Opernhaus Graz.
Mozart: Le nozze di Figaro
Fröhliche Revolution
(Graz, 20.3.2010). Auch wenn Regisseur Josef E. Köpplinger manchmal mit slapstickartigen Gags übertreibt, charakterisiert er doch sehr fein und präzise die handelnden Personen, allen voran den Grafen Almaviva in seiner Lüsternheit, der zum Schluss sicht- und hörbar unwillig zugeben muss, der Düpierte zu sein, aber auch den liebestoll-verwirrten Cherubino, die gewitzte Susanna, deren Verhältnis zur Gräfin ein eher freundschaftliches denn eines von Kammerzofe zu Herrin ist, selbst die oft konturlose Barbarina wird zu einer selbstbewusst-frechen Göre, und natürlich auch den Titelhelden, der nicht nur einmal seinem Herren ordentlich Kontra gibt und dem manchmal doch die Fäden, die er in der Hand zu halten meint, entgleiten. Köstlich individuell auch die Charakterstudien von Marcellina, Bartolo, Basilio und Antonio. Der Tolle Tag schnurrt so munter im ziemlich heruntergekommenen Schloss von Aguas Frescas ab, für die letzten beiden Akte hat sich Bühnenbildner Johannes Leiacker ein noch mehr als die Wohnräume verwahrlostes Schlosstheater erdacht, in dem im 4. Akt aber doch nicht ganz die richtigen Lichtverhältnisse für das abendliche Verwirrspiel herzustellen sind. Geschmackvoll die farbenprächtigen Kostüme von Marie-Luise Walek.
Sehr gut aufeinander abgestimmt ist das Ensemble: Der dunkel timbrierte Bassbariton von Alik Abdukayumov hat die Revolution schon der Stimme, dazu passt hervorragend der hellere und ebenso höhen- wie koloratursichere Kavaliersbariton von Igor Gnidii, Margareta Klobučars lyrischer Sopran harmoniert ausgezeichnet mit dem jugendlich dramatischen von Gal James (Gräfin) und dem eher hell timbrierten Mezzo von Christina Daletzka. Nicht nur schauspielerisch, sondern auch stimmlich füllen Fran Lubahn (Marcellina), Wilfried Zelinka (Bartolo), Manuel von Senden (Basilio), Taylan Memioglu (Don Curzio) und vor allem David McShane (Antonio) ihre Rollen mit prallem Leben.
Vor allem im ersten Teil enttäuschend war die Leistung des Grazer Philharmonischen Orchesters unter Tecwyn Evans: Nach einer eher beiläufig gespielten Ouverture kam es vor allem im ersten Akt immer wieder zu Unsauberkeiten und Koordinationsproblemen zwischen Orchester und Bühne, die glücklicherweise nach der Pause kaum mehr auftraten, auch ist uns die Wahl mancher Tempi nicht ganz nachvollziehbar (z. B. die zerdehnte Auftrittsarie der Gräfin, selbst wenn die Klarinetten wunderbar bliesen), sodass sich der Abend nicht so recht zu einem musikalischen Ganzen zusammenfügen wollte, auch wenn Vieles gelang, wie beispielsweise die zwischen Rezitativ und Arie im Tempo sehr schön austarierte Rosenarie.
Großer Schlussapplaus für alle.
Folgevorstellungen:
28. und 31. März
10., 15., 18., 22. und 28. April
5., 7., 21. und 23. Mai
5. und 12. Juni
Text: Wolfgang Würdinger





Kommentare
16.05.2010, 16:01 - Sabine Hurler
Ein wunderbar moderner und spannender Opernabend und eine glänzende erotische Inszenierung
26.03.2010, 19:23 - Thomas aus leoben
eine vor allem durch die dichte schnörkellos zeitlos hervorragende inszenierung opernaufführung, enttäusdchend wirklich das dirigat und mässig das orchester, aber eine augenweide das bild und die darsteller,kluge zeitlos gute oper