Statt ihrer hat er eine junge Frau aus reichem Haus geheiratet und die mittellose Claire musste, um der öffentlichen Demütigung zu entgehen, die Stadt verlassen und arbeitete, ehe sie den Ölmilliardär Zachanassian geheiratet hat, in einem Bordell. Doch nun ist sie zurückgekommen um von Ill und der ganzen Stadt Genugtuung zu fordern. Sie bietet den GüllenerInnen an, der Stadt und ihren EinwohnerInnen eine Milliarde zu spenden, wenn diese Ill töten. Zuerst wird dieses Angebot ausgeschlagen, doch Ill bemerkt bald, dass die GüllenerInnen bereits mit dem ihnen versprochenen Geld rechnen und es verplanen. Anklagend läuft er von der Polizei zur Bürgermeisterin und von ihr zum Pfarrer doch niemand will ihm helfen. Schließlich wird die Stadt zu einer Gemeindesitzung geladen auf der Ills Tod beschlossen wird. Er akzeptiert das Urteil. Das Theaterstück, welches Dürrenmatt auf seiner Erzählung gleichen Namens basierend geschrieben hat, soll die Käuflichkeit der Moral verdeutlichen. Die BewohnerInnen Güllens die den Vorschlag erst ablehnen sehen immer mehr die Tat Ills und akzeptieren diese schließlich als Rechtfertigung dafür seinen Tod zu beschließen. Im Grazer Schauspielhaus wird die furchteinflößende, übermenschliche und überaus kluge Claire aus Dürrenmatts Stück von einer Puppe gespielt die von drei jungen Damen über die Bühne gehievt wird wodurch ihr Charakter an Tiefe verliert. Dürrenmatts tragisch-komisches Stück wird mit jeder Menge musikalischer Darbietungen angereichert nach denen das Stück nicht verlangt und die auch in keiner Weise die Figuren plastischer erscheinen lassen, geschweige denn ansprechend sind. Die Grazer Kapellknaben singen das Lacrimosa aus Mozarts Requiem so falsch, dass es den ZuhörerInnen nur unwohl werden kann und als am Ende des Stückes als gemeinsame Nummer I want it all von Queen gesungen wird, laut, falsch und in erbärmlich schlechtem Englisch, überlegt man sich, womit Dürrenmatt das wohl verdient haben könnte. Die restlichen DarstellerInnen des Stückes werden großteils ihren Rollen gerecht. Daniel Friedrich gibt einen höchst überzeugenden Alfred Ill dessen emotionale Reise, durch das Fehlen einer Interpretation der Rolle der Claire, zum Mittelpunkt des Stückes wird. Steffi Krautz kann in ihrer Rolle als Bürgermeisterin ebenso überzeugen wie Max Mayer der den an sich selbst verzweifelnden Pfarrer spielt. Doch Franziska Stiger als Ills Frau, Dina El-Heliebi als seine Tochter und Stephan Offenbacher als sein Sohn spielen ihre Rollen als würden sie sie aus einem Buch vorlesen, ebenso emotionslos wie die Puppe deren Text von Suse Wächter gekrächzt wird. Es ist bedauerlich, dass Regisseur Tom Kühnel darauf verzichtet hat, die Alte Dame mit einer echten Dame zu besetzen. Die Puppe die Suse Wächter gebaut hat, und die sie mit Hilfe von Johanna Taferner und Sonja El-Heliebi durch das sehr gelungene Bühnenbild von Jo Schramm trägt, ist zwar höchst beweglich, sie kann die ZuschauerInnen aber nicht bewegen und somit wird es zugelassen, dass das Werk Dürrenmatts, auf dem auch Paulo Coelhos Der Dämon und Miss Prym basiert, zu einer Trash-Komödie verkommt die nur noch am Rande etwas mit dem Originalstück zu tun hat und die nur bedingt zum Nachdenken anregt.
7., 9., 16., 21. und 29. März Text: Ulrich Braunegg |
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