Musical Graz
Bernstein/Sondheim: West Side Story
Unter Wert geschlagen
(Graz, 13.12.2008). Als Leonard Bernsteins Musical-Drama „West Side Story“ 1957 den Broadway im Sturm nahm, war es in vielerlei Hinsicht ein revolutionäres Stück. Die aktuelle Grazer Inszenierung begnügt sich im Wesentlichen mit der Verwaltung des Werkes, wenngleich viele Cast-Mitglieder zeigen, dass mehr möglich gewesen wäre.
Josef Ernst Köpplingers Regie ist solides, aber nicht sonderlich inspiriertes Handwerk und nur in seltenen Momenten mehr als das. Merkwürdigerweise schafft er es diesmal kaum, die Personenführung der einzelnen Charaktere aufeinander abzustimmen und aus an sich respektablen Leistungen ein rundes Gesamtwerk zu formen. Das Bühnenbild von Rainer Sinell fällt mit einer verwahrlosten Hausfassade und einigen zusätzlichen Requisiten äußerst schlicht aus; dafür dreht sich die Bühne – so hat man den Eindruck – wie ein Brummkreisel in einem fort … und gelegentlich in die falsche Richtung. Heidrun Schmelzers Kostüme wirken durchwegs sehr authentisch und gut abgestimmt, nur Tonys Garderobe fällt dabei völlig aus dem Rahmen. Ricarda Regina Ludigkeit schafft es mit ihrer abwechslungsreichen Choreographie, das in West Side Story durchaus vorhandene Langeweile-Potential völlig auszuschalten.
Bernsteins Musik ist bei Dirk Kaftan und dem Grazer Philharmonischen Orchester in besten Händen; es wird präzise und mit der nötigen Rücksichtnahme auf die SängerInnen musiziert. Auch die Tontechnik trug zum Gelingen bei: Die Lautstärken von SängerInnen und Orchester – und da wiederum auch die einzelnen Instrumente – waren diesmal sehr gut abgestimmt, das vereinzelte Knistern von Lautsprecherboxen minderte den Genuss dann natürlich wieder ein wenig.
Daniel Prohaska als Tony wirkt insgesamt deutlich zu erwachsen, was durch die extrem schlechte Auswahl seiner Kostüme noch unterstrichen wird. Dass dieser gesetzte Mann jemals ein wilder Draufgänger gewesen sein soll, will man nicht so recht glauben. Gesanglich startet er mit „Something’s Coming“ eher verhalten, findet aber sehr schnell zur gewohnten Hochform; sein „Tonight“ beeindruckt. Maria, Katja Reichert, singt angemessen, ihre wahre Stärke sind aber die Spielszenen; speziell ihre grandiose Schlussszene berührt. Die knisternde Liebe zwischen Tony und Maria ist allerdings nicht wirklich spürbar.
Für höhere Aufgaben empfiehlt sich Nazide Aylin als Anita; hier hört man zweifellos eine zukünftige Leading Lady und den Beweis dafür, dass Casting-Shows nicht nur mediokre mediale Massenplagen hervorbringen. „America“ bleibt dank ihr und Conchita Zandbergen (Francisca) nachhaltig im Gedächtnis. Der wunderbare Previn Moore, der als Glad Hand „Somewhere“ singt, wirkt etwas angeschlagen.
Die echte Stärke dieser Produktion liegt in den Ensembleszenen. Die Jets und die Sharks werden von durchwegs hervorragenden Schauspielern und Tänzern gegeben, die fantastisch zusammenspielen. Besondere Erwähnung verdient Korbinian Arendt als Riff, der zudem noch ausgezeichnet singt. „Cool“, „The Rumble“ und „Gee, Officer Krupke“ vermögen wirklich zu begeistern.
Die Sprechrollen sind allesamt gut besetzt, Gerhard Balluch als Doc erwartungsgemäß wunderbar.
Und so werden also die meisten Solos, alle Ensemblenummern und viele Spielszenen für sich genommen sehr gut dargeboten, ein stimmiges Ganzes ergibt sich am Premierentag daraus noch nicht.
Folgevorstellungen:
17., 20., 26., 27. und 30. Dezember 2008
7., 8., 17., 18. und 23. Jänner 2009
5., 7., 13. und 28. Februar 2009
5., 15. und 24. März 2009
3., 8., 11., 12. und 16. April 2009
9., 16., 22. und 23. Mai 2009
12. und 19. Juni 2009
Text:






Kommentare
17.03.2009, 00:59 - Edeltraud Haffner
Leider ist das einzige was sich unter wert geschlagen hat die Meinung des rezensenten.Ich habe My fair lady verlassen müssen über soviel unprofessionelles Theatergeplänkel und hier in west Side sehe ich Broadwayqualität und das in heutigem Gewand,Bravo der west Side Crew.
25.12.2008, 18:23 - Doris
Die Show ist hervorragend,ich weiss nicht ob der Kollege in der gleichen Show war.Bravi allen Beteiligten
25.12.2008, 18:20 - mag.steiner
die ansonst sehr gelungenen rezessionen kann ich diesmal nicht teilen,weder wirkte die inszenierung uninspiriert,noch drehte sich die bühne zuoft,ganz im gegenteil,eine derartig packende west side habe ich noch nie gesehen,auch waren beide leads prohaska und reichart unglaublich gut,hingegen distonierte herr arendt zu sehr, obwohl er an kraft sehr gut war.ich gehe nochmal,was ich zur fair lady sicher nicht sagen kann, denn das war tiefste provinz.