Carrie Bradshaw hat es schon wieder getan! Auch bei der Wiederholung von "Sex and the City" schafft diese Schlampe es, den Rest der Welt als Provinz aussehen zu lassen.
New York scheint der Nabel der Welt zu sein, wenn man den Machern dieser so verhängnisvollen Serie Glauben schenken darf. Alle Discos dort sind mit Traumtypen vollgestopft, die außer einem Unterwäschegeschäft wohl noch nie eine Fetzenboutique von innen gesehen zu haben scheinen. Gut Graz ist beileibe keine Weltstadt und auch Wien ist nicht das Gelbe vom Ei. Aber ist es nicht mehr als verwerflich für alle Mitwirkenden dieses Quotenhits, sich persönlich daran zu bereichern, dass alle Zuseher weltweit allwöchentlich in tiefste Depressionen versinken, wenn sie sehen, was einem da entgeht, wenn man selbst am Arsch der Welt lebt?
Nun ganz so schlimm ist die Sache auch nicht, denn was haben unsere Mütter immer gesagt, wenn wir von übertriebenen Filmszenen, welche für unsere kindlichen Augen nicht altersgerecht schienen, traumatisiert zu werden drohten? „Es ist ja nur ein Film, im wirklichen Leben passiert so was nicht!“ Das scheint auch der Schlüssel zu sein, um „Sex and the City“ unbeschadet zu überstehen. Denn mal ehrlich: Auch in New York gibt es nicht ausnahmslos hinreißende Männer mit muskelstrotzenden Oberkörpern, die alle was Waffenscheinpflichtiges in der Hose haben. Und selbst wenn dieses Paradies irgendwo noch unentdeckt auf unserem Globus existieren sollte, würden Frauen wie Carrie Bradshaw und Konsorten diese Traumtypen nicht abbekommen, sondern müssten sich in einer Singlebar für geschiedene Mitvierziger bedienen (lassen).
Es ist alles nur gut erdachter Quotenscheiß, der es bisher mittelmäßig erfolgreichen SchauspielerInnen erlaubt, trotzdem mal richtig abzusahnen! Und weil dieses Machwerk von und für Heteros erdacht wurde, wird die dort gezeigte Schwulenszene wieder einmal aus den altbekannten Klischees zusammengestrickt und die sind nun mal jung, auftrainiert und im Tanzrausch mit E zugedröhnt.
Überlassen wir also das rauschende New Yorker Pflaster den schlecht gekleideten und mit Blahniks bestöckelten Weibern, die zwangsneurotisch von einem Schwanz zum nächsten gleiten und Beziehungen oder das, was sie dafür halten beim mittäglichen Salatbuffet totreden. Wir wissen jetzt, dass die Männer bei uns zwar nicht so schön, aber doch real sind.
Text: Walter Rudich