| Brücken sind notwendig:
Graz nach der Wahl
Dass die Sozialdemokraten abstinken werden, war schon absehbar. Ein dermaßen farbloser Wahlkampf kann ja wohl nur in einer Katastrophe enden. Es ist aber fast schon eine suizidale Großleistung, dass es Ferk geschafft hat, die sonst sehr geschlossene Fraktion der roten Stammwählerschaft von der Urne fernzuhalten. So deute ich nämlich den enormen Stimmenverlust in Zusammenhang mit der erschreckend geringen Wahlbeteiligung. Er ist die ganze Sache viel zu lau angegangen. Vermutlich abgeschreckt durch Gusenbauers nach der Nationalratswahl gebrochene Wahlversprechen hat er gar keine mehr gemacht so nach dem Motto: Je weniger ich ankündige, desto weniger muss ich dann einhalten. Aber wer wählt denn schon eine Partei, deren Spitzenkandidat seine Politikverdrossenheit offen beim Hals raushängen lässt? Verkalkuliert hat sich auch die blaue Sprücheklopferin vom Dienst. Wenn sie auch den Grazer Wahlkampf europaweit in die Medien brachte, hat sie mit ihrem wohldurchdachten Hetzgeschrei zum Glück nur die Herzen des rechtesten Flügels ihrer Kernwählerschaft gerührt. Alle anderen haben angesichts ihrer Wortexkremente die politische Spülung betätigt. Drohender Stimmenverlust war auch bei den Kommunisten abzusehen. Nachdem der Wähler ihnen bei der letzten Gemeinderatswahl einen eindeutigen Regierungsauftrag erteilt hatte und sie trotzdem lieber in der Oppositionsrolle verharrten, obwohl rot-rot-grün eine konstruktive Paarung gewesen wäre, war heuer die Luft raus. Ich erinnere mich noch an ihr Geschrei anlässlich der Schleifung des Hauses Ecke Einspinnergasse/Burggasse. Hätten die Kommunisten Regierungsverantwortung übernommen, hätten sie die Schwarzen schreien lassen können und das Haus stünde immer noch. Was soll’s für eine Partei, die ihre alleinige Aufgabe in der Opposition sieht, reichen 11 statt 20 Prozent auch aus. Und nun zu den Gewinnern: Mit großem Schwiegermutterbonus und wenig politischem Profil lächelte sich Siegfried Nagl zu seiner nächsten Funktionsperiode. Denn ohne die Schwarzen ist schon rein rechnerisch keine sinnvolle Koalition möglich. Er war im Wahlkampf gut beraten, sich fast ausschließlich auf sein äußeres Erscheinungsbild zu beschränken und damit sämtliche Plakatwände vollkleistern zu lassen. Die strahlende Wahlsiegerin ist aber eindeutig Lisa Rücker. Erstmalig mit zweistelliger Prozentquote hat sie an der Spitze der Grünen als nunmehr drittstärkste Partei bewiesen, dass politische Etikette von einer stetig wachsenden Anhängerschaft geschätzt wird. Man kann nämlich auch ohne markige Sprüche gute Politik machen besser gesagt: Gute Politik braucht keine populistische Marktschreierei. Man kann nur hoffen, dass die Koalitionsverhandlungen nicht wieder eine Fortschreibung des ewigen Stillstandes in Form von rot-schwarz bringen werden. Schwarz-grün wäre zwar eine schwierige, weil rechts-links überspannende politische Brücke aber Brücken sind notwendig, um aus altem Mief herauszukommen. |
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