Männerkaffee kult
Die Homo-Partnerschaft: Rechtlicher Fortschritt oder Normierungsfalle?
(Graz, 17.2.2010). Vergangenen Mittwoch stand das inzwischen schon allseits bekannte Männerkaffee der Männerberatung unter dem Motto Eingetragene Partnerschaft. Bei einer Podiumsdiskussion mit interessanten Gästen wurde versucht zu ergründen, was die neue Möglichkeit der Eintragung einer (Homo-)Partnerschaft eigentlich der Lesbe und dem Schwulen persönlich bringt.
Am Podium waren neben Susanna Ecker (Juristin), Johannes Wahala (Sexualwissenschaftler) und Gerald Grosz (BZÖ) auch Jörg Eipper Kaiser (man/frau beachte den fehlenden Bindestrich!) vertreten, der mit seinem Partner die erste Eingetragene Partnerschaft in Graz eingegangen ist. Besonders seine sehr persönlichen Erzählungen stießen beim zahlreich erschienenen Publikum auf großes Interesse, da er sehr offen und plastisch von seiner Eintragung berichtete. Von der Anwesenheit der Medien bei der ersten Grazer Eintragung bis zu den überforderten BeamtInnen konnten die ZuhörerInnen aus erster Hand erfahren, wie die erste „Zeremonie“ vor sich ging.
Doch auch die theoretische Seite kam in der Diskussion nicht zu kurz. Susanna Ecker gab einen kurzen Überblick über die rechtlichen Folgen einer Eintragung, Wahala betonte die gesellschaftliche Wichtigkeit dieser Möglichkeit auf eine rechtliche Absicherung von gleichgeschlechtlich Liebenden, die an sich schon das Bild von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft verändert.
Auch Gerald Grosz sieht im Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft einen schon längst notwendig gewesenen Schritt der Politik, um die schon längst bestehenden Gegebenheiten in der Gesellschaft gesetzlich abzusichern; nur Grosz’ polemisch-grenzwertigem, provokanten Rhetorik-„geschick“ gegenüber war das Publikum eher reserviert eingestellt.
Die Podiumsgäste philosophierten auch gemeinsam mit dem Publikum über die Tragweite des Gesetzes und die (versteckten) Diskriminierungen im Gesetzestext. Die Wortmeldungen spiegeln die vorherrschende Zerrissenheit der Community gut wider, denn von „Was habe ich als Lesbe davon, wenn mir und meiner Partnerin eine künstliche Befruchtung noch immer rechtlich verwehrt bleibt?“ bis zu „Die Menschen sollen froh sein, dass es endlich ein Gesetz gibt, das eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft ermöglicht“ spannte sich der Bogen der Meinungen der Gäste.
Klar ist nach dieser Diskussion und der Ausführung der DiskutantInnen allerdings, dass sich in den nächsten Monaten noch einiges im Bezug auf das Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft tun wird und muss (Stichwort Verfassungsgerichtshof).
… und vielleicht wird in Österreich (in ferner Zukunft) sogar das Eherecht reformiert und die Eingetragene Partnerschaft für Hetero-Paare geöffnet!? – zumindest wenn es nach den DiskutantInnen des Abends geht.
Einen herzlichen Dank an die Männerberatung für diesen sehr interessanten Diskussionsabend.
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