Opernhaus Graz
Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk
Szenisch und musikalisch rundum gelungen
(Graz, 9.4.2011). Koproduktionen mit der Wiener Staatsoper gehören nicht unbedingt zum Grazer Opernalltag – umso erfreulicher ist es, dass die schon in Wien sehr erfolgreiche Inszenierung von Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann nun nach Graz übersiedeln konnte; liebevoll und auf die Grazer DarstellerInnen abgestimmt wurde sie von Wolfgang Schilly szenisch einstudiert, die musikalische Umsetzung ist ebenfalls in beachtlicher Weise gelungen.
Die junge Katarina langweilt sich in Ihrer kinderlosen Ehe mit dem ihr nicht viel Aufmerksamkeit widmenden Sinowi Ismailow, den Vorwürfen und auch Nachstellungen ihres Schwiegervaters Boris kann sie sich nur schwer entziehen. Als der Frauenheld Sergej neu aufs Gut kommt, fällt es ihm nicht schwer, Katarina zu verführen, die sich jedoch ernsthaft in ihn verliebt. Boris kommt hinter das Verhältnis der beiden und wird deshalb vergiftet, der betrogene Ehemann wird ebenfalls beseitigt, die verwesende Leiche jedoch entdeckt. Katarina und Sergej werden zu Zwangsarbeit in Sibirien verdammt. Auf dem Weg dorthin hat Sergej bereits eine Neue, deretwegen er Katarina ein Paar schöne Wollstrümpfe abschwatzt, Katarina jedoch durchschaut das üble Spiel und bringt die Nebenbuhlerin und sich selbst um.
Dies die nackte Handlung, dazu kommen noch viele satirisch-groteske Szenen (Hochzeitsfeier, Polizeistation), und es wird auch gezeigt, wie schlecht man einander eigentlich behandelt, vor allem die Männer gehen mit den Frauen recht brutal um, was letztere auch in gewisser Weise verrohen lässt. Im minimalistisch – praktikablen und toll ausgeleuchteten Bühnenbild von Volker Hintermeier werden die vielen Facetten des Stückes präzise herausgearbeitet und entsteht so eine meist bedrückende Stimmung, die aber leicht ins Verfremdende kippen kann, ganz wie es auch die Musik vorsieht, die vom Grazer Philharmonischen Orchester unter Johannes Fritzsch subtil und immer auf die SängerInnen Rücksicht nehmend ausgelotet wird, präzise werden die vielen Stimmungsschwankungen umgesetzt, nie sind das groß besetzte Blech und Schlagwerk zu laut, eine bereits nach der Pause bejubelte Leistung.
Von den allesamt in ihren Rollen debütierenden SängerInnen sei an erster Stelle die Titelheldin genannt: Mit schier unerschöpflichen Reserven ihres in allen Lagen ausgeglichenen, in den Höhen nie scharfen jugendlich dramatischen Soprans zeichnet Mlada Khudoley auch darstellerisch intensiv das erschütternde Porträt einer lebenshungrigen jungen Frau, die Opfer und Täterin zugleich ist. Mehr Täter als Opfer ist ihr Schwiegervater Boris, mit voluminöser und klangschöner Bassstimme in seiner lüsternen Verkommenheit eindrucksvoll verkörpert von Michail Ryssov. Sehr schön präsentiert Herbert Lippert die vielen – und nicht immer sympathischen - Seiten des Sergej mit strahlendem Tenor. Die zahlreichen kleineren Rollen sind bei den Ensemblemitgliedern bestens aufgehoben: Taylan Memioglu als willens- und lendenschwacher Sinowi, Margareta Klobučar als von den Männern drangsalierte Axinja, Manuel von Senden als wirklich schäbiger Schäbiger, David McShane als zynischer Polizeichef, Konstantin Sfiris als eher lebenslustiger denn salbungsvoller Pope und Wilfried Zelenka als berührender Zwangsarbeiter. Eine schöne Talentprobe gibt Kristina Antonie Fehrs in der Rolle der Sonjetka, Sergejs neuer Flamme, ab.
Mit großer Spielfreude und höchster musikalischer Präzision werden Chor und Extrachor ihren mannigfaltigen Aufgaben gerecht, sie wurden wie alle Anderen auch am Ende heftig akklamiert.
Folgevorstellungen:
13., 16. und 28. April
4. und 6. Mai
19. und 22. Juni
Text: Wolfgang Würdinger
Panzerkreuzer Potemkin
Stummfilm von Sergei Eisenstein
Musik von Edmund Meisel
15.04.2011 20:00 bis ca. 22:00
In Ergänzung zur Grazer Erstaufführung von Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ fungiert die Oper Graz einen Abend lang als Kinosaal und zeigt Sergei Eisensteins Stummfilmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“. 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt, lehnt sich die Handlung sehr frei an die tatsächlichen Ereignisse des russischen Revolutionsjahres 1905 an und schildert die Meuterei der Besatzung des russischen Kriegsschiffs „Knjas Potjomkin Tawritscheski“ gegen die zaristischen Offiziere.
1926 komponierte der aus Wien gebürtige Edmund Meisel Musik für Eisensteins Film. Diese Musik wird live vom Grazer Philharmonischen Orchester dargeboten, dirigiert von Gunter A. Buchwald, einem Spezialisten für Filmmusik und Wegbereiter der Stummfilm-Renaissance.





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