Musical Graz
Rodgers/Hammerstein: The Sound of Music
Enttäuschende szenische Umsetzung – Triumph für das Orchester
(Graz, 18.10.2009). In Bühnenbild und Kostümen einer Produktion der Wiener Volksoper vermag die szenische Umsetzung von Rodgers’ und Hammersteins letzter Zusammenarbeit, dem picksüßen Erfolgsmusical „The Sound of Music“, in Graz kaum zu überzeugen.
Dem Buch von Howard Lindsay und Russel Crouse fehlt es aus heutiger Sicht doch deutlich an Esprit; eine grundlegende Aufgabe der Regie wäre es, hier entsprechend interessante Konzepte zu entwickeln, die das Stück dann doch über das Niveau einer platten Nummernrevue hinausheben. Hierbei können konservative Ansätze durchaus auch zielführend sein, Renaud Doucets Inszenierung bleibt jedoch durchwegs lau und gewinnt erst im zweiten Akt an Spannung – was allerdings hauptsächlich an der Geschichte selbst und weniger an Regieeinfällen liegt. Bühne und Kostüme von André Barbe wirken hingegen durchwegs höchst ästhetisch und effektiv, wenngleich auch beim Bühnenbild, das zum überwiegenden Teil aus wechselnden Prospekten und Projektionen besteht, ein etwas modernerer Zugang bereichernd sein hätte können. Ebenso bleibt unklar, warum die große Bühne des Hauses selbst in den Almszenen geradezu klaustrophobisch künstlich verkleinert wird und so immer eine erdrückend enge Bergwelt vor Augen führt. Uneingeschränktes Lob gebührt Guy Simard für die wunderbare Lichtregie.
Die Personenregie bzw. die szenische Einstudierung von Rudolf Klaban erstreckte sich augenscheinlich auf ein Memorandum an die DarstellerInnen, auf welcher Seite der Bühne das Publikum zu sitzen pflegt. (Ganz unnötig im Übrigen, war das Parkett doch auch im Dunkeln gut zu lokalisieren: Das Premierenpublikum schwätze, wetzte, hüstelte und röchelte in einem fort.) So steht man dann also an der Rampe und spielt … äh … singt und spricht das Libretto. Allen voran Sieglinde Feldhofer, die als Maria gesanglich zwar angemessen agiert, allerdings in keinem Augenblick glaubhaft spielt. Ihr zur Seite als Kapitän von Trapp mit Boris Pfeifer der einzige Musicalsänger im Ensemble: Er wirkt vor Allem im ersten Akt fehlbesetzt und bleibt gesanglich weit hinter seinen Möglichkeiten, steigert sich jedoch gegen Ende deutlich und hinterlässt dann doch noch einen positiven Gesamteindruck. Als Kinder der Trapp-Familie singen die Mitglieder der Singschul’ erstaunlich erfreulich. Von den Nonnen ist Fran Lubahn als Mutter Oberin erwähnenswert, zwar ist ihr Sopran nicht wirklich Musical-tauglich – weshalb es ihr und Dorit Machatsch (feine Besetzung für Elsa Schrader) auch als einzigen an Wortdeutlichkeit fehlt –, dennoch liefert sie die beste Gesangsleistung des Abends und macht mit „Die höchsten Berge“ das Ende des ersten Aktes zumindest zu einem kleinen Höhepunkt. Martin Fournier ist für die Rolle des Rolf Gruber ein Bisschen gar alt, gesanglich gibt es aber erwartungsgemäß nichts auszusetzen, was man Jörg Westerkamp, der sich als Max Dettweiler in den Höhen schwer tut, so nicht zugestehen kann. Götz Zemann spielt Herrn Zeller routiniert und tadellos.
Eklatant der Unterschied zwischen dem Spiel der HauptdarstellerInnen und dem der eigentlichen NebendarstellerInnen Marianne Kopatz und Erik Göller, deren kurze Auftritte als Frau Schmidt und Franz wahre Sternstunden des Abends darstellen.
Zu den weiteren Erfreulichkeiten der Produktion zählt insbesondere das Grazer Philharmonische Orchester unter der Leitung von Marius Burkert, welches in für Musicals ungewohnt großer Besetzung phantastisch musizierte. Unterstützt wurde der Klang von der Tontechnik: Bislang immer ein Sorgenkind bei Musicalproduktionen im Grazer Opernhaus, wurde ganz offensichtlich an der Akustik und an der Abmischung gearbeitet, sodass im Endeffekt ein deutlich besserer Sound als in den ausgewiesenen Musicalhäusern des Landes erreicht wurde. Bravo!
Nachsatz: Im Übrigen bleibt zu hoffen, dass in der nächsten Spielzeit die derzeit extrem einseitige und mutlose Programmierung im Musicalbereich (die drei zuletzt gespielten Stücke wurden in den Jahren 1956, 1957 und 1959 uraufgeführt) wieder durchbrochen wird. Alles andere wäre eine massive Missachtung dieses vielfältigen und lebendigen Genres.
Folgevorstellungen:
21., 23., 24., 25. und 28. Oktober
4., 6., 8., 14., 15. und 21. November
3. und 26. Dezember
10. und 22. Jänner 2010
12., 13. und 21. Februar
27. März
3. und 4. April
14., 15. und 16. Mai
8., 10., 16. und 26. Juni
Text:






Kommentare
29.11.2009, 02:33 - Sommerfrische
Na schön dass ihr alle sowieso bescheid wisst was wer kann, der jek inszenierte opern in boston, tokio, miami, wien, strasbourg,hamburg etc.er ist einer der gefragtesten regisseure des landes und kann auch musical inszenieren,ihr blamiert euch nur durch eure arroganz,schade eigentlich und ja ich steh auf jek inszenierungen
16.11.2009, 15:37 - gerald
naja die darsteller spielen was das zeug hält in sound of music!
sie müssen einer inszenierung folgen, und da es eine farblose kitsch inszenierung ist wirken einige fehl besetzt!!!
Einzig dem regiesseur und der intendanz obliegt die verantwortung über ein stück! Thats business!!!
@tom: du hast in einer art u weise recht mit jek -produktionen. oft sehr plakativ, dauernd sexuelle handlungen müssen eingebaut sein, es kotzt und/oder kehrt dauernd ein statist über die bühne etc.! Und das schlimmste ist... immer das gleich schema beim licht!!
DENNOCH muss man etwas konstruktivere kritik ausüben und ihm hoch anrechnen das er den Musicals in graz wieder qualität eingehaucht hat. ob es sinnvoll ist ihn eine oper inszenieren zu lassen??
lg gerald
01.11.2009, 21:07 - Harald aus Graz
Nun ist ja bei den lesern dieser Tom aus Graz als insider der allgemeinen Miesmachung bekannt und ich denke wir alle wissen, was man von so unqualifizierten persönlichen Angriffen zu halten haben:nichts
Herrn Köpplinger anzugreifen ist lächerlich und das genügt als statement.Lieber Tom aus Graz bitte lass diese Sachen,das ist einfach fachlich falsch,bitte schreib deinen persönlichen Frust woanders hin,das zerstört die Seriösität dieses Forums,herzlich Harald
31.10.2009, 00:36 - schnulli
ja diesem komentar von michi kann ich mich nur anschliessen,böser tom,völlig fehl am platz,hast du nie les mis gesehen oder west side oder jesus oder sweeney, dann weisst du was wirklich gutes musical ist, also du frusti, lass diese verse der peinlichkeit
31.10.2009, 00:34 - Michi aus Graz
Lieber Tom aus Graz ich weiss ja nicht was dir der arme herr köpplinger getan hat ich kenn ihn ja nicht aber seine inszenierungen sind einmalig und so denken viele, ich glaube alle die in dieser vorstellung waren hab sich den grossmeister des musicals zurückgewünscht,aber anscheinend bist du irgendein frustrierter musicalsänger den herr k. nie engagiert hat,.....lieben gruss und bitte bleib objektiv,michaela aus graz
23.10.2009, 08:42 - TomAusGraz
Kaum zu glauben, dass jemand eine schlechtere Musical-Inszenierung als der Köpplinger. Aber es ist gelungen. Bravo.