| Logik und Schwestern:
„Du darfst dich nicht in mich verlieben ...“
„Du darfst dich nicht in mich verlieben, denn ich werde dich enttäuschen.“ Abgesehen von der Tatsache, dass man aus vielerlei Gründen vor dem Frühstück den Mund ohnehin nicht aufmachen sollte, stellt man sich einen erbaulichen Tagesanfang anders vor. Und unabhängig von der Tages- oder Nachtzeit sollte ein postkoitales Gespräch wohl anders beginnen denke ich jedenfalls. Nun einmal zu den gesagten Worten: Welche Message steckt wohl hinter diesem kryptischen Imperativ? Verfügt der Betreffende über sämtliche Informationen, um dieses Verbot überhaupt begründen zu können? Und wenn ja wie kann ein Verliebungsverbot sinnvoll ausgeführt werden? Beginnen wir unsere Analyse mit der Begründung: „...denn ich werde dich enttäuschen“ Diese Prämisse kann auf mehrere Grundlagen gestellt werden. Entweder handelt es sich beim Betreffenden um einen notorischen Lügner und Betrüger und er ist sich dessen auch bewusst. Dann müsste er aber zusätzlich noch grundehrlich sein, weil er sonst sein potenzielles Opfer wohl nicht warnen würde. Welcher krumme Hund vertreibt sich denn seine Beute? Der erste Erklärungsversuch ist also aufgrund innerer Widersprüchlichkeit gescheitert. Die unvermeidliche Enttäuschung könnte aber auch statistisch begründet sein. 99,9 % aller Beziehungen beinhalten auch enttäuschende Erfahrungen, welche durch den Partner ausgelöst werden. Denn auch in Beziehungen, welche nicht gleich an einem negativen Ereignis scheitern, kommen Enttäuschungen des öfteren vor. Also könnte es sein, dass die Annahme, den anderen jedenfalls zu enttäuschen, auf eben dieser statistischen Erkenntnis fußt. Und damit ist auch der zweite Erklärungsversuch kläglich gescheitert, denn welche Schwester kann Statistiken lesen oder gar deren Ergebnis logisch richtig anwenden? Vielleicht ist er nur beeinflusst durch frühere Beziehungsfehlversuche so verwirrt, dass er eine Beziehung nicht mehr in Betracht zieht und jegliches Vorstadium abzuwimmeln versucht. Jedoch scheint mir der Gedanke an eine Beziehung nach der ersten textilfreien Annäherung wohl etwas weit hergeholt. Wer denkt denn gleich ans Schlimmste? Auch diese Erklärung scheint somit unlogisch zu sein. Aber hoppla! Logik und Schwestern das geht nicht zusammen. Und drin liegt auch die Erklärung des Ganzen: Die Aussage, den Anderen in Zukunft zu enttäuschen, beruht auf einer UNLOGISCHEN Verknüpfung! Und die sieht so aus: Man hat gerade tollen Sex gehabt. Das Gegenüber ist einem sehr sympathisch. Wenn er das Gleiche empfindet, wird es nicht nur zu einer Wiederholung des gerade Erlebten kommen, sondern auch gefühlsmäßig tiefer gehen. Man wird sich wohl Gedanken über eine Beziehung.... Alarmglocken! Und da kommt die Notbremse. Und die heißt: „Verlieben verboten!“ Aber wie kommuniziert man die eigene Beziehungsfurcht, ohne das Gegenüber zu verletzen oder sich selbst zu entblößen? Ganz einfach: Man heuchelt Mitleid für zukünftiges eigenes Fehlverhalten. Das ermöglicht es, die eigene Beziehungsscheu als mitfühlende Vorsicht dem anderen gegenüber darzustellen. Dass das Ergebnis genauso unverständlich wie unausführbar ist, stört da wenig. Also lautet die Übersetzung von „Du darfst dich nicht in mich verlieben, denn ich werde dich enttäuschen.“ folgendermaßen: „Ich habe Angst vor einer Beziehung, obwohl ich mir das mit dir gut vorstellen könnte.“ Es wäre doch schön, wenn man das genau so verständlich über die Lippen brächte. Denn auf diese Aussage könnte man außer Kopfschütteln auch wirklich was Sinnvolles antworten. |
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