Schauspielhaus Graz
Lessing: Minna von Barnhelm
Erfolgreiche Entstaubung
(Graz, 27.10.2011). Zu Beginn ist die Bühne leer, vor den Zusehern wird die sparsam gehaltene Kulisse (Silvia Merlo, Ulf Stengl)aufgebaut und Just, der Diener Tellheims herein gerollt, das Spiel um Liebe, Ehre und vor allem männliche Starrköpfigkeit, um Korruption und falsche Anschuldigungen kann beginnen, und tut dies auch gleich in flottem Tempo, das die eindreiviertel pausenlosen Stunden konsequent durchgehalten wird. Regisseur Elmar Goerden konzentriert sich aufs Wesentliche, das Personal wird auf sechs ProtagonistInnen reduziert, die Sprache wird behutsam an heutige Verhältnisse angepasst, und die Schauspieler agieren mit viel Körpereinsatz. Als Titelheldin ist Verena Lercher besetzt, die jedoch etwas eindimensional bleibt, das Spiel mit den Gefühlen gelingt ihr nur bedingt, und so schießt Sophie Hottinger als ihre Kammerjungfer nicht zuletzt wegen ihres perfekten sächsisch-thüringischen Dialekts den Vogel ab. Jan Thümer beleuchtet die Facetten des Major von Tellheim vom zum Krüppel geschossenen Soldaten bis zum stolzen und sich auch von seinen Freunden keineswegs helfen lassen wollenden Offiziers, der meint, seiner ihn aufrichtig liebenden Minna nicht mehr würdig zu sein, bis der die Konfliktsituation auflösende Brief des Königs eintrifft. Ein Kabinettstück liefert Stefan Suske als Tellheims Diener Just ab, der seinem Herrn auch durchaus Paroli zu bieten weiß, Leon Ullrich ist ein seinem früheren Offizier treuer Wachtmeister, und Gerhard Balluch ein richtig schön schmieriger Wirt. Zum Gelingen des Abends tragen auch die historisierenden Kostüme von Lydia Kirchleitner bei, die meist zerfledderten Perücken weisen uns deutlich auf den eben zu Ende gegangenen Krieg hin.
In der von uns besuchten zweiten Vorstellung waren viele SchülerInnen anwesend, so manche Miene schien angesichts eines der großen Klassiker der deutschen Literatur skeptisch, nach der Vorstellung gab es nur mehr zufriedene Gesichter, so soll es sein, und so bringt man auch den jungen Leuten die alten Schinken nahe, die plötzlich gar nicht alt aussehen.
Folgevorstellungen:
2., 4., 9., 12. und 22. November
13. und 29. Dezember
Text: Wolfgang Würdinger




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