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Schauspielhaus Graz: Tschechow: Platonow (Graz, 09.02.2007). „Begonnen hat es mit Konvention und Höflichkeit, enden wird es mit Mord und Totschlag.“ Diese prophetischen Worte des Porfirij Semjonowitsch Glagoliew, eines Gutsbesitzers in Tschechows Stück fassen die Handlung von Platonow gut zusammen. Das Stück beschreibt das Zusammentreffen von alten Bekannten auf dem Landgut von Anna Petrowna, der Witwe eines Generals. Alles beginnt heiter, doch je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr werden alle einander verhasst. Jede neu dazukommende Figur bringt auch eine neue Abneigung gegen eineN der Anwesenden mit, jede der kurzen Szenen endet damit, dass eineR der DiskutantInnen beleidigt, erbost, oder verzweifelt ist, bis das Stück schließlich zu seinem unvermeidbaren Ende gelangt: Platonow, der zynische, konstant provozierende Dorfschullehrer wird erschossen. Die Fassung des Schauspielhauses ist mit etwas über drei Stunden stark gekürzt, doch würde eine ungekürzte Aufführung des im Original sieben Stunden langen Stückes den Rahmen eines Theaterabends sprengen. Die Inszenierung von Cornelia Crumbholz und Sandy Lopicic mit Musik von Sandy Lopicic (der auch live auf der Bühne zu erleben ist) in Kostümen und Bühnenbild von Florian Barth lässt kaum zu wünschen übrig. Mit nur sparsam eingesetzten theatertechnischen Mitteln wird sowohl die Dramatik des Stückes als auch seine Komik (Marja Jefimowna: „Ich bin keine schöne Frau. Wer mich für eine Schönheit hält, hat keinen Geschmack.“) hervorragend herausgearbeitet. Jan Thürmer in der Titelrolle überzeugt indem er gerade so viel Charme durchblicken lässt wie man ihn von dem Vorstadtcasanova Platonow erwartet. Und auch die restlichen AkteurInnen des Abends, Susanne Weber als Alexandra Iwanona, Platonows ihm geistig nicht gewachsene Frau, Gerhard Balluch als ihr Vater Iwan Iwanowitsch dessen Militärskarriere im Alkohol endete, Sebastian Reiß als sein unvermählter Sohn Nikolaj Iwanowitsch, Martina Stilp als jugendlich schöne Generalswitwe Anna Petrowna, Dominik Warta als ihr frischvermählter Stiefsohn Sergej Pawlowitsch, Sophie Hottinger als seine Frau Sofja Jegorowna welche von ihrer Jugendliebe Platonow immer noch nicht losgekommen ist, Otto David als Porfirij Semijonowitsch der als Gentleman der Alten Schule den Reizen von Anna Petrowna gänzlich verfallen ist, Markus Schneider als sein Sohn Kirill Porfirjewitsch der in Paris das Geld seines Vaters verprasst, Frederike von Stechow als unsichere, und dennoch stolze Marja Jefimowna, Franz Solar als zwielichtiger Geschäftsmann Abram Abramowitsch und Gerhard Liebmann als einfältiger Pferdedieb Ossip, spielen ihre Rollen so überzeugend, dass kein Wutanfall unmotiviert, keine Liebeserklärung überzeichnet, und kein verzweifelter Zusammenbruch unverständlich ist. Jedes einzelne Mitglied des Ensembles gibt seiner Figur so viel Tiefe, Ausdruck und Leben dass man selbst in den Bann des Stückes gezogen wird und mitfiebert oder empört ist bis man bald selbst nicht mehr weiß, ob man lachen oder bestürzt sein soll ob der Schicksale dieser schon von Tschechow so realistisch gezeichneten Figuren.
14. und 28. Februar Text: Ulrich Braunegg |
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