Ich leb’ nur einmal …
Mehr Präventionsarbeit in der Community tut Not.
Ein Rundblick.
(Graz, 15.9.2009). Wie hältst du es mit Safer Sex? Ich bin Single und benutze immer Kondome, sagten 30% jüngst bei einer Umfrage auf gayboy. Und die größte Gruppe (45%) sagte: Bei One Night Stands mit Gummi, in der Beziehung ohne. Was bekanntlich nicht ganz risikolos ist. 15% sind da mit „Ich mach es nur mit Gummi – auch mit der besseren Hälfte. Sicher ist sicher“ tatsächlich auf der sicheren Seite. 5% teilten die Aussage „Safer Sex? Klar, wenn der andere darauf besteht, gern.“ Und 3% meinten „Safer was? Mir doch egal – ich leb nur einmal und kurz.“
Man sieht: Die Gefahr für einen schwulen Mann, sich mit HIV zu infizieren, ist groß. Weshalb die Wiener Aidshilfe ja wieder eine eigene Kampagne für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), macht, und die Bundesländer-Aidshilfen für Ende 2009 eine ähnliche Kampagne planen. Dabei werden regional durchaus interessante Initiativen gesetzt, um die Präventionsbotschaft an den (schwulen) Mann zu bringen.
So hat die Aidshilfe Salzburg gerade zwei Kino-Werbespots mit Ingo Vogl gedreht, einen für heterosexuelles und einen für homosexuelles Zielpublikum, der dann auch im Internet auf die einschlägigen Homepages eingestellt wird. In Linz organisierte die Aidshilfe heuer die Plakat- und Postkartenkampagne „Wir in Fahrt“ in Kooperation mit der HOSI Linz.
Auch mit eigenen Veranstaltungen versuchen die Aidshilfen die Community zu erreichen. Im August gibt es in Salzburg eine Benefizveranstaltung, ein Barockfest im Salzburger Zwergerlgarten. Ähnliche Feste macht auch die Aidshilfe in Linz – und zwar gemeinsam mit Linzer Szenelokalen. In Vorarlberg gibt’s im Sommer Open-Air Cinema am Bodensee. Und neben einer Sommerparty mit dem Verein „Go West“ ist inhaltlich für den 9. Oktober eine Veranstaltung zum Coming Out Day geplant. Neben der länderübergreifenden Zusammenarbeit der Aidshilfen im Bodensee-raum (Schweiz, Deutschland, Liechtenstein und Österreich) in der Prävention wird das Hauptthema die rechtliche Situation im Ländervergleich stehen.
In Tirol wertet die Aidshilfe gerade eine Studie zum Thema Risikobewusstsein in der Szene aus. Die Ergebnisse werden in die Präventionsarbeit einfließen und in der Szene präsentiert und diskutiert. In diesem Zusammenhang wird im November auch die von der AIDS-Hilfe regional erstellte „Eros Anal“-Broschüre in aktualisierter Fassung erscheinen. Die Aidshilfen in den Bundesländern bemühen sich auch um die Verteilung von Kondomen und bewusstseinsfördernde Aktionen. So z.B. durch spezielle Stricherpakete in der Steiermark bzw. durch Beratung auf gayromeo in Linz und Graz, durch Streetwork in Klagenfurt oder durch Präsenz in populären Cruising Areas: in Vorarlberg z.B. am Rheindamm.
Gesundheitsminister Alois Stöger hat jedenfalls Ende Mai im Parlament die Frage „Was sind derzeit die am meisten gefährdeten Personengruppen in Bezug auf eine HIV-Infektion?“ wie folgt geantwortet: „In Österreich sind nach wie vor hochpromisque Personen aber auch Personen mit intravenösem Drogenmissbrauch gefährdet.“ Nun, massiv gefährdet – und das mindestens um den Faktor 10 mehr als die Heteros – sind in Österreich schwule Männer. Und zwar gar nicht so, weil diese so extrem hochpromisk wären, sondern einfach deshalb, weil der Sexualpartner viel häufiger selbst HIV-positiv ist und ungeschützter schwuler Sex wesentlich riskanter.
Die Zahl der Neuinfektionen bei MSM nimmt in der EU seit 2002 wieder stark zu. Man müsste also auch in Österreich in diesem Bereich mehr tun. Doch auch bei uns gilt, was das deutsche „Robert-Koch-Institut“ schon 2008 festgestellt hat: „Es gibt kein Land, in dem der Anteil der Mittel, die in die HIV-Prävention für MSM investiert werden, proportional dem Anteil der MSM an der Epidemie ist. Durchgehend werden diejenigen, die das höchste Risiko für eine HIV-Infektion haben, in der Prävention am schlechtesten bedacht.“
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