Franz Hasler in Guatemala gestorben
Ein bewegtes schwules Leben
(Guatemala City, März 2009).
Franz (alias Peter) Hasler, die „Stainzerbäurin“, ist tot. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand der Behörden wurde er ermordet. Die Hintergründe der Bluttat sind noch unklar. Das Drama hat sich in Guatemala ereignet, wohin er vor 6 Jahren ausgewandert ist, um seine Pensionsjahre zu genießen. Die Nachricht von seinem Tod hat mich tief erschüttert.
Vor genau 20 Jahren habe ich ihn durch seinen damaligen Freund kennen gelernt. Nach einer filmreifen Eifersuchtsszene, die ich tapfer durchstand, wurden wir Freunde. Unsere gemeinsamen Unternehmungen führten bis nach Venezuela, wo wir anno 1990 im Freundeskreis einen ganzen Monat lang urlaubten. Bühnentaugliche Tragödien inklusive.
Auch in Graz war jedes Wochenende was los. Unsere gemeinsamen Samstag Abende endeten regelmäßig sonntäglich, nicht vor 11 Uhr. Regelmäßig mussten wir uns beim Hinauswanken aus diversen Lokalen Zeitungen vor die Gesichter halten, um im gleißenden Sonnenschein nicht zu Staub zu zerfallen. Es war für mich eine verrückte aber auch lehrreiche Zeit.
Peter hat mir durch sein Beispiel gezeigt, wie man als Schwuler ein selbstbewusstes Leben in der Öffentlichkeit führen kann. Das war vor 20 Jahren nämlich gar nicht so einfach. Nicht, dass ich dann auch Leuten aus dem Mantel geholfen hätte, um diesen auf den Boden zu werfen und mit den Worten „die Übergangsjacke“ darauf herumzutrampeln, aber seine kantige Art, den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen, hat auch mich geformt. Seine messerscharfe Beobachtungsgabe gepaart mit einer bösen Zunge hat auch mich gelehrt, dass man mit wenigen gut platzierten Worten jeden Gegner auf die Matte zwingen kann. Auch, wie man Freunde behandelt – und manchmal nicht behandeln sollte – habe ich von ihm gelernt.
Sein bewegtes Leben war außergewöhnlich. In Übelbach geboren lernte er in Graz und ging dann nach Innsbruck. Das war in den frühen 1960er Jahren. Dort bekam er von seinem Chef den Namen Peter verpasst, weil im Betrieb ein heilloser Überschuss an „Franzen“ herrschte. Über all seine Lebensstationen bin ich leider nicht informiert, aber sein beruflicher Weg führte ihn auch ins Burgenland, wo er in Jennersdorf in den 1970ern ein Lokal betrieb. Schon damals war er bekennender Schwuler – was zum Beispiel dazu führte, dass ein späteres Mitglied seines Grazer Freundeskreises – damals im zarten Alter von 17 – von den Eltern mit Fortgehverbot in Peters Lokal belegt worden ist, damit der unschuldige Sohnemann nicht von den bösen Schwulen verführt wird. (Geholfen hat das allerdings nichts, denn er ist dann ohne fremde Hilfe selbst draufgekommen …).
Irgendwann in den 1970ern (leider kann ich es nicht zeitlich einordnen) hat Peter das erste Mal dem Fernweh nachgegeben und ist mit einem großen Koffer, den zu einem Großteil sein üppiger bodenlanger Pelzmantel ausfüllte, nach Martinique ausgewandert. Mangels Vorbereitung hat dieses Wagnis ein baldiges Ende gefunden. Und dann kam die Lebensphase als „Stainzerbauer“. Den Namen hatte er mit dem Lokal in der Bürgergasse mitgekauft – und er blieb ihm. Das war auch die Zeit, in der er seinen Ruf als „Promiwirt“ verpasst bekam. Selbst hat er dieses Schicki-Micki-Image nie gemocht – aber es war Teil seiner Vermarktung – und geschäftlich hat ihm keiner was vorgemacht.
Als ihn eine seiner vielen Fernreisen nach Guatemala führte, fasste er schon vor mehr als 20 Jahren den Entschluss, dorthin auszuwandern – aber diesmal richtig. Und genauso hat er es gemacht. Nach dem Verkauf seines Lokales hat er sich ein Grundstück am Atlantik zugelegt und ist mit Sack und Pack losgezogen. Natürlich gestaltete sich sein Leben auch in Mittelamerika alles andere als beschaulich. Er errichtete eine kleine, aber feine Hotelanlage und nannte sie „Casa Austriaca“. Gerade, als das Geschäft zu laufen begann, brannte ein Teil davon ab. Das war vor etwa drei Jahren. Was danach passierte, entzieht sich meiner Kenntnis. Dass ich jetzt in der Zeitung über seinen gewaltsamen Tod erfahren musste, hat mich zutiefst bestürzt. Hoffentlich findet dieses Verbrechen eine rasche Aufklärung.
Abseits vom Trubel der Geschäftswelt und der Schwulenszene war Peter ein zuvorkommender, großzügiger, einfühlsamer und sehr verletzlicher Mensch. Ich bin stolz darauf, ihn auch von dieser Seite kennen gelernt zu haben. Er hat schon lange einen festen Platz in meinem Herzen …
Text:

Kommentare
29.01.2012, 21:10 - Matthias
Erst Heute erfahre ich von seinem Tod... zu tiefst erschüttert (ob der Umstände).
Der allerengste Kreis um "Peter" kennt mich, aber besser noch meine Mutter.
Mit fehlenden Worten, traurige Gedanken aus Berlin,
"Thiasl"
27.03.2009, 20:53 - Robert Ossovsky
Auch ich bin sehr erschüttert über Peters tod. Ich hatte die große Ehre bei ihm beim Stainzerbauer meinen Beruf zu erlernen!Er war ein liebevoller und lebenslustiger Mensch, zwar nicht immer einfach mit seinen Launen, aber doch meist gut drauf. Er hat mich doch ein wenig in meinem Leben begleitet und mir ein wenig geholfen erwachsen zu werden. Ich habe sehr viel von ihm gelernt!
Möge er in Frieden ruhen
Robert Ossovsky