Wahllos untereinander kopulierende Amphibien:

Von Fröschen und PrinzEssinnen


Ich habe einen Freund, der hält sich und seinen Lebenspartner für Prinzen … und trotzdem küssen beide unentwegt Frösche nebenher – das behaupten sie jedenfalls. Was soll man davon bloß halten?

Nun … dass es sich um eine offene Beziehung handelt, dürfte wohl jedem klar sein. Aber was soll diese Unterteilung in Hochadel und Amphibien? Eines weiß ich ganz sicher: Keiner von beiden entstammt regierenden Königshäusern. Ich würde eher sagen, dass beide wohl besser in einen Schlossteich passen würden, als in einen Prunksaal. Auch ihre Vorliebe für den Schotterteich spricht eher gegen die Innehabung eines Adelspatentes.

Mein Fazit: Diese beiden selbst ernannten Prinzen sind auch nichts anderes als Frösche – wenn man sich an die von ihnen selbst definierten Kategorien hält!

Ausgehend von den Gebrüdern Grimm scheint die Schwulenszene also ein Froschteich zu sein, dessen Bewohner sich selbst aber alle für verhinderte PrinzEssinnen halten. Spinnt man diesen Faden weiter, so stellt sich nur mehr eine Frage: Wem obliegt die verantwortungsvolle Aufgabe, diese quakenden, wahllos untereinander kopulierenden Amphibien in wohlerzogene, schöne und bis an ihr Lebensende glücklich lebende PrinzEssinnen zu verwandeln?

Hmmmm … eine wahrlich schwierige Aufgabe. Wie wir aus verschiedenen Märchen wissen, kann ein Frosch dem anderen da nicht helfen, egal wie verzweifelt das auch versucht wird. Dafür ist schon eine Prinzessin mit ausgeprägtem Froschfetisch notwendig. Leider sind in Österreich PrinzEssinnen – wie auch das übrige Adelspack – seit 1919 gesetzlich verboten. Also werden die Frösche noch lange auf ihre Transformation warten müssen.

Aber mal ganz ehrlich: Lebt es sich als Frosch nicht viel angenehmer? Man kann die ganze Nacht hindurch quaken, sich nach Herzenslust im Schlamm wälzen und mit all den anderen Fröschen treiben, was einem spontan in den Sinn kommt. PrinzEssinnen haben da viel weniger Bewegungsfreiheit. Zum Beweise dafür braucht man nur einen Blick in die „Yellow Press“ zu werfen …

Also ich bin gerne ein Frosch! Und es bereitet mir unsägliches Divertissement, mir die anderen Frösche und Kröten im Teich zu betrachten, die nicht von der Vorstellung lassen können, etwas Besseres zu sein, obwohl gerade sie es sind, die am lautesten und unmelodiösesten quaken!


Text: Walter Rudich






Froschkönig