ab 26. Jänner im Augartenkino Graz:

Shortbus
gundl.at verlost Karten und Filmplakate


(Graz, 20.01.2007). Am 26. Jänner startet in Graz John Cameron Mitchells atmosphärischer Szenetrip Shortbus. In Kooperation mit dem Augartenkino verlost gundl at 3 x 2 Karten für die Vorstellung am 28. Jänner sowie 3 x 2 Filmplakate.

New York nach 9/11. John Cameron Mitchell (Hedwig and the Angry Inch) lässt in der Stadt, die niemals schläft, Charaktere voller Obsessionen und Sehnsüchte in einem extravaganten Szene-Nachtclub mit Namen „Shortbus“ aufeinanderprallen. Während einige ihre Erfüllung in ekstatischem Gruppensex und Partnertausch finden, drohen andere an der Suche nach ihrem eigenen Glück zu zerbrechen. Mitchell drehte eine radikale Bestandsaufnahme großstädtischen Lebens, die über weite Strecken zu faszinieren weiß.

Jeder ist eine Insel, jeder lebt und stirbt für sich allein. Es ist ein Gefühl der Verlorenheit, das den Videokünstler Jamie (Paul Dawson), der James genannt werden möchte, bestimmt. Zuletzt haben die Spannungen in der langjährigen Beziehung zu seinem Freund Jamie (PJ DeBoy) merklich zugenommen, ihre Partnerschaft und Sexualität droht einzuschlafen. Aus diesem Grund suchen beide die Paartherapeutin Sofia (Sook-Yin Lee) auf. Deren Sexleben ist jedoch keineswegs so erfüllt, wie es zunächst den Anschein hat. Trotz ausgefallener Stellungen und Techniken mit ihrem potenten Mann Rob (Raphael Barker) hat sie noch nie einen Orgasmus erleben dürfen. Es sind Jamie und James, die als erste diese Wahrheit von ihr erfahren. Sie beschließen, Sofia in den angesagten Nachtclub Shortbus einzuladen, wo sich ihre Wünsche endlich erfüllen sollen. Dort lernt Sofia die als Domina arbeitende Severin (Lindsay Beamish) kennen. Viel lieber, als Männer für Geld zu erniedrigen, würde sie ihre auf Polaroid gebannten Alltagsfotografien verkaufen. Eine respektierte Künstlerin zu sein, danach sehnt sie sich. Und nach einem Partner, der sie versteht.

Drei Handlungsstränge verwebt Regisseur und Autor John Cameron Mitchell zu einem urbanen Kaleidoskop, dessen beiläufige Konstruktion nicht zufällig an die Episodenstücke eines Robert Altman und Paul Thomas Anderson erinnern. Mit Andersons Dramen verbindet Shortbus zudem der effektive und stimmungsvolle Einsatz von Originalmusik. Melancholische, gefühlvolle Stücke von Yo La Tengo, Azure Ray und dem Songwriter Scott Matthew, der auch im Film als Musiker zu sehen ist, kommentieren das Innenleben von Mitchells Figuren, unaufdringlich und angenehm zurückhaltend.

Dafür legt Mitchell beim Thema Sex jede in diesem Kontext falsche Zurückhaltung ab. Explizit, ohne pornographisch zu sein, stellt Shortbus die unterschiedlichsten sexuellen Spielarten dar. Masturbation, orale Selbstbefriedigung (!), Gruppensex, Kamasutra, ob gleichgeschlechtlich oder hetero, alles ist möglich. Das geht weit über das hinaus, was in Larry Clarks oftmals angefeindeten Jugenddramen zu sehen war. Für Kontroversen dürfte mit Sicherheit ein schwuler Dreier sorgen, bei dem ein erigierter Penis als Mikrofonersatz genutzt wird, um sogleich mit voller Inbrunst die amerikanische Nationalhymne zu intonieren. Dabei ist Mitchell nur konsequent. Er zeigt lediglich das, worüber seine Protagonisten reden, worüber sie sich den Kopf zerbrechen. Eine erfüllte Sexualität, Nähe und Intimität bestimmen ihr Denken.

Vermutlich muss sich Shortbus mit dem Schicksal abfinden, auf seine Sexszenen reduziert zu werden. Das wäre ein echtes Ärgernis, bietet der Film doch eine atmosphärisch dichte und ungefilterte Bestandaufnahme des Post-9/11-Lebensgefühls einer verunsicherten und an sich selbst zweifelnden Generation. Das mit den Darstellern in mehreren Workshops erarbeitete Skript und die natürlichen teilweise improvisierten Dialoge, die niemals in selbstgefällige Geschwätzigkeiten ausarten, verleihen Mitchells Arbeit einen faszinierenden realistischen Anstrich. Mit Ausnahme der letzten zehn Minuten, in denen Mitchell sich einer Überdosis „Heile Welt“-Kitsch hingibt, gelingt ihm auf diese Weise eine tragische wie überraschend humorvolle Annäherung an ein schwieriges Sujet. Der unverkrampfte Umgang mit Sexualität bleibt positiv in Erinnerung, ohne dabei alles zu dominieren. Mitchell selbst bestätigt nach vielen Gesprächen mit Zuschauern diesen Eindruck: „Die meisten Leute erzählen mir, dass sie all den Sex bereits vergessen haben, wenn der Film zu Ende ist. Sex ist nur ein Aspekt, ein Pinselstrich im Leben meiner Figuren.“ Dazu findet er in einer Szene das passende Bild. Ein Freier ejakuliert auf ein expressionistisches Gemälde. Mit einem Schritt Abstand löst sich das Sperma in der Struktur des Bildes auf - für unsere Augen nicht mehr zu erkennen.

Mit: Sook-Yin Lee, Raphael Barker, Paul Dawson, PJ DeBoy, Lindsay Beamish, Peter Stickles, Jay Brannan. Regie und Drehbuch: John Cameron Mitchell. Kamera: Frank G. DeMarco. Original Score: Yo La Tengo, Azure Ray, Scott Matthew.

USA 2005. 35mm.  Farbe. 1,85. 102 Minuten. Englisch OmU. Ab 16.




Wir verlosen 3 x 2 Karten für die Vorstellung am 28.01.2007 sowie 3 x 2 (verschiedene) Filmplakate.
Zur Teilnahme an der Verlosung einfach das folgende Formular ausfüllen und abschicken!

Das Gewinnspiel ist beendet. Die Teilnahme ist nicht mehr möglich.



Einsendeschluss ist der 26.01.2007!
Die GewinnerInnen werden per E-Mail verständigt, die Karten/Plakate können im Augartenkino (Friedrichgasse 24, 8010 Graz) abgeholt werden.







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