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Stadttheater Baden

Kálmán: Der Zigeunerprimas

Erfolgreiche Wiederbelebung

(Baden, 17.12.2010). Nach der Wiener Uraufführung im Jahre 1912 mit Alexander Girardi als Titelheld wurde Kálmáns Operette rasch zum Serien- und sogar Welterfolg, geriet aber dann angesichts vor allem von Csardasfürstin und Gräfin Mariza ins Hintertreffen, umso erfreulicher, dass das nicht uninteressante Stück nun in Baden zu erleben ist, und was das Publikum zu sehen und zu hören bekommt, ist wirklich ein Erlebnis: Hausherr und Regisseur Robert Herzl stellt einmal mehr sein glückliches Händchen für das Genre unter Beweis und erzählt schnörkellos und mit viel Schwung und Humor die Geschichte des alternden Pali Rázcs, der wirklich existierte, und dem Kálmán ein bleibendes Denkmal setzen wollte, der nicht möchte, dass seine Kinder ebenfalls die Musikerkarriere einschlagen, nach den obligaten Verwicklungen zum Schluss aber doch einsehen muss, dass er es nicht verhindern kann, seinen Segen dazu gibt und auch noch selbst ein spätes persönliches Glück mit seiner großen Jugendliebe findet.

Manfred Waba zeichnet für das funktionale und geschmackvoll-opulente Bühnenbild ebenso verantwortlich wie für die wunderschönen und phantasievollen Kostüme, Mátyás Jurkovics ersann die Choreographie, die von der Balletttruppe mit sichtbar guter Laune und Präzision umgesetzt wurde.

Sehr schön und mit der richtig dosierten Portion Paprika bringt das Orchester unter der Leitung von László Gyükér, der auch die Choreinstudierung überhatte, die Partitur zum Klingen. Als Titelheld brilliert Sándor Németh mit noch immer beinahe intakter Singstimme, besonders berührend sein Lied von der alten Stradivari, in der Wiederholung sogar auf Ungarisch, und was das Tanzen und Spielen anbelangt, da kann man sich wohl mehrere Scheibchen davon abschneiden. Seine Jugendliebe Marie Therese wird von Gaby Bischof vornehm, resolut und ebenfalls berührend dargestellt. Auch die Jungen sind gut besetzt: Rollengemäß kratzbürtig gibt sich Gabriele Kridl als Palis Tochter, sein Sohn wird von Alexander Pinderak mit höhenstrahlendem Tenor verkörpert, Luisa Albrechtovas Sopran (Juliska, Palis Mündel) klingt anfangs etwas dünn und stumpf, blüht aber nach der Pause richtig auf; mit viel Komödiantik und hervorragend singend und tanzend ist Roman Martin ein mehr als rollendeckender Gaston. Auch die gleich drei erforderlichen Komiker kann das Badener Theater aufbieten: Josef Forstner als Napoleon-Nachfahre mit dem sich selbst erklärenden Namen Estragon hat natürlich die meisten Lacher auf seiner Seite, aber auch Beppo Binder als Anwalt und Walter Schwab als Palis sehr menschlicher Compagnon agieren souverän.

Folgevorstellungen:
26., 30. und 31. Dezember 2010
8., 9., 21., 22., 23., 26. und 29. Jänner 2011

Text: Wolfgang Würdinger




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