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Stadttheater Baden

Leon Jessel: Schwarzwaldmädel

Bezaubernde Rarität

(Baden, 15.1.2011). Im Gegensatz zu Deutschland, und speziell Berlin, wo viele österreichische Operettenkomponisten so manchen (Uraufführungs)erfolg verzeichneten, setzte sich die Berliner Operette eines Paul Lincke, Eduard Künneke oder eben eines Leon Jessel, dessen Schwarzwaldmädel seinerzeit ein Welterfolg war, nie so richtig durch. Umso erfreulicher, dass sich die Bühne Baden nun des seltenen Werkes annimmt, und dies in mehr als achtbarer Qualität.

Die Handlung ist rasch erzählt: Im idyllischen Schwarzwalddorf St. Christophen bitten zwei „Wandermusiker“ beim Domkapellmeister Blasius Römer um Quartier. Bei den beiden handelt es sich eigentlich um die durchaus wohlhabenden Berliner Hans und Richard, die auf der Flucht vor Hans’ nervender Verehrerin Malwine sind. Doch Malwine ist ihnen nachgereist und wirbelt nun den geruhsamen Ort und dessen Cäcilienfest gehörig durcheinander.

Um auf dem Fest Hans zu beeindrucken, leiht sie sich bei Blasius, der eine bedeutsame Sammlung von alten Trachten hat, ein Kleid aus und besteht darauf, dass auch Bärbele, die dem Domkapellmeister den Haushalt führt, eine Tracht geliehen bekommt. Aus Verehrung und Dankbarkeit gibt Bärbele dem Kapellmeister einen Kuss, der diesen als versteckten Liebesbeweis wertet und beschließt, nach dem Fest um ihre Hand anzuhalten. Malwine versucht nun, Hans eifersüchtig zu machen, indem sie mit Richard flirtet, Hans kontert mit einer Romanze mit Bärbele. Auf dem Volksfest münden alle Liebeswirren in einer unüberhörbar an die Meistersinger angelehnten fulminanten Rauferei, doch schließlich klären sich die Verhältnisse und die Richtigen finden zueinander.

Für die Rolle des Blasius Römer konnte kein Geringerer als Peter Weber gewonnen werden, mit noch immer prächtig aufblühendem Bariton verkörpert er mit Hingabe den sich zunächst im zweiten Frühling wähnenden und dann seinen Irrtum erkennenden älteren Herrn. Die Titelrolle ist bei Katja Reichert mit ihrer Spielfreude und wunderschönem Sopran in besten Händen, mit viel Selbstironie und ebenfalls leuchtendem Sopran gibt Barbara Payha die Malwine; die zwei weiteren Mädchen sind mit Jasmina Sakr und Anita Götz rollendeckend besetzt. Gleich zwei Tenöre sind für Hans und Richard aufzubieten: Ersteren gibt Johann Winzer mit zwar eher kleiner, aber höhensicherer Stimme, zweiteren verkörpert Reinhard Alessandri mit dem von ihm gewohnten Charme und tenoralem Wohlklang. Die komischen Rollen sind bei Buffo Timo Verse, dem köstlich berlinernden Stephan Wagenhans als Tourist und vor allem bei Altmeister Heinz Zuber als Wirt, Bürgermeister, Feuerwehr- und Polizeikommandant des Ortes in Personalunion in besten Händen.

Die uns Grazern von Schauspielhaus noch gut in Erinnerung gebliebene Isabella Fritdum zeichnet in der ebenso praktikablen wie geschmackvoll – originellen Ausstattung von Sara B. Weingart für die Regie verantwortlich, mit viel Schwung und Schwäbelei setzt sie die Geschichte geradlinig um, ohne jedoch weder bei der Komik zu dick aufzutragen noch an den entsprechenden Stellen auf etwas Tiefgang zu verzichten.

Unter der Leitung seines Chefdirigenten Franz Josef Breznik spielt das Orchester diesmal besonders engagiert und liebevoll, und bringt die vielen Schätze der Jesselschen Partitur zum Klingen und zum Leuchten.

Folgevorstellungen:
28. Jänner
5., 6., 19. und 20. Februar
3., 4., 10., 11., 19. und 20. März

Text: Wolfgang Würdinger




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Linktipp:

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