Sommerarena Baden
Franz von Suppé: Boccaccio
Italienisches Flair im Kurpark
(Baden, 10.7.2011). Nach dem Besuch der Badener Aufführung versteht man eigentlich nicht so recht, warum Franz von Suppés an musikalischen Einfällen beinahe überreiches Werk heutzutage eher selten gespielt wird, denn auch die Handlung, die sich zwar nicht immer ganz genau an die Historie hält und vor allem von den Liebeswirren des Titelhelden und der Florentiner BürgerInnen erzählt, vermag zu interessieren und vor allem zu amüsieren.
Im das mittelalterliche Florenz evozierenden Einheitsbühnenbild von Pantelis Dessyllas, das durch nur wenige Versatzstücke komplettiert wird, lässt Hausherr und Regisseur Robert Herzl die Handlung munter, schwungvoll, und vor allem immer mit einem kleinen Augenzwinkern abschnurren; obzwar die Dialoge ausschließlich in Reimform dargeboten werden, wirken sie in keinem Moment schwerfällig, was auch dem bis hin zur kleinsten Rolle typgerecht besetzten Ensemble zu verdanken ist: Nicht nur als toskanischer Herzog, sondern auch als Spielmacher bewährt sich der vielseitige René Rumpold bestens, seine Tochter Fiametta wird von Jasmina Sakr mit viel Liebreiz und höhensicherem Sopran gegeben. Die drei komischen Rollen sind bei Beppo Binder, Daniel Ohlenschläger und Thomas Markus in besten Händen, die respektiven Ehefrauen sind bei den allesamt schönstimmigen Elisabeth Flechl, Frauke Schäfer und Regula Rosin wunderbar aufgehoben. Als Leonetto versprüht Anton Graner nicht zu knapp Charme und Tenorschmelz, Robert Sadil ist ein knorriger Podestà, in der Rolle der Filippa gibt Kerstin Raunig eine schöne Talentprobe ab, und als Prinz von Palermo plagt sich Johann Winzer etwas mit den Spitzentönen.
Und die Titelrolle? Die wird, wie auch vom Komponisten pikanterweise vorgesehen, von einer Frau verkörpert: Christina Khosrowi spielt mit viel – positiv gesprochen – herbem Charme und singt mit ausgesprochen apartem und kultiviertem Mezzosopran.
In Hochform und mit viel Spiel- und Tanzfreude präsentieren sich auch der Chor und das Ballett (Choreographie Mátyás Jurkovics), mit viel Elan leitet Franz Josef Breznik das klangschön und sauber spielende Orchester.
Folgevorstellungen:
16. und 17. Juli
4., 5., 11., 12., 20., 21., 23. und 25. August
1. und 3. September
Text: Wolfgang Würdinger





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