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Neue Kampagne der Aidshilfe Wien

Was schützt? Sicher nicht der Schutzengel!

(Graz, 5.6.2009). Konsequenter Kondomgebrauch könnte in Österreich jährlich mehr als 350 HIV-Infektionen verhindern! Die Aidshilfe Wien hat deshalb im Bereich der schwulen Prävention eine neue Kampagne gestartet. Dabei steht die Erinnerung an das Kondom als Schutz vor HIV/AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten im Vordergrund.
Denn Faktum ist, dass in Österreich pro Jahr mehr als 350 HIV-Infektionen durch konsequenten und richtigen Einsatz von Kondomen verhindert werden könnten, denn 70% der HIV-Infektionen erfolgen durch sexuelles Risikoverhalten, bei schwulen Männern also durch ungeschützten Analverkehr. Für die Gay Community würde konsequenter, richtiger Gummigebrauch bedeuten, dass österreichweit pro Woche ein bis zwei schwule Männer weniger einen HIV-positiven Befund erhalten würden. Viele Umstände führen aber dazu, dass auf das Kondom verzichtet wird: Romantische Gefühle, Verliebtheit, unklare Absprache in Beziehungen, falsche Annahme über den eigenen HIV-Status und den des Partners.

„Irgendwie ist das als würde man sich auf einen persönlichen Schutzengel verlassen: Mir wird schon nichts passieren. Und dabei blendet man immer aus, dass andere Menschen dieses Glück nicht hatten“, meint dazu Dominik Bozkurt, Präventionist der Aidshilfe Wien.

Während in Wien bereits konkrete Schritte gesetzt werden, müssen die Bundesländer noch warten. Hier planen die AIDS-Hilfen gemeinsam eine Kampagne speziell für Männer, die Sex mit Männern haben. Diese wird aber erst im Herbst starten, derzeit hat die Konzeptionsphase begonnen.

Krise in der Steiermark

Wichtig sind Aktivitäten besonders in der Steiermark. Dort hat sich 2007 mit 76 dokumenierten Neuansteckungen die Zahl mehr als verdoppelt und 2008 mit 85 noch weiter gesteigert - und zwar praktisch ausschließlich bei (meist jungen) schwulen Männern. Nirgendwo sonst in Österreich gab es eine solche Zunahme – im Gegenteil: bundesweit stagniert die Zahl der Neuansteckungen mit dem tödlichen Virus. „Keine Ahnung, woran das liegt“, so Lola Fleck von der Steirischen Aidshilfe: „Es hat so etwas wie eine Liberalisierung des Sexualverhaltens eingesetzt, der Gebrauch von Kondomen ist out.“

Zusätzlich konstatiert Dr. Andreas Kapper vom LKH Graz West vermehrte HIV-Infektionen bei Jugendlichen: „Wir haben hier jedes Jahr eine zehnprozentige Steigerungsrate bei neuen HIV-Infektionen bei jungen Menschen. In der Steiermark betrug sie in den beiden letzten Jahren je 30 Prozent“, zeigte der steirische AIDS-Experte Anfang März bei der Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer auf.

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