Opernhaus Graz
Carl Zeller: Der Vogelhändler
Heiter-ironisches Operettenvergnügen
(Graz, 12.2.2011). 110 Jahre ist Carl Zellers bekanntestes Werk zu Anfang des Jahres geworden, und die vielen populären Melodien zünden noch immer, speziell dann, wenn so schwungvoll musiziert wird wie unter Marius Burkerts Leitung: Mit Umsicht und viel Animo spornt er das Grazer Philharmonische Orchester sowie Chor und Extrachor zu einer mehr als respektablen Leistung an. Auch bei den SolistInnen gibt es keinen Schwachpunkt: Publikumsliebling Daniel Prohaska konnte als Titelheld gewonnen werden, mit viel Charme betört er die Frauenherzen, bringt aber auch einen gewisse Bauernschläue ein, und die tirolerische Verstocktheit nimmt man ihm ebenfalls ab. Seit seinem Danilo vor knapp fünf Jahren hat sich die Stimme hörbar weiterentwickelt, vor allem die obere Mittellage und die Höhen glänzen metallisch auf. Ebenfalls zum Publikumsliebling entwickelt sich unsere Sieglinde Feldhofer (Briefchristel) mit ihrem natürlich erfrischenden Spiel und ihrem schönen, in allen Lagen tragfähigen und höhensicheren Sopran. Die soeben genannten Attribute treffen auch auf die Stimme von Romana Noack (Kurfürstin) zu, nur ist ihr Sopran etwas üppiger und dunkler timbriert, und so kontrastieren die beiden hervorragend, wunderschön das melancholische Lied der Kurfürstin zu Beginn des dritten Aktes. Darstellerisch und gesanglich brilliert Martin Fournier als Stanislaus, gar köstliche Typen geben Götz Zemann als Weps und vor allem Fran Lubahn als überkandidelte Adelaide ab. Ein kabarettistisches Glanzstück kommt von den beiden Professoren Gerhard Ernst und Gerald Pichowetz, die mit durchaus niveauvollen Anspielungen auf die aktuelle politische Situation in Österreich nicht sparen.
Regisseur Michael Schilhan verlegt die Handlung vom frühen 18. Jahrhundert in die späten 50-er, frühen 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts und fällt nie den Versuchungen des Kitsches anheim, da er ihn ironisch überhöht und, unterstützt von den farbenprächtigen und originellen Kostümen von Alexia Redl, die Klischees noch auf die Spitze treibt, beispielsweise wenn die Tiroler ganz in Schürzenjägermanier auftreten, und Adam dazu rockstarmäßig Wia mei Ahnl zwanzig Jahr ins –natürlich nicht eingeschaltete – Mikro singt. Mit viel Schwung und Witz lässt er das Verwirrspiel um Liebe und Eifersucht, Intrige und Bestechlichkeit munter ablaufen, ohne das Publikum mit abgedroschenen Operettenkalauern zu quälen. Adam ist eine Art Alpen-James-Dean, die Kurfürstin eine tatenkräftige und gar nicht unnahbare junge Frau, ein wahrhaft magischer Moment ergibt sich im Finale des ersten Aktes (Schenkt man sich Rosen in Tirol), wenn die Bühne zartrosa ausgeleuchtet wird, bevor rote Blütenblätter herabrieseln. Auch alle anderen Typen sind scharf profiliert, somit kann ein durchschlagender Erfolg vermeldet werden, zu dem auch das erfrischende Bühnenbild von Mignon Ritter beiträgt.
Folgevorstellungen:
19. Februar
2., 4., 20. und 24. März
1., 3. und 17. April
7., 15., 20., 25. und 29. Mai
18. Juni
Text: Wolfgang Würdinger




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