Opernhaus Graz
Schwungvoller Jahresbeginn
(Graz, 1.1.2009). Zu Beginn der Nichtraucherära erklang, vom Grazer Philharmonischen Orchester unter Johannes Fritzsch duftig leicht gespielt, die Ouvertüre zu Ermanno Wolf-Ferraris Einakter Susannens Geheimnis, das ja gerade darin besteht, dass sie keinen heimlichen Liebhaber hat, wie ihr Mann zuerst vermutet, sondern im Verborgenen gerne eine Zigarette raucht.
Danach eine kleine Hommage an einen der musikalischen Vorjahresregenten, Giacomo Puccini. Neben Recondita armonia aus Tosca (mit strahlendem Tenor subtil vorgetragen von Jean François Borras) gab es drei Raritäten zu hören, nämlich die Arie der Fidelia aus Edgar, mit wohldosierter Dramatik gesungen von Margareta Klobučar, den Hexensabbat aus Le Villi, sowie die große Duettszene aus dem ersten Akt von La rondine, gefühlvoll nicht nur vom Orchester, sondern auch von Maris Skuja am Klavier begleitet. Sehr schön verschmolzen die Stimmen der beiden hier miteinander, ebenso wie nach der Pause im Liebesduett aus Paganini von Franz Lehár, dem beinahe der ganze zweite Teil gewidmet war, Margareta Klobučar sang noch Einer wird kommen aus dem Zarewitsch und ließ auch hier sehr deutlich hören, dass der Wechsel ins lyrische Fach gerade vollzogen wird, Jean François Borras brillierte mit Dein ist mein ganzes Herz zunächst auf Französisch, sang jedoch die Reprise in hervorragendem Deutsch.
Und es gab noch einen dritten Solisten, den jungen deutschen Violinisten Stefan Tarara, der mit stupender Technik und makelloser Virtuosität (Doppelgriffe, Flageolett) sofort die Begeisterung des Publikums hervorrief, der jedoch bei Lehárs Concertino für Violine und Orchester wie auch bei der Méditation aus Thaïs seine Fähigkeit unter Beweis stellte, seine Vuillaume-Geige zum Singen zu bringen und so die großen Melodiebögen auszukosten.
Aber auch das Orchester hatte genügend Gelegenheit, seine nun schon lange anhaltende Hochform unter Beweis zu stellen, beim Tanz der Stunden aus La Gioconda, bei der von allen Instrumentengruppen besonders brillant gespielten Ouvertüre zu Donna Diana, sowie beim von Johannes Fritzsch sehr wienerisch beschwingt dirigierten Walzer Gold und Silber von Lehár.
Der begeisterte Applaus des zahlreich erschienen Publikums wurde mit drei Zugaben bedankt, der elegant vorgetragenen Ouvertüre zu Wolf-Ferarris Oper Die vier Grobiane, einem von Margareta Klobučar mit mädchenhaftem Charme gesungenen O mio babbino caro, sowie, auch wenn die Partie des Calaf noch weit außer Reichweite von Jean François Borras ist, einem sehr belkantistisch angelegten und großartig gesteigerten Nessun dorma.
Bleibt nur noch, allen LeserInnen ein – leicht verspätetes - PROSIT NEUJAHR – und viele an- und aufregende kulturelle Erlebnisse zu wünschen!!
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