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Opernhaus Graz

Bellini: I Capuleti e i Montecchi

Kühle Bilder, leidenschaftliche Musik

(Graz, 22.5.2011). Textdichter Felice Romani hat die tragische Liebesgeschichte um Romeo und Julia auf ein Minimum an Handlung reduziert, was sich schon darin zeigt, dass es nur fünf Solorollen gibt, und so dem Komponisten die Möglichkeit geschaffen, seine großteils elegischen, weiten Melodienbögen in bester romantischer Tradition ausschwingen zu lassen. Nach ein paar wackligen Einsätzen wird die Ouvertüre ziemlich undifferenziert hingeknallt, ab dem Auftritt des Tebaldo jedoch findet das Grazer Philharmonische Orchester unter der Leitung des Schweizer Dirigenten Daniel Klajner jedoch glücklicherweise zu subtileren Tönen und Farben, und somit zum richtigen bellinischen Duktus, und begleitet auch die SängerInnen meist rücksichtsvoll, sehr schön gelingen sämtliche den Arien und Ensembles vorangehenden Instrumentalsoli. Die Titelrollen sind mit Dshamilja Kaiser und Anna Siminska besetzt, erstere gibt einen sehr leidenschaftlichen Romeo mit großvolumigem, ausdrucksstarkem und stimmschönem Mezzosopran, der keine Höhenprobleme kennt, und auch in der Tiefe setzt die junge Sängerin kaum einmal das Brustregister ein, eine feine, abgerundete Leistung. Zweitere ist stimmlich keine ätherische, sondern eher eine bodenständige Giulietta mit tragfähiger Mittellage für die langen Melodienbögen und sicherer, unangestrengter Höhe, zudem harmonieren die beiden Stimme sehr gut miteinander. Marlin Miller gibt, obzwar seiner Rolle stimmlich beinahe schon entwachsen, einen klangschönen und höhensicheren Tebaldo, Wilfried Zelinka einen unbeugsamen Capellio, und David McShane, wenngleich angesagt, einen rollendeckenden Lorenzo. Hervorragend wieder einmal der von Bernhard Schneider einstudierte Chor.

Die Inszenierung (Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper München) von Vincent Boussard zeigt uns das Geschehen fernab realistischer Darstellung, (z. B. Sterbeszene) und rückt so das Allgemeingültige in den Vordergrund, allerdings bleibt für uns manches einfach zu statisch und entstehen Längen, umso mehr, als aufgrund der notwendigen Umbauten des Bühnenbilds (Vincent Lemaire) gleich zwei Pausen eingelegt werden, dramaturgisch gesehen ist dies ebenfalls fragwürdig und erscheinen uns die vielen Stufen beim Hochzeitsbild auch nicht recht gelungen. Geschmack- und phantasievoll die vor allem in der Entstehungszeit angesiedelten Kostüme von Christian Lecroix, die Damen bei der Hochzeitsgesellschaft allerdings hätten samt und sonders beim Lifeball Ehre eingelegt. Durchwegs beeindruckend und die Stimmungen präzise einfangend die Lichtregie von Guido Levi.

Folgevorstellungen:
26. und 28. Mai
1., 3., 5., 8., 17. und 21. Juni

Text: Wolfgang Würdinger




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