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Opernhaus Graz

Giuseppe Verdi: Otello

Esultate, ma non troppo

(Graz, 1.10.2011). Unseres Erachtens nach krankt die Aufführung vor allem an der Besetzung des Titelhelden mit dem derzeit in Frankfurt engagierten Niederländer Frank van Aken: Sein baritonal gefärbter, in der Höhe metallischer Tenor ist grundsätzlich schon richtig für den Otello, nur klingt er oft recht aufgeraut, und der Sänger kennt vor allem Forte und Fortissimo, ein Mezza di voce, oder gar ein Piano gelingen kaum, und so zeichnet er musikalisch ein recht eindimensionales Bild des zwischen Autorität und Schwäche, Eifersucht und Liebe schwankenden Mohren von Venedig, ganz abgesehen davon, dass er mit seinen Stentortönen das Liebesduett empfindlich stört. James Rutherford als seinem Gegenspieler Jago liegt die Partie zwar viel besser in der Kehle als der Vater Germont, schönstimmig und nur mit wenig Nasalität bewältigt er seine Rolle, aber das Dämonische, das dem Jago auch innewohnt, bleibt ziemlich ausgeklammert. Mit fraulich warmem Sopran, der auch die dramatischen Stellen im dritten Akt mühelos meistert, brilliert James Gal sehr nuanciert und ausdrucksvoll als Desdemona, der Höhepunkt des Abends waren ihr Lied von der Weide mit dem anschließend innig und schlicht vorgetragenen Ave Maria. In den kleineren Rollen bewährt sich das Grazer Ensemble, allen voran diesmal Taylan Memioglu als überdurchschnittlicher Cassio mit kräftig gewordenem lyrischen Tenor, Manuel van Senden als intrigantem Roderigo, Wilfried Zelinka als weisem Lodovico, Konstantin Sfiris als den Gewittersturm mühelos übertönendem Montano, sowie Dshamilja Kaiser, der es gelingt, sogar einer Wurz’n wie der Emilia Profil zu verleihen.

Das Grazer Philharmonische Orchester, das sich bereits beim Eröffnungskonzert, ebenfalls unter der Leitung von Chefdirigent Johannes Fritzsch, in bestechender Form gezeigt hatte, spielte auch diesmal groß auf, engagiert, präzise und klangschön, ein Pauschallob auch an alle InstrumentalsolistInnen, leider neigte der Dirigent ob dieser Hochform stellenweise dazu, die Sänger zuzudecken, und ließ es für unseren Geschmack streckenweise an spannungsgeladener Italianità fehlen. Eine ausgezeichnete Leistung boten auch Chor, Extrachor und Singschul‘ der Oper Graz.

Frank Philipp Schlößmann schuf für Regisseur Stephen Lawless eine richtige Guckkastenbühne mit sich hebenden und senkenden Elementen - die Wände sind mit Motiven aus dem Jüngsten Gericht bemalt - die mit wenigen Requisiten auskommt und sich nach hinten auf einen Sternenhimmel öffnet, sowohl beim Liebesduett wie auch bei der Sterbeszene, was wir als sehr gelungen empfinden. Von der Decke herab hängt als von Jago gleich zu Beginn zum Schwingen gebrachtes Pendel eine Christusstatue, die dieser auch bei seinem Credo mit sich trägt, warum Jago allerdings im Hofnarrenkostüm aufzutreten hat, wird ebenso wenig klar, wie die Gewandung des Lodovico als Kleriker. Ansonsten kann die Personenführung zwar als eher konventionell, jedoch durchdacht und psychologische Tiefen auszuloten versuchend bezeichnet werden, besonders gefiel uns die Führung des Chores. Jorge Jara schuf die wunderschönen Renaissancekostüme, die eine wahre Augenweide sind.

Folgevorstellungen:
7., 12., 15., 19., 22. und 30. Oktober
4., 10., 20. und 26. November
9. und 15. Dezember

Text: Wolfgang Würdinger




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