| Flüchtiges Verliebtsein
Das Schlampensyndrom
Wenn er alle seine Schatzis zu Hause antreten ließe, würde bald hervorkommen, dass er seine Liebschaften häufiger wechselt, als seine Unterwäsche. Zwar halten sich seine One-Night-Stands in einigermaßen vertretbaren Grenzen, aber das große Verliebtsein ist meistens ziemlich flüchtig ... und häufig überschneiden sich seine Kurzzeitbeziehungen auch gewaltig. Wenn man sein Liebesleben mit strengen Kriterien misst, könnte man ihn als eine ziemliche Schlampe bezeichnen. Diese Erkenntnis möchte er seinen Eltern ersparen. Nicht aus Mitgefühl für seine Familie, sondern aus Rücksicht auf seine eigene Person. Andernfalls müsste er sich ja selbst eingestehen, dass er ein ziemlich flatterhaftes Wesen ist, in welchem sich ein unbändiges sexuelles Verlangen regt, wenn es auch nur zwei Wochen mit dem gleichen Schwanz vorlieb nehmen muss. Und wer gesteht sich so was denn gern ein? Dieser Freund hat in letzter Zeit offensichtlich über seine Situation reflektiert. Er hat kürzlich nämlich etwas Unvorstellbares getan: Er präsentierte seinen aktuellen Lover seiner Familie! Was sagt man dazu?! Die Freude seiner Eltern kann man sich vorstellen. Hochentzückt über den Familienzuwachs wurde der neue Schwiegersohn, der ziemlich gut ankam, in die Familie integriert. Endlich hatte der ewige Single (denn dafür hielt ihn seine Familie ja) das große Glück gefunden. Alle Einladungen werden nun im Doppelpack ausgesprochen. Niemand ahnte, dass sich die tatsächliche Situation ganz anders darstellte: Der große Schritt war wohl nur deswegen gewagt worden, weil mein Freund sein Schlampendasein satt hatte und sich von der Integration seines aktuellen Mannes in die Familie eine Änderung dieses Zustandes erhofft hatte. Und tatsächlich verspürte er, nachdem sein Freund so offenherzig aufgenommen worden war, eine tiefe innere Befriedigung. Das Glück wäre perfekt gewesen, wenn nicht das Schicksal in gewohnter Weise zugeschlagen hätte: Natürlich dauerte auch diese Beziehung nicht länger als ein paar Wochen. Da schon die Entscheidung, ob er denn offiziell der Familie vorgestellt werden sollte, mehr als zwei Wochen in Anspruch genommen hatte, blieb nicht viel Zeit übrig. Natürlich sind schon verschiedene Termine für Hochzeiten und andere Familienfeiern fixiert denn üblicherweise plant man weitschweifiger, als dies die Beziehungsstabilität meines Freundes zulässt. Nun ist mein lieber Freund genau da, wo er eigentlich nie hin wollte: Er hat gegenüber seiner Familie einen ziemlich unangenehmen Erklärungsbedarf bezüglich seines Liebeslebens denn ein neuer Bettgenosse ist auch schon verfügbar. Nächtelang grübelte er nach, wie er sich diesem Problem entwinden könnte, denn die Hochzeit seiner Schwester rückte immer näher. Dort wurde er nämlich mit seinem Verflossenen erwartet. Die Lösung des Problems ist genauso einfach, wie genial: Er entschloss sich zu einer künstlichen Verlängerung seiner Beziehungsintervalle. Er ging mit seinem Exfreund zur Hochzeit. Zwar musste er das vor seinem jetzigen Freund verheimlichen und seinem Ex ein bisschen Kohle zustecken, aber wer ab und zu selbst Geld für diverse Dienste nimmt, sieht das nicht so eng ... |
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