Schauspielhaus Graz
Ferenc Molnár: Liliom
Erfolgreiche Wiederaufnahme
(Graz, 24.9.2010). Gleich am Abend nach der Saisoneröffnung kam es zur Wiederaufnahme von Victor Bodós von der Presse einhellig als meisterhaft gelobten und vom Publikum gestürmten Inszenierung von Ferenc Molnárs 1909 in Budapest ur- und 1912 in Berlin deutschsprachig erstaufgeführtem Stück Liliom, und können nun auch wir nur das Beste berichten. Im funktionell-schlichten Bühnenbild von Pascal Raich und mit den phantasie- und geschmackvollen Kostümen von Andrea Kovács läuft die Inszenierung der Geschichte vom Praterstrizzi und dem Dienstmädchen immer dynamisch, mit kabarettistischen Anklängen, aber, wo erforderlich, auch ernst und besinnlich ab, und werden so alle Facetten des vielschichtigen Stückes beleuchtet.
Dies gelingt natürlich nur dank der grandiosen Schauspieltruppe, angeführt von Jan Thümer als Titelheld, der dessen aufbrausendes Wesen ebenso zum Ausdruck bringt wie seine Ungeschicklichkeit, wenn es um tiefere menschliche Beziehungen und Gefühle geht. Ihm ebenbürtig Kata Petö als herbe Schönheit Julie, die nicht nur duldet, sondern sich immer mehr emanzipiert. Sophie Hottinger als ihre leicht dümmliche Freundin und Steffi Krautz als Frau Muskat geben ebenso köstliche Charakterstudien ab wie Sebastian Reiß als Lilioms Unterweltfreund Ficsur und Gerti Pall als Frau Holunder. Ideal passend die Musik (live) von Klaus von Haydenaber, der auch selbst Klavier spielt.
Obwohl beinahe ausschließlich Hochdeutsch gesprochen und das Wienerische so gut wie ausgemerzt ist, kommt es zu einer atmosphärisch dichten Aufführung, die das Allgemeingültige in den Vordergrund stellt; wer’s noch nicht gesehen hat, dem wird ein Besuch dringend empfohlen!
Nächste Vorstellungen am 8. Oktober und 4. November 2010
Text: Wolfgang Würdinger

Kommentare