Nun ist es endgültig so weit: Die einst strahlende Gewinnerin des Rennens um den ersten Menschen auf dem Mond hat sich mittlerweile zu einem Menschen verschlingenden Moloch gewandelt. Bei einem Programm gleich zwei Besatzungen von je sieben Astronauten zu verlieren ist schon ein starkes Stück! Und jetzt sitzen sieben weitere Raumfahrer im Orbit und wissen nicht, ob ihr fliegender Müllkübel den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überhaupt verkraften kann. Beim Start sind nämlich schon wieder Teile des Außentanks abgesplittert und mit der Fähre kollidiert. Die Hitzekacheln könnten wie zuvor bei der Columbia-Katastrophe beschädigt sein.
Das sind schöne Aussichten! Wahrscheinlich wird die NASA die drei verbliebenen, überalterten und von Anfang an schlampig geplanten Spaceshuttles verschrotten, wenn sie die im Weltraum gefangene Crew hoffentlich sicher auf die Erde zurückgebracht haben wird. Das ist also das Ende des in den 70ern so hoch umjubelten „Pendelverkehrs in den Orbit“. Das Programm ist gescheitert. Aber die Katastrophen haben auch ihr Gutes: Die Verschrottung ist nicht mehr so teuer wie einst, weil die Fünferflotte mittlerweile auf drei Stück geschrumpft ist und die werden sich mangels Überlebensfähigkeit sicher nicht vermehren Darwin schau oba! Auch in der Technik funktioniert die auf Selektion beruhende Evolution. Die Frage ist nur, ob eine neue Spezies an die Stelle der untergehenden tritt. Wenn nicht, dann stellt sich nur mehr eine Frage: Was machen wir mit unserer schönen Weltraumstation ISS?
Hollywood hat uns mit Science-Fiction Filmen geradezu bombardiert, in denen die Aliens als Böse Buben aus dem All dargestellt werden, welche die Erde vernichten wollen. Aber in Wirklichkeit ist das ganz anders:
Finanzkräftige Aliens könnten uns einen großen Gefallen tun, wenn sie die verwaiste ISS zu einem vernünftigen Preis anmieten und fertigbauen würden...
Text: Walter Rudich