Politik und Biologie:

Die Mimosa gigantea politensis


Unterhaltung im Sandkasten:

Klein Wolfi setzt sein trotzigstes Gesicht auf, wendet sich seinem Gegenüber zu und presst folgende Worte zwischen seinen zusammengepressten Lippen hervor: „Mit dir rede ich nicht mehr! Du hast mich bei der Kindergartentante verpetzt!“ Er nimmt sein Küberl und Schauferl und stapft trotzig heimwärts. Beschwichtigungsversuche der anwesenden Freunde sind erfolglos. Die folgenden Monate straft er sie mit Kommunikationsverweigerung.

Mehr als 40 Jahre später:

Klein Wolfi ist immer noch ein gar trotziges Kerlchen. Gerade ist wieder etwas geschehen, was ihn zutiefst beleidigt hat. Die Oppositionsparteien haben ihn und seine Parteikollegen vor einen Untersuchungsausschuss zitiert. Natürlich sitzt er mittlerweile nicht mehr im Sandkasten, sondern regiert ein kleines, aber feines Land – aber seine Ausdrucksweise erinnert seine Jugendfreunde an die über 40 Jahre zurückliegende Episode im Sandkasten.

Sie fragen sich: Hat der denn gar nichts dazugelernt?

Wie es ausschaut wohl nicht.

Aber Schüssels Weigerung, Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ zu führen, wirft einige Fragen auf: Genügt es denn nicht mehr, eine überkommene Regierung abzuwählen – was macht man denn, wenn sie trotzdem nicht geht? Muss sich denn ein ganzer Staat von einem indignierten Politiker erpressen lassen? Macht Schüssel das zu Hause genauso und sperrt sich im Klo ein, wenn seine Frau zickt? Muss man einen Politiker, der nicht nur nichts mehr arbeitet, sondern auch nichts mehr redet, überhaupt noch bezahlen? Ist Schüssel ein Politiker oder eine Mimose?

Der gerade mal angerissene Fragenkatalog möge bitte von meinen Lesern im Anhang fortgesetzt werden …


Text: Walter Rudich






Fote: i+e+d/raketa.at





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