Aus alt mach neu - ein Plan der nicht immer aufgeht
Cafe L’Angolo
(Graz, Mai 2010). Die Zeitungsmeldungen in diversen niveaulosen gratis Info-Illustrierten überschlugen sich in den letzten Wochen bezüglich des Cafes L’Angolo. Nach vielen durchaus meist erfolgreichen Jahren schloss das charmante KünstlerInnen-Cafe in der wohl verstecktesten Ecke der Innenstadt seine Pforten. Doch schon in der selben Woche kündigte „der Grazer“ eine Neueröffnung des Lokals durch einen Zitat „obersteirischen Gastronomen“ an.
Grund genug für uns, in Vertretung für unsere Gastro-Gritiker Michael und Ulrich, diese neue Lokalität aufzusuchen und zu testen.
Dieser erwähnte Obersteirer importierte neben seiner besonderen Art Kaffee zuzubereiten auch gleich noch die offenbar in nördlicheren Gefilden üblichen Preise (Sarkasmus Ende). Auch die extrem unpassende Menütafel, die mit einem hingekrakelten Text (es wird wohl "Neueröffnung" geheißen haben) und einem Pfeil auf das Lokal hinwies, war nicht besonders einladend. Trotzdem stürzten wir uns wagemutig für die LeserInnenschaft von gundl.at in die Höhle der Löwin.
Nachdem wir in dem unglaublich charmanten Gastgarten (da hat sich der Sarkasmus wieder automatisch eingeschaltet), dekoriert mit drei lieblos hingestellten, staubigen Tischen und dazugehörigen Sesseln zirka 20 Minuten auf die Möglichkeit zu bestellen gewartet hatten (die Kellnerin hat uns nicht bemerkt, nicht realisiert, dass der Gastgarten zu dem Lokal gehört, in dem sie arbeitet oder was weiß ich), konnte sich die junge Dame, adrett gekleidet mit Hemdchen und Krawättchen von ihrer Gesprächspartnerin (der einzige Gast außer uns im Übrigen) loseisen und nahm unsere Wünsche zur Kenntnis. Nach einem Augenrollen unsererseits als Antwort auf die Frage, ob wir unseren Cappuccino denn mit Milchschaum oder mit Schlagobers wünschten, dauerte es nur wenige Minuten (…) bis unser heiß erwarteter Kaffee am Tischchen stand.
Auffallend war, dass der Kaffee offenbar neuerdings auf zerkratzten und recht unhübschen Kaffeehaustabletts serviert wird, wie man sie aus verstaubten Kaffeehäusern mit Jahrhundertwende-Touch kennt. Das einzig Positive war das zur Drecksbrühe, respektive zum Kaffee, gereichte Cantuccini, das allen Erwartungen zum Trotz frisch gewesen zu sein schien. Das Wasserglas, das uns zum Kaffee gereicht wurde, war entweder ungewaschen, oder der Inhaber der Lokalität sollte schnell den Hersteller bzw. die Herstellerin der Geschirrspülmaschine verklagen …
Nach dieser Grusel-Runde beschlossen wir, auf die sichere Seite zu wechseln und auf alkoholhaltige Erfrischungsgetränke umzusteigen. Ein Bier zu bestellen gestatete sich als Herausforderung, da die Kellnerin auf die Frage, welches Bier das Lokal führt nur „ein Pils-Bier“ antworten konnte. Zur Erleichterung aller konnten wir feststellen, dass es sich hierbei um das aus dem „alten“ L’Angolo gewohnte Trumer Pils handelt. Der weiße Spritzer hingegen war recht einfach zu bestellen. Nur das Spritzer-Glas mit dem unglaublich attraktiven grünen Werbeaufdruck schmälerte das Erfolgsgefühl kurz.
Der Kanalgestank wurde nach und nach unterträglicher (Stammgäste würden wissen, wo das Kanal-Abdeck-Blech steht – hoffentlich findet es die Kellnerin auch noch) und auch das uns kredenzte Knabbergebäck machte die Situation nicht besser. Wenige, viele Minuten später hatten wir auch schon die gewöhnungsbedürftig hohen Preise bezahlt und weitere lange Minuten später hatte die Kellnerin auch das zu viel kassierte Geld wieder retourniert (kann schon vorkommen, dass man sich bei zweien von fünf Personen verrechnet …).
|
Läster-Faktor |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Nicht nur die permanente Möglichkeit, über die Unzulänglichkeiten der Getränke zu jammern hat uns beeindruckt, auch der unerträgliche Kanalgestank hat es uns sehr angetan. Auch einige Menschen kommen am (lästerfreundlichen) Gastgarten vorbei, über die man sich ausführlich unterhalten kann. |
|
Sabber-Faktor |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Da außer uns und einer Freundin der Kellnerin kein Mensch da war, gab es auch niemanden, wegen dem man sabbern konnte. Achja, die Kellnerin: Es gab Vermutungen, dass sie der in „der Grazer“ erwähnte Obersteirer ist … |
| Charmebolzen-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Die Kellnerin war sehr bemüht, höflich und zuvorkommend. Auf ihre besondere Art. |
|
Facteur-Intérieur |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Das (wiederverwendete) Intérieur des „alten“ L’Angolo hat ja durchaus Charme, auch wenn es nichts für jedeN ist. Aber abstauben hätte man die Einrichtungsgegenstände schon können. Achja, auf der Herrentoilette gibt es ein neues Bild … |
|
Gaumen-Faktor |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Nach dem ersten Schluck Kaffee war klar, dass unsere Mägen ein Testessen wohl an diesem Tag nicht vertragen würden. Die eine Schubbse ergibt sich aus den durchaus schmackhaften Cantuccini, die zum Kaffee gereicht werden. |
|
Sparschwein-Faktor |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Den Preis der Getränke um durchschnittlich 25% zu erhöhen wird wohl einige ehemalige Stammgäste abschrecken. (Ungerechtfertigt) Gehobene Innenstadtpreise eben. |
|
Saftschubbsen- |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Text:
LeserInnenbewertung
Vergib selbst Saftschubbsen für dieses Lokal:




basierend auf 20 Bewertung(en).





Kommentare
05.05.2010, 21:41 - Kea
Richtig, Patrick. Nur, dass auch das die Quickie-Baaah nicht vor dem Ruin gerettet hat... Und - Gratuliere zu diesem hervorragenden Artikel. l'angolo: RIP :(
05.05.2010, 07:34 - Patrick (http://www.gundl.at)
Geh Michi, das Wissen alleine hat uns auch nicht abgehalten, die QuickiBäh mehrmals aufzusuchen *g*
05.05.2010, 00:07 - Michael (http://www.gundl.at)
Wunderbar böse ... und erspart uns, eine unliebsame Erfahrung am eigenen Leib machen zu müssen.