Zähes, nach Formel 1 riechendes Fleisch:

Frauen am Grill


Wer nicht unbedingt von Hunger geplagt ist und Lust auf ein wenig Situationskomik hat, sollte sich von Frauen zum Grillen einladen lassen. Ob es sich bei den Gastgeberinnen um Heteras oder Lesben handelt, ist nicht ausschlaggebend – das Resultat wird das gleiche sein. Leider ist die Erheiterung indirekt proportional zum erhofften kulinarischen Genuss.

Das Schauspiel beginnt – wie bei jeder Grillage – mit dem Anheizen des Feuers. Deswegen sollte man darauf achten, rechtzeitig zu erscheinen. Das Ritual wird sich folgendermaßen abspielen: Die Kohle wird wahllos in der Feuerlade verteilt und mit einigen Grillanzündern garniert – ähnlich einem schön drapierten Aufschnitt mit Gürkchen oben drauf. Wenn die Anzünder dann nach Opferung von drei bis vier Feuerzeugen alle brennen, kommt ein Fön zum Einsatz. Die Anzünder erlöschen wieder. Da aber ein Stückchen Kohle bereits zwei Quadratmillimeter Glut zeigt, wird eifrig weitergefönt.

Nach zehn Minuten – die Glut ist mittlerweile auf fünf Quadratmillimeter angewachsen – werden wieder zwei Feuerzeuge zerschmolzen, um die fast noch jungfräulichen Anzünder wieder zu aktivieren. Nun wiederholt sich das Fönritual – mit dem Ergebnis, dass nunmehr an anderer Stelle ein Glutnest von drei Quadratmillimetern zu glosen beginnt. Leider ist das erste mittlerweile erloschen.

Da die Prozedur nun schon eine halbe Stunde dauert und die Gäste schon leicht nervös werden, unterlegt die Gastgeberin ihre verzweifelten Versuche mit Worten wie: „Ich weiß nicht, was heute los ist – sonst funktioniert das immer tadellos! Es muss an der Kohle liegen.“ Als Gentleman sollte man sich durchaus angebrachter sarkastischer Kommentare enthalten, aber keinesfalls Hilfe anbieten. Erstens würde man die Gastgeberin damit beleidigen, indem man ihr Unvermögen vor den anderen Gästen herausstellt und andererseits würde man sich dadurch um einen Großteil des Vergnügens bringen – denn es geht äußerst amüsant weiter:

Nach noch einer halben Stunde wird das eine oder andere Glutnest entfacht sein und weil allen Anwesenden schon der Magen knurrt, wird zur petrochemischen Keule gegriffen: „Schatz, bring mir bitte ein Stamperl Benzin vom Rasenmäher!“ Unter höchster Vorsicht wird das Zweitaktgemisch auf den Grill geschüttet. Es entfacht sich ein jämmerlich stinkendes Höllenfeuer, das wiederum unter Zuhilfenahme des Föns gebändigt wird. Dann gibt es kein Halten mehr: Nachdem der Rost mit dünner Alufolie umhüllt ist, um diesen vor Verkrustungen zu schützen, wird er über die noch von Benzindämpfen züngelnde Glut gelegt. Das Fleisch wird, da es schon sehr spät ist und das Magenknurren der Tischgesellschaft nicht mehr zu überhören ist, auf die noch kalte Folie geworfen. Dort liegt es dann und muss sich vorkommen, wie so mancher Sonnenanbeter im Frühling: Zehnmal gewendet und immer noch nicht braun.

Angesichts der hilflos vor sich hin dünstenden Koteletts beschleicht die entnervte Grillmeisterin nun langsam der düstere Verdacht, dass die Sache wohl nichts werden wird. Im eigenen kulinarischen Interesse sollte man nun eingreifen und seine Hilfe anbieten, die jämmerlich schwelenden Gluttrümmer zu einem schönen Haufen zusammenschlichten und ordentlich Feuer machen. Mit leicht zähem, aber nach Formel 1 riechendem Fleisch wird der Abend dann doch noch ein voller Erfolg, den die mit Komplimenten überschüttete Gastgerberin alsbald zu wiederholen ankündigt. In weiser Voraussicht sollte man zu diesem Termin etwas anderes vorhaben – die unheilvollen Ereignisse werden nämlich ihre Wiederholung finden.

Jetzt bleibt nur noch übrig, zu ergründen, warum durchwegs gute Köchinnen beim Garen mit Feuer so jämmerlich versagen, wohingegen des Kochens abstinente Männer am Grill die saftigsten Steaks, Koteletts und Meerestiere zaubern: Das ist ganz einfach mit dem geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Umgang beim Lernen aus technischen Fehlern zu erklären. Wenn ein Mann – zum Beispiel beim Autofahren – einen Bedienungsfehler begeht, wird er in Zukunft diesen Fehler zu vermeiden suchen (überhöhte Fahrgeschwindigkeit zählt bei einem Mann allerdings niemals als Bedienungsfehler). Eine Frau zieht aus einer selbst verschuldeten kritischen Fahrsituation ganz andere Schlüsse: Da sie ja im Besitz eines Führerscheines ist, kann sie folglich auch Auto fahren. Es ist also das Fahrzeug daran schuld – oder der blöde Zaunsteher, der Beifahrer, der sie abgelenkt hat oder was auch immer. Wenn also kein Totalschaden eingetreten ist, wird in der Folge nach der Devise gehandelt: Es muss ja trotzdem gehen! Diese den tatsächlichen Gegebenheiten zuwider laufende Logik erspart es der Betroffenen, sich mit Technik und eigenem Fehlverhalten auseinander zu setzen – allerdings führt sie auch zum Ergebnis, dass der gegenständliche Fehler perpetuiert und früher oder später von hämischen Zeitgenossen – meist dem eigenen Mann – zum Inhalt eines diskriminierenden Witzes gemacht wird.

Genau so verhält es sich auch beim Entfachen einer grilltauglichen Glut. Sobald auch nur ein Fünkchen zu glosen beginnt, wird drauflosgefönt, ohne darüber zu reflektieren, wie denn die anderen wahllos in der Feuerlade verteilen Kohlenstücke zu brennen beginnen sollen, um eine gleichmäßige Glut zu erhalten. Wenn es dann nicht funktioniert und ein Mann vorzeigt, dass man einen Meiler bauen muss, der erst verteilt werden darf, wenn alles schön durchgeglüht ist, lautet der weibliche Schluss daraus: „Diese Glut ist viel gleichmäßiger und heißer, als meine. Ich habe zu wenig gefönt.“ Beim nächsten Mal wird die Kohle wieder schön gleichmäßig in die Feuerlade geschlichtet, mit Grillanzündern garniert, mit dem Fön herumgeblasen und mit Zweitaktgemisch gewürzt.

Es mag diskriminierend wirken, aber wer weibliches Grillen erleben musste, weiß: Frauen gehören an den Herd!


Text: Walter Rudich














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