Schauspielhaus Graz, Probebühne
Witold Gombrowicz: Yvonne, Prinzessin von Burgund
Unbedingt sehenswert!
(Graz, 10.4.2011). Ein sattes, rauschendes Leben herrscht am Hofe Burgund. Doch Prinz Philipp langweilt sich. Er sucht nach einem tieferen Sinn, sehnt sich nach echten Gefühlen und wird von der Liebe überrascht, als Yvonne auftaucht. Yvonne ist anders. Sie schweigt, spielt nicht mit. Sie wird zur Provokation ihrer Umgebung. Ihr Blick demaskiert verborgene Geheimnisse, alte Sünden und Defizite. Das Leben am Hof wird unerträglich. Yvonne stört und muss weg!
Diesem Handlungsgerüst haucht ein recht komplexer und teilweise sperriger Text (Theater)Leben ein, bemerkenswert ist an der Aufführung, wie Regisseurin Anja Sczilinski es schafft, den achtzehn jungen Leuten von Intergroup, dem Theater-Spielclub des Schauspielhauses im Rahmen von Schauspiel Aktiv, dies so zu vermitteln, dass sie mit größtmöglicher Natürlichkeit, schöner Sprechkultur und viel Körpereinsatz die Botschaft vom Anderssein, das sich ganz plötzlich in den Menschen widerspiegelt, sodass sie sich nolens volens mit ihrem wahren Ich auseinandersetzen müssen, über die Rampe bringen, auch so manch durchaus explizite Anspielung auf lokale Verhältnisse fehlt nicht.
Die Titelheldin, die zwar nicht allzu viel Text zu sprechen, aber umso mehr mit Mimik und Gestik auszudrücken hat, wird von Denise Strasser ebenso souverän verkörpert, wie Harald Lampl den umso eloquenteren Prinzen gibt. Julian Nolte ist der nobel-schleimige Kammerherr, Tobias Löschberger und Viola Novak verkörpern ein in festgefahrenen Traditionen erstarrtes Königspaar, das mit der unerwarteten Brautwahl ihres Sohnes nicht so recht umzugehen weiß. Den weiteren DarstellerInnen sei ein Pauschallob ausgesprochen, wir erachten die Aufführung als unbedingt sehenswert.
Folgevorstellungen:
22., 23. und 31.Mai
1. Juni
Text: Wolfgang Würdinger





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