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Sperriges Motto, prunklose Umsetzung

Tuntenball 2011

(Graz, 19.2.2011). Glamour und Opulenz … waren anlässlich des Themas des heurigen Tuntenballs ja nicht unbedingt zu erwarten, und wurden konsequenterweise auch nicht geboten. Während sich der Congress im Vorjahr unter den fleißigen Händen von flowerpower in ein atemberaubendes Wunderland verwandelt hatte und viele BesucherInnen in phantasievollen und aufwändigen Kostümen erschienen, lieferte das sperrige Motto „Unidentifizierbares Fummeltragendes Objekt“ zwar viele Anregungen für Kostüme, einer prunkvollen Ballatmosphäre war es aber nicht zuträglich. Wenngleich die Kostümdichte sicher im Schnitt der vergangenen Jahre lag und viele themengerecht verkleidet kamen – auch der Anteil der völlig unangemessen Ge- und Entkleideten war erfreulich gering –, edler und aufwändiger waren die Outfits jedenfalls im Vorjahr. Für die Dekoration in den Sälen wurden einige gute Ideen verarbeitet (etwa die schwebenden Ufos im Hauptsaal), insgesamt wirkt Alufolie und Installationszubehör in großen Mengen leider nicht besonders grandios – eindrucksvoll hingegen die überlebensgroßen Science-Fiction-Figuren aus Metall. Die Tischblumen fanden wir einigermaßen bescheiden. Von den Organisatoren selbst, wurde das Thema neben der einigermaßen augenfälligen Anspielung auf Außerirdisches auch als Fluglinienpersiflage interpretiert, was für uns nicht ganz rund wirkte.

Die Moderation lag wieder in den bewährten Händen von Lucy Lindt und Catherine Clicquot, die als Sonnen- und Mondgöttin abermals ein ungleiches Paar abgaben. Ihr kleiner Showact um halb elf war leider nicht optimal im Programmablauf integriert, sodass er nur recht wenig Aufmerksamkeit auf sich zog. Zudem hatten sie – wie auch die Mitternachtseinlage – mit tontechnischen Problemen zu kämpfen.

Die Polonaise von Bernia Ogger und – neu – Bettina Felgitscher fiel artistischer und perfekter aus als sonst, obgleich das nur durch den beklagenswerten Verzicht auf TänzerInnen aus der Community möglich war. Gemeinsam mit dem Wegfall der Wahl zur Miss Tuntenball wurde hier schon ein großes Stück Identität und eine gewisse Verbundenheit mit der LesBiSchwulen Community aufgegeben. Wir wollen uns gerne dem Kollegen von „gayösterreich.at“ anschließen, der bemerkte: „Irgendwie sollte man trotzdem der schleichenden Übernahme der Hetero-Fans ein wenig entgegenzuwirken versuchen.“

Die Durchführung der Kostümprämierung um Mitternacht (die die Wahl zur Miss Tuntenball und zwei Kostümprämierungen ersetzte) können wir leider nur als dilettantisch bezeichnen. Das Publikum sollte mittels Lärm (vorzugsweise Applaus) aus einer zunächst nicht näher spezifizierten Anzahl von Kostümen, die irgendwer zuvor ausgesucht hatte, das schönste ermitteln. Dazu wurden die KandidatInnen der Reihe nach auf die Bühne geführt und die Applausmessung erfolgt sofort, ohne dass die Ballgäste die Vergleichsmöglichkeit mit den danach vorgestellten Kostümen gehabt hätten. Damit konnte man nur raten, ob danach noch was Hübscheres oder Hässlicheres kommen würde. Das dann ausgerufene „Stechen“ war für uns auch nicht nachvollziehbar, da aufgrund der projizierten Lautstärke die Reihung eindeutig feststand. Die Gewinnerin (die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: je weniger Stoff, umso besser wird das „Kostüm“ bewertet), bekam ein Papiersackerl unbestimmten Inhalts, während (!) die Zweitplatzierten noch von der Bühne gescheucht wurden. Die an den Tag gelegte Eile erwies sich als völlig unbegründet, da die unmittelbar im Anschluss auftreten sollenden Global Kryner noch eine ganze Weile unabkömmlich waren. Das Publikum wartete geduldig, um dann während des ersten Songs der Truppe scharenweise die Galerie und den Ballsaal zu verlassen.

Die Musik im Festsaal kam den Rest des Abends über heuer zum zweiten Mal von der wunderbaren Gala Big Band eXcite. Gemeinsam mit der ebenfalls sehr guten Einlage des Masala Brass Kollektiv im Kammermusiksaal – von der Lautstärke her für den eher kleinen Raum überdimensioniert – und der Mitternachtseinlage ergab sich ein ungewöhnlich hoher „Blechanteil“ im musikalischen Gesamteindruck des Abends.

Eine deutliche Aufwertung erfuhr der Kammermusiksaal durch die zusätzliche runde Bar. Überhaupt war die positive Überraschung des Abends eine gastronomische: Das Angebot und Service der Revita schien tatsächlich wie von einem anderen Stern: Schnell, umsichtig und zuvorkommend war das Congress-Catering kaum wiederzuerkennen. Die Lange Halle wurde heuer von den Jetsonz live bespielt und im Casino im Erdgeschoß war eine Relax Lounge eingerichtet, von der versprochen wurde, sie mache müde Ballbeine wieder munter. Darüber können wir leider nicht berichten, da uns ebenjene nicht mehr dorthin tragen wollten. Wohlweislich vermieden haben wir hingegen einen Abstecher ins Raucherkammerl. Von den klaustrophobischen Szenen auf dem Weg dorthin haben wir uns doch lieber nur erzählen lassen, man muss schließlich nicht überall dabei sein. Der Congress möge sich für Veranstaltungen dieser Größenordnung einen besser erreichbaren Konsumraum überlegen, denn von Stilettos über den Haufen getrampelte Tunten sind bestimmt kein hübscher Anblick.

Insgesamt ein Tuntenball ohne gravierende Höhe- und Tiefpunkte; die Farce um die Kostümprämierung nehmen wir mit Befremden zur Kenntnis.

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Kommentare

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    23.02.2011, 12:15 - Grazer Hirschin

    Ja, die Kostümprämierung war schwer daneben. Nur 3 TeilnehmerInnen bei einer Fülle von tollen Kostümen und die hätte man auch besser vorstellen bzw. interviewen können. Wahl der Miss Tuntenball gehört eigentlich dazu, obschon man sagen muss, dass die mit den Jahren auch schwächer wurde.
    die global kryner sind in einem anderen rahmen sicher eine gute gruppe, zum tuntenball haben sie allerdings nicht gepasst.
    ich finde der tuntenball soll eine Widerspiegelung einer besseren gesellschaft sein, in der alle menschen akzeptiert sind, egal welche sexuelle orientierung sie haben. also heteros raus find ich nicht o.k. allerdings könnten die bühnenaktionen mehr der darstellung der community und schwuler anliegen dienen. ein für alle sexuellen orientierungen offener tuntenball fördert die akzeptanz/toleranz mehr, als ein reines community-event, das sicher auch in den medien nicht diese breite resonanz erhalten würde. Man muss das halt auch entsprechend nutzen, um für die schwulen anliegen zu werben!


    23.02.2011, 11:01 - TomAusGraz

    Naja, nachdem den PantherInnen ja auch die Community (außer als zahlende Gäste) völlig egal ist wundert es nicht, dass sie auch keine Lust mehr haben zu posten. Miss Tuntenball abgeschafft, LesBiSchwule Polonaise abgeschafft und außer der Organisation und den mit ihr mehr oder weniger verbandelten Moderateusen ist Starmania-Tom der einzige Homosexuelle der es geschafft hat einen kurzen (und leider sehr schlechten) Auftritt während der Polonaise zu haben.
    Alles in allem wird's halt immer mehr ein Hetero-Kostümball mit Homo-Beteiligung.

    Traurig sowas.


    22.02.2011, 22:03 - Günther

    hm. Wenn 3 Tage nach erscheinen eines Tuntenball-Artikels kein einziger Kommentar dazu erscheint dann scheint das Thema Tuntenball in der Community wohl tot zu sein.