Passend zum Frühlingsbeginn:

Der Gewürzbalkon

Ich als typisches Stadtkind kann den Segnungen eines großen Gartens nicht viel abgewinnen. Es ist zwar schön, sich dort aufzuhalten, aber die unaufhörliche Schufterei ist nicht mein Ding. Trotzdem braucht der Mensch was Grünes. Da habe ich – der ich in einem Hochhaus aufgewachsen bin – eine andere Variante parat: Der "Garten light" am Balkon. Jeden Frühling beginnt es bei mir am Balkon zu sprießen. Verschiedene Pflanzen sind winterhart und tun das von alleine und andere werden halt jedes Jahr aufs Neue gepflanzt. So verwandelt sich ein an sich ungastlicher Betonvorsprung an der Hausfassade in einen kleinen Dschungel, in dem alles sprießen darf, was dazu Lust hat. Es ist einfach herrlich, den verschiedenen Pflanzen beim Gedeihen zuzusehen. Und wer ein Haustier hat, dem bereitet es zusätzliches Vergnügen, zu sehen, wie der Balkon als Refugium und Spielplatz genützt wird.

Am besten ist ein Mix zwischen schön und praktisch: Ein paar Pflänzchen, welche das Auge erfreuen und ein paar, die auch einen tieferen Zweck haben wie Gewürze und Gemüse. Und alles aus streng biologischer Eigenproduktion.

Vor allem die Gewürze haben es mir angetan. Wer gerne kocht, der kann ohne frische Gewürzkräuter nicht mehr leben, wenn er einmal seine Küche damit bereichert hat. Anstatt ins Regal zu greifen, huscht man mit einer Schere bewaffnet schnell auf den Balkon und holt sich, was man so benötigt, um den Speisen den richtigen Pep zu geben.

Beim Würzen muss man aber beachten, dass man von frischen Kräutern mindestens doppelt so viel benötigt, wie von getrockneten. Der Geschmack ist aber unvergleichlich besser.

Als Grundausstattung beginnt man am besten mit Basilikum, Majoran und Thymian. Die braucht man relativ häufig. Sie sind auch praktisch überall zu haben. Sie finden sich in den Gemüseabteilungen der Supermärkte, in Baumärkten und natürlich auch am Bauernmarkt (welchen ich bevorzuge). Da kann man ziemlich sicher sein, dass die Pflänzchen in unserem Klima herangewachsen sind und auch kälteren Nächten trotzen.

Wer häufiger den Kochlöffel schwingt, wird bald den Wunsch verspüren, seine Gewürzpalette zu erweitern. Bei mir am Balkon sprießen außer den oben erwähnten Kräutern auch noch Oregano, Zitronenthymian, Salbei, Estragon, Minze, Pfefferminze, Rosmarin, Lavendel, Schnittlauch und Bohnenkraut. Manche davon – wie erstaunlicherweise auch der Oregano – sind winterhart. Man lässt die Töpfe einfach in der kalten Jahreszeit am Balkon stehen und gießt auch bei Frost einmal im Monat. Der kahle Anblick darf einen dabei nicht stören. Im nächsten Frühjahr treiben die meisten Kräuter wieder aus. Mein Thymian hat sogar seine Zweige behalten, die dann viele neue Triebe angesetzt haben. Die anderen Kräuter sind abgetrocknet und wieder aus der Erde ausgetrieben.

Winterhart sind Salbei, Schnittlauch und wenn man Glück hat auch Thymian, Majoran, Estragon, Oregano und Bohnenkraut. Wenn sie im Frühjahr wieder austreiben, sollte man sie düngen. Wenn man sie vorher umtopft, muss mit dem Düngen zumindest 2 Wochen gewartet werden, bis sie im neuen Topf angewachsen sind.

Unbedingt an einem hellen, aber frostsicheren Ort gehört Rosmarin und Lavendel überwintert. Vor allem Rosmarin wächst in mehreren Jahren zu einem beachtlichen und dekorativen Bäumchen heran.

Wenn einmal Schädlinge wie Blattläuse einfallen sollten, kann man sich auch ohne chemische Keule behelfen: Mit einem Zerstäuber kann man die Plage ganz einfach mit Wasser wegschwemmen. Läuse mögen nämlich kein Wasser, weswegen sie sich auch meist auf den Blattunterseiten aufhalten. Sind sie von einem Tropfen bedeckt, gehen sie ein.

Abgesehen von der praktischen Seite ist ein grüner Balkon auch ein Stück Natur, das einfach schön anzusehen ist. Die dadurch verursachte Arbeit ist minimal und beschränkt sich auf einmal täglich gießen – im Urlaub sollte man allerdings jemanden haben, der das zuverlässig übernimmt. Dann steht dem fröhlichen Sprießen nichts mehr im Weg...

Text: Walter





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