Tipps für den Umgang mit dem "Stubentiger" :

In Memoriam Gaubo

Aus aktuellem Anlass - unsere liebe Gaubo ist leider gestern verstorben - bringen wir diese Woche noch einen Sonderbeitrag über Katzen als Fortsetzung des ersten Artikels über unsere schnurrenden Hausgenossen folgt diesmal ein umfassenderes Traktat über die (vierbeinigen) Raubtiere in unseren Wohnungen.

Unsere Hauskatzen in ihren vielfältigen Rassen stammen übrigens nicht von der bei uns heimisch (gewesenen) Wildkatze, sondern von der Falbkatze ab. Erstmals hielten die alten Ägypter Hauskatzen, die ein den Göttern gleiches Leben führen durften. Nach ihrem Tod wurden viele von ihnen sogar mumifiziert, wodurch heutige Wissenschafter viel über die Anatomie und deren Abstammung herausfanden.

Zuerst etwas über die Mimik der Katzen:

Das ist ein sehr vielschichtiges Thema. Katzen drücken sehr viel über ihre Körperhaltung aus. Freudige Erregung zum Beispiel wird durch einen steil aufgerichteten, vibrierenden Schwanz signalisiert. Das ist das Pendant zum Schwanzwedeln des Hundes. Anders als beim Hund bedeutet ein sich hin und her bewegender Schwanz aber Nervosität und Missfallen. Je größer der Unmut, desto heftiger die Bewegung.
Unsere Taschentiger kommunizieren sehr differenziert mit uns: Wenn die Katze zum Beispiel gestreichelt wird und dann beginnt, die Schwanzspitze hin und her zu bewegen, heißt das: „Lass mich in Ruhe“ – auch wenn sie dabei noch schnurrt. Wird dieses Zeichen missachtet, gerät der Schwanz schon heftiger in Bewegung. Dann wird sie die Augen zusammenkneifen: „Jetzt hau schon ab!“ Zu diesem Zeitpunkt hat man noch genügend Zeit, sein frevelhaftes Tun einzustellen und unversehrt zu entkommen.
Werden dann die Ohren nach hinten geklappt und der Schnurrbart nach vorne gerichtet, beginnt es ernst zu werden: Das sind die unmittelbaren Vorbereitungen zum Kampf. Die verletzlichen Ohren werden zum Schutz aus der Gefahrenzone gebracht – wie wir es mit der Autoantenne in der Waschanlage machen. Und der nach vorne gerichtete Schnurrbart vergrößert die Tastweite, um schnelle Hiebe des Kontrahenten frühzeitig erfühlen und parieren zu können. Ein angriffslustiges Exemplar könnte zu diesem Zeitpunkt schon das erste Mal zuschlagen.
Das kann zeitlich eng zusammenfallen: Ohren zurück, Bart nach vorn und zack! Meine Gaubo war eher von der gemütlichen Sorte. Sie versuchte zuerst, eine Auseinandersetzung mit einer unmissverständlichen Drohgeste zu verhindern. Es wurde einmal heftig gefaucht. Das hörte sich sehr giftig an - ähnlich wie eine Kobra.
Wenn das alles nichts half, wurde der erste Tatzenhieb geführt. Zuerst ohne Krallen – und erst dann fließt Blut. Man sollte sich aber nicht zu sehr auf ein so langes Zuwarten verlassen. Wenn sie sich kurz vorher über etwas geärgert hatte, konnte der Angriff auch schneller und heftiger kommen.

Man sollte es also im eigenen Interesse nicht so weit kommen lassen. Wer schon einmal eine wütende Bestie am Unterarm hängen hatte, weiß wovon ich rede. Also: Bei hin- und hergeworfenem Schwanzspitzchen sollte man die Privatsphäre seines Fellbündels respektieren und abziehen.

Katzen können übrigens auch Lächeln.

Das sieht bei ihnen so aus: In entspannter Position (Schwanz ruht) schließen sie langsam ihre Augen und zwar mit Ober- und Unterlid gleichzeitig. Dann machen sie die Augen wieder auf und wieder zu. Man kann in dieser Situation herrlich mit ihnen „reden“. Einfach dazusetzen oder –legen und in gleicher Weise die Augen zukneifen und wieder öffnen und beruhigende Worte mit ihnen sprechen. Dafür lieben sie einen.

Der Mensch ist für eine Hauskatze ohnehin die Supermama. Anders als ihre natürliche Katzenmutter, welche die Jungen nach ihrer Pubertät verstößt, kümmern wir uns ein Leben lang um sie. Das Streicheln ist der Ersatz für das mütterliche Felllecken. Wir füttern sie und wechseln auch ihr Kistchen. Sie dürfen bei uns ewig Kinder bleiben. Daraus erklärt sich auch das bei freilaufenden Katzen ambivalente Verhalten in der Wohnung und im Freien.
Lassen sie zu Hause alles mit sich anfangen, tun sie im Freien so, als ob sie uns nicht kennen würden. Auf der Jagd sind sie nämlich erwachsen – und eine erwachsene Katze würde sich im Revier niemals was dreinreden lassen. Wenn sie von der Pirsch zurückkommen, beschenken sie uns dafür mit dem Wertvollsten, was sich eine Katze nur erdenken kann: Sie legen uns ihre hart erjagte Beute zu Füßen.
Da darf man sich nicht ekeln oder gar schimpfen! Ein erfolgreicher Jäger muss gelobt werden. Wenn wir in falschem Mitleid für die unvorsichtige Maus oder den zu langsamen Vogel unser Tigerchen maßregeln, verletzen wir seine Gefühle. Was würde denn ein Mensch fühlen, wenn er oder sie mit einem Blumenbouquet vor der Tür seiner oder seines Angebeteten klingelt und zum Dank dafür eine Standpauke gehalten kriegt und dann noch zusehen muss, wie der Strauß in den Müllkübel wandert...?

Also: Nicht mit Lob sparen! Dafür wird man von der Katze mit Zuneigung und herzerwärmendem Schnurren belohnt. Katzen schnurren übrigens nicht nur, wenn sie sich wohl fühlen. Es ist viel mehr ein Bitten um Zuwendung. Auch Hunger oder Schmerzen können unseren Taschentiger schnurren lassen: "Bitte hilf mir aus meiner misslichen Lage".

Katzen sind übrigens überhaupt nicht falsch oder unberechenbar. Wer ihre Sprache versteht und richtig deutet, dem schließen sie sich an, wie es auch die von uns wegen ihrer Treue so hoch gelobten Hunde machen. Katzen sind halt nur von ihrem Naturell aus ein wenig selbständiger. Das heißt aber nicht, dass man ihnen nichts beibringen kann. Sie prostituieren sich nur nicht für ein Schmacko, wie es unsere bellenden besten Freunde tun. Bei Katzen muss man halt etwas subtiler vorgehen. Um einen Hund abzurichten, nützt man die ihm instinktiv gegebene Rudelhierarchie. Man macht ihm klar, dass man selbst das Leittier ist und er sich zu fügen hat. Und dafür dankt er uns mit bravem Gehorsam. Über seinen Chef würde er nie etwas kommen lassen. Wenn es darauf ankommt, würde er uns auch unter Einsatz seines Lebens verteidigen.

Katzen kennen eine solche Hierarchie nicht. Auch wenn sie in Gruppen zusammenleben, tun sie das in einem lockeren Sozialverband, dem eine strenge Struktur der Über- und Unterordnung fremd ist. Deswegen können wir sie auch nicht abrichten wie Hunde. Katzen akzeptieren natürlich, dass man größer und stärker ist als sie selbst, sie werden uns deswegen aber nicht bedingungslos folgen. Eine Katze ist immer ihr eigener Chef. Deswegen ist es eine hohe Auszeichnung für uns, wenn sie sich uns anschließen und von uns aufgestellte Grundregeln des Zusammenlebens respektieren.

Mit einem alten Vorurteil möchte ich hier aufräumen:

Der Feindschaft zwischen Hund und Katz. Katzen und Hunde verstehen sich prächtig, wenn man ihnen die Spielregeln beibringt. Man darf sie beim ersten Kontakt nur nicht allein lassen, sondern sollte beschwichtigend beiden zureden. Dann fürchtet sich keiner – und überschwängliche Freudenbezeugungen von Seiten der Hunde sollte man dämpfen. Das ist einer Katze beim ersten Kontakt unangenehm.

Und nun zur Körperpflege.

Eine kurzhaarige Katze ist weitgehend selbstreinigend. Lebt sie aber ausschließlich in der Wohnung, sollte man ihr alle paar Wochen eine Maniküre angedeihen lassen. Sonst werden die Krallen zu lang und noch dazu messerscharf. Das ist sowohl dem Tier selbst, als auch Polstermöbeln, Pullovern und Strümpfen unangenehm. Ein Kratzbaum ändert daran überhaupt nichts. Der ist zwar unbedingt notwendig, hat aber auf die Krallen eine schärfende Wirkung. Die bilden sich nämlich von innen Schicht für Schicht neu und an der rauen Oberfläche der Baumrinde streifen sich die abgenützten äußeren Schichten ab. Die darunter liegende ist dann hart, nagelneu und höllisch scharf. Wenn sich also beim Krallensschneiden eine ganze Schicht ablöst, darf man nicht erschrecken. Das ist vollkommen in Ordnung.

Die Krallen an den Vorderpfoten lassen sich mit einem einfachen Trick schneiden: Die Katze von oben um die Schultern mit beiden Händen festhalten und zwischen die Beine stellen. Dann so weit in die Hocke gehen, bis sie von unserem Hintern an ihrem Rückgrat fixiert ist. Dann wird sie seitlich mit den Oberschenkeln sämtlicher Bewegungsfreiheit beraubt. In einer Hand hält man den Nagelzwicker, mit dem Daumen der anderen Hand drückt man vorsichtig von oben auf das Pfötchen und hält mit dem Zeigefinger von unten dagegen. So klappt man eine Kralle nach der anderen aus und zwickt etwa einen Millimeter von der Krallenspitze ab. Ja nicht zu viel abschneiden, da sich in der Kralle ein Blutgefäß und ein Nerv befindet. Die meisten Katzen halten diese Prozedur für die Behandlung einer Pfote durch. Die nächste kommt dann nach einer ausgiebigen Pause dran, in der sich das Tier völlig beruhigen kann. Die Hinterpfoten behandelt man am besten, wenn die Katze entspannt schlummert und das Beinchen herausstreckt. Bevor sie richtig wach ist, hat sich die Angelegenheit schon erledigt. Und hinten hat man pro Pfötchen ohnedies eine Kralle weniger zu stutzen. Es sind insgesamt nämlich nur 18 Stück. 2 mal 5 vorne und 2 mal 4 hinten.

Langhaarmodelle brauchen bei der Fellpflege allerdings menschliche Hilfe. Mit verschiedenen Spezialbürsten und Schneidekämmen, die eine Verletzung der empfindlichen Haut ausschließen, lassen sich selbst verklebte Fellknoten entfernen, ohne dass eine entstellende Rasur notwendig ist. Um solchen Intensivbehandlungen vorzubeugen, sollte jeden Tag gebürstet werden. Am besten sollte das Tier schon von klein auf daran gewöhnt werden.

Und nun zum Wohlfühlfaktor in der Wohnung:

Katzen haben gerne einen guten Überblick. Außerdem lieben sie es warm und weich. Die Wohnung sollte deswegen hoch gelegene Ruheplätze haben, die gemütlich sind. Ein Kratzbaum mit weich gepolsterten Aussichtsplattformen auf verschiedenen Höhen ist da ideal. Zum Spielen sollte auch genügend Zeug herumliegen. Fellmäuse, kleine Gummibälle und ähnliches. Da ist Einfallsreichtum gefragt. Meine Gaubo hat in ihrer Jugend das "Knöpfchenspiel" geliebt. Ein Knopf wird in einen großen Aschenbecher gelegt. Die Katze schupft ihn dann heraus. Das ist je nach Form des Aschenbechers und Größe des Knopfes gar nicht so einfach.
Dann freut sie sich – und das Spiel geht von neuem los. Zuletzt war Gaubo aber schon uralt und spielte nicht mehr. Dafür hatte sich ihr Interesse an flauschig weichen, wärmespeichernden Deckchen gesteigert. Wenn ich Stoff zuschnitt, prüfte sie, ob ihr das Gewebe zusagt. Wenn ja, begab sie sich darauf zur Ruhe. Das hieß, dass sie von den Resten ein oder zwei gefütterte Luxusdeckchen oder Pölsterchen wollte. Und die kamen dann auf ihre Lieblingsplätze – schnurr!

Einer ihrer bevorzugten Plätze war der Balkon. Während der warmen Jahreszeit tankte sie – geschützt in einem Blumenkistchen – Wärme und konnte das Treiben auf der Straße beobachten. Das war besser als Fernsehen. Bei Pflanzen sollte man beachten, dass nur ungiftige Gewächse in der Wohnung sind. Viele Katzen knabbern nämlich ab und zu am Grünzeug. Weihnachtssterne zum Beispiel sind sehr giftig. A propos Grünzeug: Katzengras sollte auch irgendwo in Reichweite unseres Tigers sprießen. Es hilft bei der Verdauung von bei der Fellpflege verschluckten Haaren. Man braucht kein teures Produkt von der Zoohandlung – es genügt eine handvoll Weizenkörner aus dem Bioladen.

Weihnachten ist zum Beispiel auch ein Superfest für unsere kleinen Kletterkünstler. Mit den eingebauten, bei Bedarf ausfahrbaren Steigeisen an den Pfoten stellt jeder Christbaum eine unwiderstehliche Verlockung zum Gipfelsturm dar. Nachdem bei meinem ersten Katzenweihnachten der Baum mehrmals in die Horizontale gegangen war, habe ich in den Folgejahren auf erdbebensichere Installation geachtet. Er wurde einfach in einem Holzkreuz fixiert, welches auf eine stabile Kiste genagelt wurde. Ein schönes Leintuch über das Holzkonstrukt – und schon waren dem ungehemmten Klettervergnügen keine Grenzen mehr gesetzt. Die teuren Christbaumkugeln sollten aber trotzdem weit außen auf hoch gelegenen Ästen befestigt werden, weil alles am Baum, was vom Boden oder vom Stamm aus erreicht werden kann, potenzielles Spielzeug ist und erbarmungslos gejagt wird.

Mit zunehmendem Alter lässt aber auch der Tatendrang nach. Seit Gaubo so etwa 10 Jahre wurde, hat sie den Christbaum nicht mehr bestiegen. Feste Installation war aber trotzdem notwendig, weil sie immer noch vom Boden aus stark am Baumbehang zerrte.

Alte Katzen haben übrigens andere Bedürfnisse als junge.

So etwa mit 10 Jahren überschreiten sie die Schwelle zum "Pensionsalter". Dann sind sie nicht mehr so ungestüm und lieben es eher gemütlich. Werden sie allein gehalten, sollte man ihnen im hohen Alter keine junge Katze mehr zur Seite stellen. Wie alte Menschen gewöhnen sie sich nicht mehr so gut an Veränderungen. Auch bei der Ernährung sollte man auf "Seniorenfutter" umstellen. Das wird in vielen Geschmacksrichtungen angeboten und enthält mehr Vitamine, weil der klapprige Stoffwechsel nicht mehr so aufnahmefähig ist. Man kann auch Vitamine aus der Tube zufüttern. Die Paste wird einfach aufs Goscherl geschmiert. Schleck, schleck!

Die maximale Lebenserwartung einer Katze in freier Wildbahn beträgt höchstens 15 Jahre. Bei guter häuslicher Pflege kann diese Grenze aber problemlos überschritten werden. Kastrierte oder sterilisierte Tiere haben eine höhere Lebenserwartung – wenn man sie nicht zu Tode füttert. Vor allem entmannte Kater neigen zu Fresssucht. Da muss man gegensteuern. Die älteste Katze der Welt wurde übrigens 34! Die lebte in Amerika während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Wenn’s ins wirklich hohe Alter geht, ist es meist notwendig, Diätnahrung zur Unterstützung der schon schwachen Organe zu füttern. Gaubo hatte es mit ihren fast 19 Jahren zum Beispiel mit den Nieren und am Magen.

Eure Fudel

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