Opernhaus Graz:
Eröffnungswochenende
(Graz, 14.09.2008). Ganz im Zeichen der ersten Opernpremiere, bekanntlich Richard Wagners Tannhäuser am 27. September, stand bereits das vergangene Wochenende mit der Einführung durch Stefan Mickisch (14. September), und am Tag zuvor mit dem ersten Orchesterkonzert, das ausschließlich Werke der deutschen (Hoch)Romantik zum Inhalt hatte.
In ebenso bestechender Form wie zu Saisonschluss (gundl.at berichtete) präsentierte sich das Grazer Philharmonische Orchester unter der Leitung von Johannes Fritzsch. Gleich der erste Horneinsatz bei der Ouverture zu Carl Maria von Webers Oberon gelang makellos und wunderbar weich angesetzt, wie denn den ganzen Abend lang die Bläser besonders gefordert waren und ihre heiklen Aufgaben brillant meisterten. Aber auch die Streicher überzeugten durch engagiertes, dynamisch fein abgestuftes und transparentes Spiel, und so steigerte sich die Oberonouverture zum jubelnden Finale.
Danach die Wesendoncklieder von Richard Wagner, bei denen Fritzsch ganz besonders die Nähe zu Tristan und Isolde betonte und Christiane Libor ein liebevoller Begleiter war. Die deutsche Sopranistin, die sowohl Venus wie auch Elisabeth in Tannhäuser verkörpern wird, überzeugte durch Wortdeutlichkeit und intensiven Ausdruck; ihr in Graz bestens bekannter schöner jugendlich – dramatischer Sopran ist vor allem in der Mittellage dunkler und durchschlagskräftiger geworden, ohne dass die leicht ansprechende und strahlende Höhe darunter gelitten hätte.
Nach der Pause dann Anton Bruckners monumentale 7. Symphonie, die sehr klar strukturiert und nie an Spannung nachlassend erklang. Auch hier seien nochmals die Bläser besonders erwähnt, jeder Einsatz saß perfekt, zum Höhepunkt geriet das ausdrücklich als Totenklage für Richard Wagner bezeichnete Adagio mit den vier Wagnertuben und der von Erich Bendl souverän geblasenen Kontrabasstuba, im Verein natürlich mit allen anderen Instrumentengruppen. Eine sehr intensive und dichte Wiedergabe, die vom Publikum auch stürmisch gefeiert wurde.
Ebenso stürmisch gefeiert wurde Stefan Mickisch für seine Erläuterungen zu Tannhäuser: Nicht nur, dass er ein brillanter Pianist ist, der aus dem Fazioliflügel ein ganzes Orchester herauszuzaubern vermag, er ist auch ein spannender Erzähler, der aus einem profunden Wissensschatz schöpfen kann und der diesmal besonders auf die musikalischen Verwandtschaften zu Werken des Barock (Bach) über Klassik und Romantik bis ins 20. Jahrhundert (Richard Strauss und sogar Puccini, dem er, dem Rezensenten aus der Seele sprechend, jegliche Kitschigkeit absprach) hinwies. Dies aber meist nicht ohne ein kleines Augenzwinkern oder eine humorvolle Nebenbemerkung, ganz in der besten Tradition des bayrischen Kabaretts.
Text: Wolfgang Würdinger

Kommentare
26.09.2008, 03:16 - Hejke-Promilli
Jetzt soll ja auch endlich der Chor-Stasi weg sein - da wünschen wir dem Chor der Oper dann bessere Zeiten! Prost!