Condoleezza Rice zergeht dieser Name nicht auf der Zunge? [kon-do-liii-saah]… So gesehen handelt es sich bei der amerikanischen Außenministerin wohl um eine Mogelpackung, denn ihr Auftreten und ihre politische Einstellung vermögen nicht mit dem Charme ihres Namens mitzuhalten.
Jetzt ist sie gerade zu einer Friedensmission in den Nahen Osten gestartet. Ich würde Israel und Palästina dringend raten, alle ihre Vorschläge ohne jeden Widerstand anzunehmen, denn mit Widerspruch kann die Dame nur schlecht umgehen. Ich bin sicher, dass vorsichtshalber schon die halbe US-Flotte Richtung Mittelmeer unterwegs ist. Wenn Condi nämlich nicht auf friedlichem Wege Frieden stiften kann, wird sie keinen Wimpernschlag lang zögern, ihn mit Waffengewalt durchzusetzen. Dass das im Irak nicht gelungen ist, macht ihr sicherlich nichts aus. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei zwei Versuche gibt es also noch gratis. Vielleicht sind die USA auch gerade auf der Suche nach einem neuen Kriegsschauplatz, weil sie der Einsatz im Irak schon langweilt und sie sich unauffällig von dort zurückziehen wollen. Da haben sie schnell ihre Bulldogge als Friedenstaube kostümiert und losgeschickt, um den Nahen Osten kriegsreif zu verhandeln...
Wie dem auch sei mich lässt die Faszination ihres Namens nicht los! Was bedeutet Condoleezza denn eigentlich? Das ist sicherlich was lateinisches. „Con“ heißt „mit“ und „doleezza“ könnte von „dolor“ kommen. Also entweder die „Beileidsvolle“ oder die „Mitleidige“. Um das abzuklären, habe ich in Washington nachgefragt. Postwendend meldete sich bei mir Andrew Card, der Stabschef des Weißen Hauses. Etwas verlegen teilte er mir mit, dass ich richtig liege. Der Posten des Außenministers wurde aufgrund von Quotenregelungen an Condi vergeben. Man wollte zumindest ein Kabinettsmitglied aus einer diskriminierten Bevölkerungsschicht haben und eine Frau musste auch dabei sein. Um nicht zu viele Stellen an unerwünschte Subjekte zu verlieren, hat man die zwei Posten halt zusammengelegt. Eine Latina kam auch nicht in Frage, weil man die Latinos möglichst schnell aus den USA rauswerfen will. Und dass man keine Lesbe genommen hat, liegt auf der Hand: Die wäre früher oder später aufgrund ihrer sexuellen Orientierung lästig geworden und hätte sich der schon traditionellen Diskriminierung Homosexueller in den Weg gestellt und das ist ja schließlich ein fixer Bestandteil des Regierungsprogramms. Da war eine Negerin pardon: Afroamerikanerin die bessere Wahl.
Der Namen, der Mitleid heuchelt, war sozusagen das Tüpfelchen auf dem I. Wer immer sich beschweren würde, könnte einfach auf den Vornamen verwiesen werden: Tut uns leid, aber so ist es eben! Das wäre auch ein schönes Statement, wenn demnächst wieder einmal amerikanische Bomben auf ein Land fallen, das der Präsident nicht einmal auf einem Globus für Analphabeten finden würde...
Text: Walter Rudich