| Warten auf Godot:
Ein Wahlnachmittag im schwarzen Loch
Um 16.00 Uhr angekommen begab ich mich erwartungsvoll in den ersten Stock. Die freundliche Dame an der Bar kredenzte mir einen ausgezeichneten Weißburgunder. Eine Videowand mit aktuellen Hochrechnungen war nicht aufzuspüren. Die Tische waren allerliebst hergerichtet allerdings wartete die herrschaftliche Pracht bisher vergebens darauf, mit Menschen gefüllt zu werden. Auch die Cafeteria im Eingangsbereich war nur dürftig besucht. Buffet gab es auch keines. Wachteleier, Champagner, Kaviar Fehlanzeige. Wahrscheinlich in Huldigung des Spitzenkandidaten selbst wurden mir Würschtel angeboten, die ich dankbar ablehnte. Ziemlich ratlos irrte ein Kamerateam herum. Man wusste nicht, wo man nach Bekanntgabe der offiziellen Hochrechnung die Interviews drehen sollte. Es herrschte nämlich gähnende Menschenleere in gesamten Haus. Die Kaffeemaschine bot das beste Motiv. Dort wurde dann das Stativ positioniert. Ein paar niedere Chargen der Partei gaben inoffizielle Interviews auch parteiinternen Smalltalk mit abfälligem, schwulenfeindlichem Tenor über das vorabendlich stattgefundene Clubbing im Dom im Berg konnte ich aufschnappen. Ich trank meinen Weißburgunder aus und begab mich noch kurz in den ersten Stock gähnenede Leere. Auf meine Frage, wo was los sei, bekam ich zur Antwort: Hier nicht. Diesem Statement konnte ich mich voll und ganz anschließen. Beim Hinausgehen dachte ich mir, dass man nur lange genug suchen muss, um an jeder Partei einen liebenswerten Aspekt zu finden ... |
||
|
|
||