Ursli Pfister singt Randy Newman
American Dreams
(Graz, 30.9.2008). Als wir auf den Einlass warten, begegnen wir Tobias Bonn alias Toni Pfister. Er berichtet uns, dass Christoph (Ursli) heute mit Fieber zu kämpfen hat und seine Stimme leicht angeschlagen ist – but the show must go on …
Und was für eine Show da auf uns wartet! Zur RKO Fanfare erscheint Ursli in einem strahlend weißen Anzug und trällert mit seinem aufgesetzten amerikanischen Akzent Lieder von Randy Newman. Die Bühne ist angenehm verraucht und die Lichtstimmung wechselt von völligem Schwarz/Weiß während der Conferencen zu herrlich kitschigen Farbensembles während der Gesangsnummern. Aber irgendwas ist anders, als gewohnt – Ursli ist viel ruhiger und nicht halb so schrill wie gewohnt. Und dann wird alles klar:
Auf der Bühne steht nicht Ursli Pfister, sondern Christoph Marti. („Christoph heiß ich, wenn ich nicht gerade Ursli heiße“) Nicht so exaltiert wie sein Alter Ego, aber mindestens genauso interessant. Und was er über seine Erlebnisse als 16-jähriger Austauschschüler vom Amerika der frühen 1980er Jahre berichtet, ist unterhaltsam, stimmt nachdenklich, aber vor allem erweckt es den Eindruck der Authentizität.
Die Musik von Randy Newman passt mit ihrer beißenden Ironie über den American Way of Life vorzüglich zu der schrägen Karriere des jungen Europäers, der Literatur rezitierend einen Pokal nach dem anderen einheimst und seine Schule auf diese Weise erfolgreicher vertritt, als das Football-Team.
Lang müssen die geneigten Zuhörer warten, bis endlich die drei Mädels des Backgroundchores aus dem Bühnenboden herauskriechen. Bei der letzten Nummer vor der Pause ist es soweit: Es handelt sich um Erinyen – auch Eumeniden oder Furien genannt, aber mit zeitgenössischen Namen versehen: Cora, Laura und Maja. Und sie können tanzen und singen und schwänzeln in herrlich choreographierter Schwülstigkeit auf der Bühne umher. Das absolute Highlight ist eine Pose, in der sie zusammengekauert ein Ruderboot mimen, in welchem Christoph dahingleitet.
Die Kostüme sind wieder einmal vom Feinsten. Christoph als Postbote in kurzen Shorts (er trainiert immer noch fleißig, wie anhand seiner muskulösen Wadeln festzustellen war) oder als Entertainer aus den frühen Fernsehtagen ist immer ein Hingucker. Und die Mädels begeisterten ebenso als Kellnerinnen eines American Diners, wie in hautengen Abendkleidern aus einem 1970er Jahre Glitzervorhang inklusive Weltuntergangsfrisuren.
Ja – und bei der letzten regulären Nummer muss auch geklatscht und geschunkelt werden. Ein sehr stimmiger und höchst unterhaltsamer Abend neigt sich dem Ende zu. Jo Roloff (diesmal mit kleinem Ensemble) hat wie gewohnt für den perfekten Sound gesorgt – aber wo kriegt der nur seine irren Samtanzüge in Quietschfarben her?
Nach mehreren Zugaben bin ich mir sicher: Ich bin ab jetzt Christoph-Marti-Fan – aber ich freue mich trotzdem schon sehr auf ein Wiedersehen mit Ursli. Das noch in Entwicklung befindliche neue Programm der Geschwister Pfister kommt natürlich wie gewohnt auch nach Graz – wir werden berichten.
Text:



Kommentare