Erlesenes Luxusfernsehen? Herumgetrapse!

Dancing Stars


Ich erinnere mich ziemlich genau an die Zeiten, als der ORF noch allein auf weiter Fernseh- und Radiomedienflur war und unbehelligt von jeglicher Konkurrenz senden konnte, was er wollte. Dann kam das Satellitenfernsehen und von einem Tag auf den anderen konnte jeder, der sich eine Schüssel kaufte, ungestraft und vor allem frei von Folgekosten nach Deutschland schielen und lauschen. Da ist am Küniglberg Heulen und Zähneknirschen ausgebrochen. Das muss für die österreichischen Fernsehgranden etwa so eine Katastrophe gewesen sein, wie für russische Parteifunktionäre, als ihnen nicht nur alle Satellitenstaaten, sondern auch noch die eigenen Wähler davongelaufen sind, weil plötzlich Frieden und Demokratie ausgebrochen waren.

Um wenigstens einen Teil der Seher bei der Stange – oder besser gesagt bei der Antenne zu halten, verlautbarte man, dass man ja besser sei, als das anarchistische Fremdfernsehen, welches nur kommerzielle Zwecke verfolge. Man habe ja schließlich einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Also nicht blöd meckern, brav die Rundfunkgebühren zahlen und sich an erlesenem Luxusfernsehen erfreuen.

Das ist nun alles schon viele Jahre her. Immer noch zahlen wir brav die Gebühren und genauso brav versorgt uns der ORF mit hochklassiger Gehirnnahrung. Er nimmt seinen Bildungsauftrag so ernst, dass er uns mit immer neuen Fernsehformaten zu den klügsten Österreichern weltweit1 macht!

Bestes Beispiel dafür ist der neueste Quotenrenner „Dancing Stars“. Für Unbedarfte hier eine kurze Erläuterung des einfachen, aber genialen Konzeptes: Da werden bedauernswerte Tanzprofis dazu gezwungen, mit einem Haufen vollkommen unbegabter Halb- und Möchtegernstars das Tanzbein zu schwingen. Bewertet wir das Herumgetrapse am Parkett von einer Jury, welche teilweise zu taktvoll und teilweise zu dumm ist, die Wahrheit zu sagen. Und telegevotet wird auch. Jedem Menschen mit einem Hauch von musikalischem Rhythmusgefühl rollt es da beim Zusehen die Zehennägel auf.

Was hat diese Peinlichkeit denn mit dem Bildungsauftrag des ORF zu tun? ...möchte man da fragen. Na ist doch klar: Seit „Dancing Stars“ weiß man,

1. dass man bei uns auch mit drei linken Beinen Fußballstar werden kann,
2. dass mancher Musicalstar besser einen Wagenheber auf die Bühne mitnehmen sollte,
3. dass einem mit halbafrikanischer Herkunft noch lange kein Rhythmus in die Wiege gelegt ist,
4. dass FernsehmoderatorInnen zwar einen Unterleib haben, aber nicht so genau wissen, was sie damit anfangen sollen
5. dass es eine Katastrophe wäre, wenn das Millionenrad mit den Füßen bedient werden würde und
6. dass der willkürlich gewählte Künstlername „Schuh“ beim Tanzen auch nicht hilft.

Über die beiden anderen Teilnehmer ist mir nichts Nennenswertes eingefallen, was einerseits mich nicht stört und andererseits die Betroffenen sicherlich freut – ich gratuliere herzlich zum frühen Ausscheiden.

Und noch was typisch Österreichisches, was man aus diesem Fernsehformat lernen kann: Es wird mit Sicherheit der Schlechteste gewinnen. Das Publikum will sich nämlich keine lange Schluss- und Dankesrede anhören. Ich gratuliere schon jetzt, Toni! Wer hätte gedacht, dass deine Unfähigkeit, auch nur einen geraden Satz zu formulieren, dir einmal einen Titel einbringen würde...

Nachtrag:

Was soll ich sagen...? Die Fudel hat sich geirrt! Aber was soll´s – es war eine herrliche Veranstaltung und ein fulminantes Finale. Wider allen Befürchtungen hat der Bühnenboden gehalten und am Ende durften alle noch einmal eine Ehrenrunde drehen. Und was diesmal nicht geklappt hat, wird im nächsten Jahr sicher hinhauen: Dann wird sich das Parkett – schon ermüdet vom diesjährigen Event – senken und alle Teilnehmer mit Haut, Haaren und Hühneraugen verschlingen.... Hoffentlich!

_____

1 Ich weiß, ich weiß! Das ist ein leicht abgewandeltes George W. Bush-Zitat, aber der ORF in seiner grenzenlosen Güte hat es weiß Gott verdient!


Text: Walter Rudich






It's just a jump to the left
Jump

and then a step to the right

Step

Haushaltsserie
Kultur auf gundl.at
Fudels Giftküche
Somewhere under the Rainbow