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Lehárfes­ti­val Bad Ischl

Ralph Benatzky: Im weißen Rössl
Franz Lehár: Paganini


(Bad Ischl, 23./24.7.2010). Als szenisch und musikalisch hochwertig, somit rundum gelungen kann man ohne Übertreibung beide Produktionen bezeichnen.

Im weißen Rössl

Nach dem einhelligen Erfolg von Leo Falls Der fidele Bauer mit Lokalkolorit (gundl.at berichtete) setzte Intendant Michael Lakner in logischer Folge Ralph Benatzkys Revueoperettenmusical auf den diesjährigen Jubiläumsspielplan (50 Jahre Operette in Bad Ischl) – die Vorverkaufszahlen bestätigen die Richtigkeit dieser Entscheidung, für sämtliche Vorstellungen gibt es nur mehr Restkarten – und konnte alle Rollen mit souveränen Sänger-DarstellerInnen besetzen.

Ulrike Beimpold spielt überzeugend die charmant-resolute, manchmal auch trotzige und doch der Liebe ihres Leopold nicht widerstehen könnende Rösslwirtin, dazu singt sie besser als so manche ihrer Rollenvorgängerinnen, Boris Pfeifer als Leopold hat von Anfang an die Sympathien des Publikums auf seiner Seite, Darstellung und Gesang sind von seiner ganz persönlichen Note geprägt. In kellnerischen Belangen, und nicht nur in diesen, wird er unterstützt vom Piccolo Gustl, den Thomas Zisterer mit geradezu bubenhaftem Charme gibt, leider hat er nicht mehr zu singen. Maria Gusenleitner präsentiert einen makellosen Erzherzog-Johann-Jodler, Gerhard Balluch ist der würdevoll-verschmitzte Kaiser. Die Truppe der Touristen wird angeführt von Ernst-Dieter Suttheimer als köstlich berlinerischem Fabrikanten Giesecke, der im Laufe des Stückes aber immer mehr austrifiziert wird, seine Tochter ist bei der charmanten und schönstimmigen Romana Noack bestens aufgehoben, Reinhard Alessandri als ihr Zukünftiger überzeugt durch seine charmante Art und seinen kultivierten und höhensicheren Tenor. Die Tochter des durchaus kleinbürgerlichen Professors Hinzelmann (Frank-Michael Weber) wird von Caroline Vasicek überzeugend lispelnd gespielt und mit hübschem Sopran gesungen, und wen bekommt sie zum Mann – den schönen Sigismund natürlich, mit dessen Darstellung Christoph Wagner-Trenkwitz wahrlich den Vogel abschießt: Perfekt im thüringischen Dialekt sprechend und – durchaus schön – singend zeichnet er mit viel Selbstironie hinreißend das Porträt des kleinstädtischen Trikotagenherstellers und Frauenhelden, der sein Klärchen aber aufrichtig liebt.

Im bewusst leicht kitschigen und wandlungsfähigem Bühnenbild von Herwig Libowitzky und den mit Anklängen an die aktuelle Mode aufgepeppten Trachtenkostümen von Michaela Mayer-Michnay lässt Regisseur Gernot Kranner die Handlung munter abschnurren, jeder Auftritt, jeder Gang, jede Geste sitzt, jede Pointe schlägt ein. Zum Gelingen der Vorstellung trägt auch die originelle Choreographie von Mandy Garbrecht bei, die vom sechs Damen und zwei Herren umfassenden Ballett schwungvoll und präzise umgesetzt wird.

Paganini

Natürlich ist als zweite Produktion ein Werk von Franz Lehár zu spielen, die Wahl fiel heuer auf des Meisters erste auf ein Happyend verzichtende Operette, nämlich Paganini, die zwar 1925 in Wien uraufgeführt, aber erst Anfang 1926 durch Richard Tauber in Berlin so richtig populär wurde.

Regisseur Leonard Prinsloo, der auch für die Choreographie verantwortlich zeichnet – besonders gelungen der Hexentanz - setzt auf eine zeitlos-moderne, oft augenzwinkernd humorvolle und vor allem unprätentiös dem Werk dienende Umsetzung der zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielenden Handlung, unterstützt wird er dabei von der schiefen, zum Publikum leicht abfallenden Bühne von Katharina Sautner, die mit aufklappbaren Wänden, die im ersten Akt von wunderschönen pastellfärbigen Blumen geziert werden, ihrer Kulisse Wandlungsfähigkeit verleiht. Besonders gefielen uns die Kostüme von Monika Biegler, die eine gelungene Mischung aus aktueller Mode und jener der Empirezeit sind, eine Augenweide auch die phantasievollen Frisuren (Maske Christa Jörgler).

Auf blass geschminkt, mit langem schwarzem Haar und ebenso schwarz gewandet, verkörpert Vincent Schirrmacher den Teufelsgeiger, dem Weiblein und Männlein zu Füßen liegen, kein Wunder beim Tenorglanz, den der junge Sänger verschwenderisch verbreitet, ebenmäßig spricht die Stimme in allen Lagen an, auch der passaggio gelingt scheinbar mühelos, strahlend kommen die hohen Töne. Die Violine wird virtuos von Marko Radonic gespielt, was ihm spontanen Applaus einbringt. Paganinis geliebte Fürstin Anna Elisa wird von Miriam Portmann würdevoll-fraulich und am Schluss berührend im Verzicht dargestellt, ihr Sopran erblüht von den ersten Takten an und leuchtet den ganzen Abend hindurch hinauf bis zu den geforderten Spitzentönen, sehr schön harmoniert ihre Stimme mit der ihres Geliebten. Der wandlungsfähige Gerhard Balluch ist nicht nur einer der Schmuggler, sondern vor allem auch Paganinis Impresario, den er aber eher als modernen Managertypen auf die Bühne bringt. Das Buffopaar, Kammerherr Pimpinelli, der sich bei den Frauen nicht so richtig geschickt anstellt, und die kapriziöse Primadonna Bella Giretti, die am Ende doch zusammen finden, wird mit großer Spielfreude und hübschen Stimmen von Verena Barth-Jurca und Michael Pflumm verkörpert, von der angesagten Indisposition des Letzteren war so gut wie nichts zu bemerken. Tomaz Kovacic gibt mit Falstaffbauch einen ziemlich dekadenten, lüsternen und schmierigen Fürsten, eine gar köstliche Charakterstudie liefert Karl Herbst als Hofdame ab.

In beiden Produktionen brillieren der von Georg Smola bestens einstudierte Chor des Festivals sowie das sauber und inspiriert spielende Franz-Lehár-Orchester, einerseits unter der besonders schwungvollen Leitung von Marius Burkert (Im weissen Rössl), andererseits unter Vinzenz Praxmarer (Paganini), der die vielen bekannten Melodien wunderbar aufblühen lässt.

Folgevorstellungen von Im weissen Rössl:
28. und 31. Juli
4., 6., 10., 13., 14., 17., 19., 21., 24., 25. und 27. August
2. und 4. September

Folgevorstellungen von Paganini:
29. und 30. Juli
5., 9., 11., 12., 15., 20., 25., 26. und 28. August
3. September

Text: Wolfgang Würdinger




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Fotos: Foto Hofer, Bad Ischl


Linktipp:

www.leharfestival.at