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Sommerarena Baden

Ferdinand Raimund: Der Verschwender

Lust und Leiden

(Baden, 31.7.2011). Presse und auch Publikum nahmen die Inszenierung von Stefan Bachmann, in der die männlichen Hauptrollen mit jeweils gleich zwei Schauspielern besetzt waren, vom Herbst 2005 am Wiener Burgtheater eher kontroversiell auf, nun nahm sich Regisseur Jérôme Savary dieses Werkes für seine zweite Regie eines Raimundstückes in Baden (Kooperation Bühnen Baden und Landestheater Niederösterreich) an und konnte nach dem Bauer als Millionär im Vorjahr wiederum einen vollen Erfolg landen.
Sein Konzept pendelt zwischen dem genau getroffenen Ton des von Raimund verfeinerten wienerischen Volksstücks und vielen Anspielungen an Aktuelles, so können wir zusätzlich zur so gut wie komplett aufgeführten Musik von Konradin Kreutzer (ein Bravo an Chor und Orchester unter László Gyükér) auch Songs von David Bowie und Charles Trenet hören, ein Kabinettstück liefert Dolores Schmidinger ab, wenn sie aus ihrer Rolle als Altes Weib herausschlüpft und im schwarz-roten Dessous Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt zum Besten gibt, dies tut sie dann zum Schluss als Queen Elisabeth II. nochmals und verdeutlicht so den Grundtenor des Regiekonzeptes, niemand ist nur wirklich gut oder böse, im Endeffekt sehnen sich alle, ob arm oder reich, nach ein wenig Liebe, dies tut vor allem auch der Titelheld Julius von Flottwell, dem sein plötzlicher Reichtum zwar schon etwas zu Kopf gestiegen ist, der jedoch im Grunde genommen nur Gutes bewirken möchte und so zum leichten Opfer für Schmarotzer aller Art wird. Wolfgang Seidenberg spielt den eher leichtsinnigen und leichtgläubigen Flottwell durchaus überzeugend, seine besten Momente hat er in den Liebesszenen und vor allem im zweiten Teil als mittelloser Heimkehrer, wenn er vom ihm treu zugetanen Valentin bedingungslos aufgenommen wird – und Boris Eder ist ein Valentin, wie er im Buche steht, zuerst noch eher unterwürfig die derben Späße der Anderen hinnehmend emanzipiert er sich im Laufe des Abends immer mehr und geht sogar mit seiner Rosa recht scharf ins Gericht, als diese vom armen Flottwell nichts wissen will, eine starke Leistung, die von einem ganz schlichten, mehr gesprochenen als gesungenen Hobellied gekrönt wird, und dass Boris Eder auch singen kann, hat er ohnedies schon beim Jagdcouplet unter Beweis gestellt. Die bereits erwähnte Rosa gibt Antja Hochholdinger mit viel Dienstmädchen- und dann Mutterwürde, meist herbem Charme, aber doch immer dem Herzen am rechten Fleck.
Die Fee Cheristane, der Flottwell seinen Reichtum zu verdanken hat, wird uns als vampirähnliches Monster gezeigt, das sich dann doch in ein liebendes Mädchen verwandeln darf, Katharina von Harsdorf spielt beide Rollen sehr überzeugend; ihr Adlatus Azur, der sich für ein Jahr in einen Bettler verwandelt, ist eine eher spärlich bekleidete, androgyne und affektierte Rockröhre (Frank’nfurter schau oba), die Leistung von Matthias Rheinheimer ist nur zu bewundern. Gar köstlich auch Heinz Zuber als immer der Natur in allen Formen bewundernde Chevalier Dumont in Karl-Lagerfeld-Outfit und Philipp Brammer in einer seiner mehreren Rollen als Juwelier ganz auf Rudolph Moshammer getrimmt. Typgerecht sind auch alle weiteren Rollen besetzt, für uns der einzige Schwachpunkt – oder war die Anlage der Rolle von der Regie so gewollt – ist Rainer Doppler als Kammerdiener Wolf, der nur wenig von dessen habgieriger Schmierigkeit und dem Buckeln nach oben und dem Treten nach unten vermittelt.
Meister Savary hat auch gemeinsam mit Hannah König das Bühnenbild erschaffen, zu Anfang wird gleich ein Prospekt mit Es war einmal aufgeblättert, mit einfachen illustrativen Elementen werden meist liebevoll-ironisch die Orte der Handlung dargestellt; die, wie bereits erwähnt, originellen Kostüme von Daniela Juckel runden das Gesamtbild eines gelungenen Abends ab, dessen stärkste Momente wohl dort zu finden sind, wo Raimund einfach Raimund sein darf.

Folgevorstellungen:
3., 18. und 27. August
8. und 10. September

11 Vorstellungen im Landestheater in St. Pölten zwischen 1. Oktober und 31. Dezember

Text: Wolfgang Würdinger




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