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Tanz der Gefühle

Glee

(Dezember 2010). Fünf schräge Highschool-Loser haben einen wahren TV-Hype in den USA ausgelöst. Seit 2009 begeistert das Teenager-Seriendrama „Glee“ Kritiker und Publikum. Eine treue Fangemeinde, die „Gleeks“, sichert Rekordquoten. Das Wohlfühlprogramm kommt im Januar endlich auch ins deutsche Fernsehen.

Aller Anfang ist schwer

William McKinley, Spanischlehrer an einer Highschool, möchte er vor allem eines: das wahre Ich seiner Schüler wecken. Spontan entschließt er sich, den Wiederaufbau des desolaten Show-Chors der Highschool, des sogenannten Glee Clubs, in Angriff zu nehmen. Er will die Gesangsformation wieder ganz nach oben bringen. Seine Motivation erhält einen herben Dämpfer, als sich nur eine Handvoll Freiwilliger dafür meldet, noch dazu allesamt klassische Losertypen: von der schwarzen Diva Mercedes über das schwule Fashion-Victim Kurt bis hin zu Rachel, Tochter eines gemischtrassigen Väterpaares, die schon immer den Hang zum Außergewöhnlichen hatte. Will hat Mühe, dem fünfköpfigen Team seine Idee von einem Chor als singendes und tanzendes Selbsterfahrungs-Camp einzubläuen. Er beschließt, einen der Highschool-Idole mit ins Boot zu holen: den Quarterback des Football-Teams. Neue Zeiten brechen an und der Club wird zum Erfolg, bis die Trainerin und Vorzeige-Emanze des Cheerleader-Teams, Su Sylvester (Jan Lynch), querschießt. Mit allen möglichen schmutzigen Tricks versucht sie, den Chor zu sabotieren.


„Obsessed with Glee“

Glee war die erfolgreichste US-Serie des vergangenen Jahres – zu Recht, denn das Teenagerdrama setzt die Probleme seiner Protagonisten, die, anstatt sich dem Gruppendruck eines schwitzigen Schulbiotops anzupassen, ihre Individualität pflegen, gekonnt in Szene. Zu gerne möchte man auf den Selbstfindungszug aufspringen und jene Träume verwirklichen, die man sich lieber verkneift. Die Serie hat Suchtpotenzial und produziert das, was die New York Post als „Fanticipation“ bezeichnet: eine Masse an Fans, die sich mit den Darstellern und Darstellerinnen identifiziert und als treue Zusehergemeinde für rekordverdächtige Quoten oder weltweite Glee-Flashmobs verantwortlich ist. In den USA läuft derzeit die zweite Staffel des Serienhits, die Zuschauer bekennen sich als „obsessed with Glee“, besessen von Glee.

Gleek out!

Die Hauptdarsteller schaffen es, sowohl die Nöte der Adoleszenz als auch den Stress des Erwachsenseins glaubwürdig zu verkörpern. Zudem gelingt Glee das, wozu kein Disney High School Musical je imstande war: einen schwulen Protagonisten ins Rampenlicht zu stellen. Für so viel Courage und Sympathie regnete es Preise und Auszeichnungen: sowohl den Golden Globe als auch den People’s Choice Award für die beliebteste neue TV-Komödie, dazu zahlreiche Emmy-Nominierungen. Zum Quotenerfolg sowie Fankult um die Serie – Anhänger der Serie nennen sich selbst „Gleeks“ – kommt, dass Glee eine der sich am schnellsten weltweit verkaufenden US-Serien seit Jahren ist. Es bedarf also nicht immer melancholischer Krankenhausserien oder Vampirszenarien, um einen Hype auszulösen. Glee begeistert sowohl durch die Kreation eines neuen TV-Genres mit im Grunde genommen alten Klischees als auch durch den Konkurrenzkampf zwischen Freaks und Prom Queens – mit musikalischer Untermalung. Songs wie „Don’t Stop Believing“ von Journey oder John Lennons „Imagine“, vorgetragen durch einen Taubstummenchor, wecken die Sehnsucht nach vielen neuen Episoden um die schrille Truppe von Mr. Shue.
Glee hat einfach Wohlfühlpotenzial.

Glee – ab Januar zu sehen auf Super RTL

Text von Juliane Deisenhammer (Vangardist)
Illustration von Sascha Vernik
Diesen Artikel und viele mehr findet ihr auch auf www.vangardist.com.




Kommentare

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    19.12.2010, 11:16 - Wolfgang Würdinger

    Ich freue mich sehr, dass wir nach längerem wieder eine Filmrezension zu lesen bekommen, der hoffentlich noch weitere folgen werden !!




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