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Opernhaus Graz

Mozart: Don Giovanni

Für Fortgeschrittene

(Graz, 6.11.2010). Wer Mozarts Don Giovanni nicht genau kennt, dem sei vor Vorstellungsbesuch nebst der Lektüre des Inhaltes auch jene der Anmerkungen von Kodramaturg Francis Hüsers empfohlen, ansonsten wird er/sie die ganze Sache eher nur mit Unverständnis betrachten können, denn die Aufführung beginnt mit dem aus der Konserve ertönenden finalen Sextett, während dessen die überlebenden ProtagonistInnen an einer langen Tafel sitzen und verloren wirken, da ihnen ihr Lebensmittelpunkt, nämlich der Titelheld, abhanden gekommen ist. In den Schlussakkord hinein ertönt dann live der erste Akkord der Ouvertüre, während der sie zuerst zu Boden fallen und nach und nach wieder hoch kommen, das Spiel kann als Rückblende beginnen. Stefan Heinrichs hat ein Einheitsbühnenbild geschaffen, welches das Innere eines Gefängnisses darstellt, wir alle sind Gefangene unserer Triebe und Leidenschaften, oder zumindest der Sehnsüchte danach, und somit wird auch nicht an Doppelgängern bzw. Mehrfachprojektionen der Akteure nicht gespart. Don Giovannis erstes Opfer, Donna Anna, wurde in Johannes Eraths Interpretation schon wirkliches Opfers ihres Vaters, des Komturs, der sie missbraucht und demgemäß sein Kind auch nur halbherzig verteidigt, indem das Duell mit dem Titelhelden zum russischen Roulett wird, bei dem eben Don Giovanni mehr Glück hat, der tote Komtur darf dann recht lange mit dem Gesicht im - hoffentlich vorgewärmten – Suppenteller verweilen. Penibel ausgefeilt ist das Konzept in der Personenführung und zeigt sehr genau die Beziehungen der Figuren untereinander auf, inklusive ihrer Doppelbödigkeiten, und mit vielen expliziten sexuellen Darstellungen auch ihre Träume und Sehnsüchte, die beileibe nicht immer nur den Titelhelden betreffen. Die überraschende Wende kommt dann im Schlussbild, wo nicht der Komtur Don Giovanni zur Hölle schickt, sondern letzterer vom sich aus seiner Passivität befreienden Don Ottavio erschossen wird, woraufhin alle davon stürmen, und er erst wieder allein seine Arie (Dalla sua pace) aus dem ersten Akt zum besten geben darf. Dieser Sichtweise, dass Don Ottavio der einzige ist, der nicht in irgendeiner Abhängigkeit zum Titelhelden steht, kann man ja etwas abgewinnen, leider werden jedoch viele andere Aspekte der Oper aller Opern vernachlässigt bzw. unter den Tisch gekehrt, wie etwa die komischen Elemente (dramma giocoso), das unerwartete Zusammentreffen von Elvira und Giovanni im 1. Akt, Leporellos Vortrag der Registerarie und seine vielen ironischen Nebenbemerkungen das ganze Stück durch, der Kleidertausch im 2. Akt mit den daraus resultierenden Verwechslungen, das sind alles Elemente der Komödie der 17. und 18. Jahrhunderts, über die hier hinweggegangen wird, gelacht darf im Luftschutzkeller werden. Dem Finale des ersten Aktes wurde jegliche Spannung genommen, da die drei Masken unmaskiert auftraten, und somit der Überraschungseffekt ihrer Demaskierung und die Frage, wie nun der in die Enge getrieben Don Giovanni würde entrinnen können, sich erst gar nicht stellte, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Die Intendantin lobte bei der Premierenfeier die musikalische Unterstützung des Regiekonzeptes durch den Dirigenten Hendrik Vestmann, für uns heißt das allerdings, dass über viele interessante Stellen einfach drübermusiziert wurde, auch wenn das Grazer Philharmonische Orchester sauber, engagiert, klangschön und transparent musizierte.

Eraths Konzept geht auch deshalb nicht auf, weil ihm mit Boaz Daniel kein seinen Intentionen entsprechender Titelheld zur Verfügung steht, es bleibt nicht ganz verständlich, weshalb sich Alle – in welcher Weise auch immer – zu ihm hingezogen fühlen, bzw. in seinen Bann geraten können, den Libertin verkörpert er wahrlich nicht, eher den netten Jungen von nebenan, dazu kam noch eine bereits im ersten Akt hörbare und im zweiten dann unüberhörbare Indisposition. Gal James’ Donna Anna ist zwar nicht die Allerdramatischste, aber sie strahlt Würde aus und bewältigt alle ihre Koloraturen ebenso wie Margareta Klobučar als Donna Elvira, der so manche stimmliche Schärfe – jedoch durchaus rollengerecht – nicht abzusprechen ist. Eine durchtriebene und stimmlich makellose Zerlina gibt Sieglinde Feldhofer, ihr Masetto ist vokal wie darstellerisch rollendeckend wie immer Wilfried Zelinka. Der schöne Bassbariton und die Spielfreude von Alik Abdukayumov sind bereits bestens bekannt, und so gibt er einen saftigen Leporello. Die besten gesanglichen Leistungen des Abends kommen jedoch vom Ältesten und vom Jüngsten des Ensembles: Konstantin Sfiris orgelt ebenso mächtig wie differenziert den Komtur, und der junge Italiener Antonio Poli stellte sich als Don Ottavio vor: Eine wunderschöne, technisch hervorragend geführte (Koloraturen!) lyrische Tenorstimme mit männlichem Kern in der Mittellage und leichten Höhen, zu Recht wurde er am meisten bejubelt, während ein Buhorkan über das Regie- und Ausstattungsteam niederging.

Folgevorstellungen:
10., 12., 14., 17., 20.und 27. November
5. und 16. Dezember
9. und 21. Jänner
4. und 17. Februar
10. März

Text: Wolfgang Würdinger




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    09.11.2010, 22:57 - Lukas

    Gratuliere dem Grazer Asemble
    Gratulation an:
    Magareta Klobucar
    Konstantin Sfiris
    Wielfried Zelinka.
    Weiters sehr gut
    Sieglinde Feldhofer u.
    Antonio Poli
    (laßt Euch nicht verheizen)
    an alle Bravo weiter so
    lg.









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