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Amors vergifteter Pfeil

Sexualmediziner und Männerarzt Dr. Georg Pfau im Gespräch mit Erik Pfefferkorn über Syphilis

(Linz, Juli 2009). Die Entdeckung des Penicillin 1928 führte zu einem deutlichen Rückgang der Syphilis in Europa. Seit Mitte der 90er Jahre steigen die Infektionszahlen wieder beträchtlich an. Betroffen sind laut Statistiken vor allem Männer, die Sex mit Männern haben.
Die AIDSHILFE OBERÖSTERREICH bietet daher seit Herbst 2008 den Syphilis-Test kostenlos und anonym an.

Haben die Syphilis-Infektionen unter schwulen Männern in Linz und Oberösterreich wirklich so stark zugenommen? Worin siehst Du die Gründe für diese Entwicklung?
Dr. Pfau: Ja, das kann man so sagen. Ich verzeichne in meiner Praxis eine deutliche Zunahme seit etwa drei Jahren. Die Syphilis ist eine klassische Geschlechtskrankheit, die in Mitteleuropa als ausgestorben galt. Woher sie nun wieder eingeschleppt wurde, kann ich nicht beurteilen. Warum sie sich gerade unter schwulen Männern so stark ausbreitet, liegt auf der Hand! Da gibt es natürlich die bei schwulen Männern erheblich stärker ausgeprägte Promiskuität, aber auch die Versatilität (darunter versteht man die gleichzeitig aktive und passive Geschlechtsrolle von Männern). Die fehlende oder zu späte Diagnose ist ein weiterer Grund für die Ausbreitung dieser Seuche. Viele Ärzte denken einfach nicht an die Möglichkeit einer Lues (=Syphilis).

Wie wird eine Syphilis eigentlich übertragen? Und: Wie kann man sich entsprechend schützen?
Dr. Pfau: Die Syphilis ist durch eine sehr hohe Infektiosität gekennzeichnet. Die Besonderheit ist wohl, dass schon einzelne Treponemen (Treponema pallidum ist der Erreger der Syphilis) zu einer Infektion führen können. Deswegen kann man mit Kondomen das Infektionsrisiko zwar deutlich senken, aber nicht verhindern. Kondome sind daher dringend zu empfehlen, schützen aber nicht sicher. Die Ansteckung erfolgt über den Primäraffekt, das ist ein schmierig belegtes Geschwür. Es kann sich je nach Sexualpraktik im Genitalbereich, Gesicht, Mund, aber auch im Analbereich befinden. Bezugnehmend auf die Regeln des „Safer Sex“ schlage ich vor, eine Ergänzung vorzunehmen: „Safer Sex bedeutet auch, sich den Sexualpartner bei gutem Licht anzusehen. Bei Geschwüren, Rötungen oder nicht abgeheilten Wunden rate ich, vorsichtig zu sein!“

Was sind typische Symptome, mit denen Männer zu Dir in die Praxis kommen?
Dr. Pfau: Die wenigsten Männer kommen zu mir, weil sie glauben, an einer Geschlechtskrankheit zu laborieren. Die meisten Lues-Infektionen entdecke ich rein zufällig bei Gesundenuntersuchungen oder Konsultationen wegen ganz anderer Dinge. Es ist hier also die Aufmerksamkeit des Arztes gefragt, und die bedarf eines gewissen „Insiderwissens“. Üblicherweise sind die Beschwerden der Männer gering. Man sieht eine kleine Wunde, eine Lymphknotenschwellung oder einen Ausschlag, der nicht selten schon als Pilzerkrankung oder unspezifischer Ausschlag fehldiagnostiziert wurde. Die verordneten Salben führen zu einer vermeintlichen Heilung, weil ja jeder Primäraffekt nach spätestens zwei Wochen von selbst abheilt … und dann wird eine Diagnose noch schwieriger.

Syphilis ist ja eine heilbare Infektionskrankheit. Was sind die nächsten Schritte, nachdem Du eine Syphilis diagnostiziert hast?
Dr. Pfau: Die Syphilis lässt sich sehr gut behandeln. Nach der Behandlung ist man üblicherweise geheilt. Für die Therapie, die aus einer oder mehreren Penicillininjektionen besteht, überweise ich die Patienten an die Spezialambulanz im AKH, mit der ich sehr gut und erfolgreich zusammenarbeite.

Wie verläuft eine Syphilis-Infektion unbehandelt?
Dr. Pfau: Unbehandelte Syphilisinfektionen bedrohen die Gesundheit bis zur Lebensgefahr. Es gibt drei Stadien: Zirka drei Wochen (9-90 Tage) nach der Ansteckung entsteht an der Stelle des Kontaktes – also bspw. am Mund, Penis oder After – ein hartes, schmerzloses Geschwür, das höchst ansteckend ist. Dieses heilt nach ein bis zwei Wochen mit einer Narbe ab. Sechs Wochen bis sechs Monate nach diesem Primäraffekt treten im zweiten Stadium Hautausschläge, Fieber oder Lymphknotenschwellungen auf. Danach sind über Jahre keine klinischen Symptome nachweisbar. Im dritten Stadium können dann Zentralnervensystem, Herz-Kreislaufsystem und andere Organe derart befallen sein, dass dies bis zum Tod führen kann.

Wie häufig sollte man Deines Erachtens einen Syphilis-Test machen?
Dr. Pfau: Die Häufigkeit von Syphilistests hängt von der Sexualpraktik ab. Das muss jeder Mann für sich entscheiden. Ich habe mir angewöhnt, schwule Männer bei jeder Gesundenuntersuchung auf die Möglichkeit eines Screenings für sexuell übertragbare Erkrankungen anzusprechen: Das ist ein HIVTest, Syphilistest, Hepatitisscreening (falls nicht geimpft!) und ein Test auf Chlamydien. Voraussetzung ist natürlich das Einverständnis des zu Testenden. Dazwischen sind Checks auf Syphilis immer dann sinnvoll, wenn Symptome auftreten. Wunden, Geschwüre, Rötungen im Genital- oder Analbereich gehören zum Arzt, der mit der Sachlage vertraut ist.

Herzlichen Dank für das Interview!

Text: Erik Pfefferkorn




Kommentare

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    03.06.2010, 19:54 - Michael (http://www.gundl.at)

    Je­den­falls bei dei­nem Haus­arzt, in man­chen Bun­des­län­dern auch bei der Aids­hil­fe.


    03.06.2010, 18:49 - tiefgrund

    wie kann man so einen test auf sy­phi­lis ma­chen?




Linktipps:

AIDSHILFE OBERÖSTERREICH

Dr. Georg Pfau


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