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Opernhaus Graz.

Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

Nicht vollauf gelungener Einstand

(Graz, 26.09.2009). Regisseur Alexander Schulin und sein Team (Bühnenbild Alfred Peter, Kostüme Eva Maria Dessecker, Licht Reinhard Traub) verlegen das Geschehen in das Jahr 1948 und lassen die Handlung drei Aufzüge lang in einer von Nazisymbolen noch nicht ganz geräumten Mehrzweckhalle spielen, ein Konzept, das für uns nicht schlüssig aufgeht: Ernsthaft zu haken beginnt es im zweiten Aufzug, wenn die Imagination der ZuseherInnen stark gefordert wird, sich die Straße, die Schusterstube und das gegenüberliegende Haus Pogners bloß vorstellen zu müssen, da die ProtagonistInnen nur einander abgewandt auf dem Boden sitzen. Endgültig klemmt es für uns am Schluss – die Festwiese findet im geschlossenen Raum statt, da ein Gewitter ausbricht – wenn Stolzing sich definitiv weigert, in die Riege der Meistersinger aufgenommen zu werden, und Hans Sachs seine Schlussansprache vor gefallenem Zwischenvorhang mutterseelenallein ins Publikum zu schmettern hat; hier wird unserer Ansicht nach das Stück einer wesentlichen Dimension beraubt, nämlich dass alle einen Kompromiss eingehen und somit die Erstarrung gelockert und der Weg in die Zukunft vorbereitet wird. Zu berichten gilt es jedoch ebenso von einer auch den Chor miteinbeziehenden bemerkenswert präzisen Personenführung und wohldurchdachten Charakterisierung sämtlicher Handelnden, hier konnte der Regisseur seine Qualitäten voll ausspielen.

Der von Bernhard Schneider bestens einstudierte Chor und Extrachor der Oper, verstärkt durch den Philharmonia Chor Wien beeindruckte besonders im Wach auf! Im dritten Aufzug, bei der Prügelszene ging es aber doch etwas mehr drunter und drüber als vorgesehen. Johannes Fritzsch leitete das Grazer Philharmonische Orchester, seine Interpretation konnte aber zumindest uns nicht restlos überzeugen: Auch wenn das Orchester ausgesprochen präzise spielte und um Klangtransparenz bemüht war, tönte doch über weite Strecken (Vorspiel!!) das Blech viel zu laut, sodass die Streicher kaum hörbar waren; und, das ist natürlich Geschmackssache, aber zumindest eine Prise Pathos und damit verbundene noch intensivere Steigerungen und dynamische Kontraste hätten diesem Stück nicht geschadet.

Durchwegs ausgezeichnet die ProtagonistInnen: Allen voran zu erwähnen ist James Rutherford als Hans Sachs, mehr Poet denn Schuster mit wohltönendem, samtig weich dahin strömenden Bassbariton und mustergültiger Diktion. Sein Gegenspieler Beckmesser wird von Jochen Schmeckenbecher nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch scharf charakterisiert. Stolzing ist Burkhard Fritz mit zumeist strahlendem Tenor und keinerlei Ermüdungserscheinungen, Marlin Miller gibt einen quirligen und stimmlich markanten David. Gal James singt die Eva mit strahlendem lyrischen Sopran und führt souverän das Quintett im dritten Aufzug an, Dshamilja Kaiser wertet die Rolle der Magdalene stark auf. Stellvertretend für die stimmlich bestens aufeinander abgestimmten Meistersinger seien Wilfried Zelinka als magenkranker, sonorer Pogner und Alik Abdukayumov mit seinem wunderschön timbrierten Bassbariton genannt.

Folgevorstellungen:
1., 4., 7. und 30. Oktober
7. und 13. November
13. und 19. Dezember

Text: Wolfgang Würdinger




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