Der „Führer der freien Welt“ auf Besuch:

Ein regelrechter Überfall


Die folgende Meldung hätte ich meinen Lesern – wie auch dem Rest Österreichs – gerne erspart: Präsident Bush kommt auf Besuch. Aber durch diverse Medienberichte sind wir ja schon gewarnt. Es wird wohl weniger ein nettes Vorbeischauen werden, sondern ein regelrechter Überfall.

Drei Jumbojets hoch wird der „Führer der freien Welt“ (mir drängen sich seltsame Vergleiche auf) in Wien einfallen. Einem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gleich bringt er jede Menge Personal mit. Es ist ein mehrere hundert Mann hoher Tross inklusive schlagkräftiger Streitmacht (als welche die schwer bewaffneten Securityclowns vom Secret Service wohl bezeichnet werden können). Und wie die Queen von Großbritannien führt er auch seinen eigenen Fuhrpark mit. Will die feine Engländerin mit der nervigen Piepserlstimme damit ihrem persönlichen Bentley-Fimmel frönen, so scheint das Bush-Baby sich in europäischem Stahl nicht dermaßen geschützt zu fühlen, wie in einem PKW (Panzerkraftwagen) aus Detroit.

Wie dem auch sei – der optische Eindruck des Staatsbesuches wird die sachlichen Themen und Ergebnisse sicherlich überstrahlen. Nicht nur am Grünen Tisch wird die Abreise von George W. [sprich: Tschortsch Dablju] ein Aufatmen verursachen. Wird man im Kreis der Spitzenpolitiker dann wieder wie erwachsene Menschen reden können, wird auch die Öffentlichkeit endlich wieder frei von peinlichen und ziemlich unnötigen Sicherheitskontrollen tun können, was sie will. Auch die Fluglotsen werden aufatmen, wenn sie die drei Jets an den nächsten Tower weiterreichen können.

Da fällt mir ein: Der amerikanische Präsident war in seiner Jugend doch Flieger bei den Streitkräften. Wie wäre es denn, wenn man ihn die Air Force 1 steuern ließe? Ich bin gespannt, wohin er Kurs nehmen würde ...


Text: Walter Rudich












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