Dramatische Steigerung bei HIV-Neuinfektionen in der Steiermark
Wie viele Schwule sind HIV-positiv?
(Graz, 30.3.2009). Im vergangenen Jahr 2008 sind österreichweit rund 500 Fälle von HIV-Neuinfektionen bekannt geworden. Damit wurde der schon hohe Wert aus 2007 wieder erreicht. Dramatischer sieht die Zahl in der Steiermark aus: Waren es 2006 noch 37 Personen, deren Infektion bekannt wurde, so schnellte die Zahl 2007 auf 76 und erreichte 2008 den Wert von 85! Das ist in den letzten drei Jahren ein Anstieg von 130 Prozent! Nach Auskunft der Steirischen AIDS-Hilfe geht diese Steigerung vor allem auf schwule Männer zurück. Bemerkenswert ist auch, dass sich viele junge Männer mit HIV infiziert haben – und dass viele der neuinfizierten Schwulen sich auch mit Syphilis angesteckt haben.
Mir wurde die Gnade des „späten Coming-Out“ zuteil. Ich wurde also erst zu einem Zeitpunkt sexuell aktiv, als gerade genügend Informationen über AIDS und den Möglichkeiten zum Schutz vor einer Ansteckung vorhanden waren. Damit konnte ich zwar eine Infektion meiner eigenen Person verhindern, musste aber miterleben, wie viele Freunde und Bekannte an dieser Krankheit zugrunde gingen. Zwei simple Regeln schützten mich vor einem frühzeitigen Tod und sorgen noch immer dafür, dass ich ein von HIV unbeeinträchtigtes Leben führen kann: Kein Abspritzen in den Mund und beim Bumsen Gummi mit Gleitmittel verwenden.
Vor diesem Hintergrund ist mir die „neue Sorglosigkeit“ der Schwulen unverständlich. Eine HIV-Infektion ist nach wie vor nicht heilbar, auch wenn mit den modernen Medikamenten die Überlebensdauer massiv gesteigert werden konnte. Dass man den HI-Virus nun auch Jahrzehnte überleben kann, bedeutet ja trotzdem, dass man in vielem eingeschränkt ist: Die ständige Therapie belastet den Körper, die gesellschaftliche Stigmatisierung von HIV-Positiven hinterlässt nicht nur seelische Schmerzen.
Jeder von uns hat nur ein Leben, nämlich das eigene. Es fällt mir schwer zu glauben, dass es immer mehr schwulen Männern egal ist, wie ihr weiteres Leben verläuft. Es fällt mir schwer zu glauben, dass jemandem den kurzzeitigen „Vorteil“ des Bumsens ohne Gummi höher bewertet als die Gefahr eines Weiterlebens als chronisch Kranker.
Hohes Risiko
Vielleicht wird aber auch die Größe der Gefahr einfach unterschätzt. Vielleicht wird die Möglichkeit einer HIV-Infektion gleichgesetzt mit der Gefahr, vom sprichwörtlich herunterfallenden Dachziegel erschlagen zu werden. Letzteres entspricht in etwa einem „negativen“ Lotto-Fünffach-Jackpot. Die Gefahr einer HIV-Infektion ist für schwule Männer aber um vieles größer. Doch wie groß ist sie wirklich? Etwas Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung liefert nüchterne Antworten.
Wir wollen uns fragen, unter wievielen schwulen Männern im Durchschnitt einer HIV-positiv ist. Dabei wollen wir uns auf die Altergruppe von 17 bis 65 Jahren beschränken. In Österreich lebten im Jahr 2007 2,75 Millionen Männer in diesem Alter, davon sind angenommene 5 % homosexuell, das ergibt rund 137.700 schwule Männer. Das ist also unsere „Grundgesamtheit“, auf die wir uns in weiterer Folge beziehen.
Nach Schätzungen leben in Österreich etwa 15.000 HIV-positive Personen. Aus einer Studie, in der alle berücksichtigt sind, die in einem der fünf HIV-Behandlungszentren in Österreich zwischen 2001 und 2007 die Diagnose „HIV-Positiv“ bekamen, erfahren wir: 26 % gaben als Ansteckungsweg homosexuellen Verkehr an, 14 % machten keine Angaben. Da wir davon ausgehen können, dass nicht alle wahrheitsgemäß antworten, und dass bei denjenigen, die keine Angaben gemacht haben, auch viele schwule Männer dabei sein dürften, nehmen wir an, dass 40 % der Infizierten schwul sind. Das ergibt österreichweit rund 6.000 HIV-positive Schwule.
Von 137.700 schwulen Männern in Österreich sind also 6.000 HIV-positiv. Damit trägt durchschnittlich einer von 23 schwulen Männern den HI-Virus in seinem Körper, das sind etwas mehr als 4 % aller Schwulen! Damit ist der Anteil der HIV-Positiven unter den Schwulen in etwa gleich groß wie der Anteil der Schwulen an der gesamten männlichen Bevölkerung!
Die gleiche Zahl anders formuliert: Wenn man mit 16 schwulen Männern Sex hat, so beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest einer davon HIV-positiv ist, bereits über 50 Prozent! Selbst wenn man nur mit zwei schwulen Männern Sex hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer davon HIV-positiv ist, schon größer, als im Lotto einen Dreier zu gewinnen!
Eines steht für mich jedenfalls fest: Safer Sex ist wesentlich lustvoller, als die Berechnung dieser alarmierenden Werte!
Text:



Kommentare
01.04.2009, 19:52 - dasProfil
238 NEU infizierte schwule in den jahren 2006-2008 allein in der steiermark?
vielleicht bedarf es einer noch deutlicheren rechnung:
Jahr Neuzugaenge HI-V+ Stmk.(bekannt)
2006 + 37
2007 + 76
2008 + 85
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06-08 +198
hier im artikel wird ein 40 %iger schwulenanteil zu grunde gelegt, das wuerde umgelegt bedeuten:
in den letzten 3 jahren + 79 neuinfektionen bei homosexuellen in der steiermark, die sich testen lassen haben. tendenz: stark ansteigend.
EUROHIV geht von einer 3fach so hohen dunkelziffer aus - sprich leute, die nicht wissen (wollen) dass sie positiv sind (quelle: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/aids/?sid=447622)
dies ergaebe rundungsbedingt + 238 NEU infizierte schwule in den jahren 2006-2008 allein in der steiermark.
vielleicht hilft hier nur mehr die holzhammermethode diese zahlen mal den herrschaften aufs auge zu druecken. vielleicht loest dies dann doch bei einigen einen nachdenkprozess aus - hi-v ist laengst kein zu marginalisierendes thema mehr - bei jedem szenebesuch oder auf den blauen seiten sind also etliche hi-v+ im publikum.
mir ist durchaus bewusst, dass dies fuer manche eine harte aussage sein mag, und ich will auch keine hi-v positiven ausgrenzen, da sie es so schon schwer genug haben, deshalb moechte ich nochmals darauf hinweisen, dass es mir hier rein um die veranschaulichung geht, dass aussagen wie "ich kenn niemand der das hat und chance bei einem 1ns ohne kondom sich hi-v einzufangen marginal ist" dringedst ueberdacht werden sollten.
31.03.2009, 23:28 - dasProfil
danke fuer diesen artikel - vielleicht denken nun zumindest ein paar leute nach und aendern ihr verhalten.
nur wenn der schwanz aufs rueckenmark drueckt knallts leider den meisten schwulen nach wie vor die sicherungen raus und sie verzichten aufs kondom.
dazu kommt noch, dass darkrooms wo angeheitert lustig drauf losgepoppt wird nicht gerade die praeventionsarbeit (die uebrigens eines massiven ausbaus bedarf) unterstuetzen.
erwaehnenswert waere, dass gerade "frisch" infizierte bei ungeschuetztem verkehr hochinfektioes sind, da sie hohe viruskonzentrationen im blut haben und noch keine antikoerper gebildet haben. gerade hier reissen oft frisch infizierte "kamikazevoegler" gleich noch einige leute mit.
nicht uninteressant uebrigens, wenn man mal http://www.barebackcity.de einen besuch abstattet (fakeprofil ist in 2 minuten angelegt) und sich dort die steirer raussucht - teils sogar mit links zum romeoprofil wo facepics drinn sind oder ein grazer user der seine tel-nr angibt, wo man via telefonbuchdatenbank name + wohnadresse rausbekommt...mzeit.